Vortag an der Vhs Grafing

Vhs Vortrag: Das einfache Leben

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„Ein bissl weniger haben, ein bissl mehr teilen, dann können wir mehr sein“ – so beschreibt der ehemalige Grafinger Stadtrat Sepp Biesenberger seine Vorstellung vom einfachen Leben – und das tut er mit viel Humor

Grafing – „Einfach Leben“, das Motto der VHS Grafing dieses Halbjahr, scheint ganz vielen im Landkreis ein Bedürfnis zu sein. Auch an diesem Vortragsabend war der Raum mehr als gut gefüllt mit Zuhörern, die sich diesem Thema annehmen. Dieses „Einfach Leben“ ist auf verschiedene Weise zu erreichen, Sepp Biesenberger, seit fünf Jahren im Stadtrat von Grafing, hat seine ganz eigenen Erfahrungen mit der Vereinfachung „seines“ Lebens. 

Schon in der Art des Vortrages sah man das. Keine Bilder, kein multimedialer Schnick-Schnack, kurz und prägnant waren die meisten seiner Überschriften unterfüttert. Das Publikum entschied, zu welchen Themen es gerne etwas hören wollte. Da standen unter anderem folgende Bereiche zur Auswahl: Gesundheit, Vernetzung, Ethik, Bio, Mobilität, Arbeit, Verpackung oder Wohnen. Zu all diesen und noch viel mehr Sparten unseres Lebens überraschte der Stadtrat mit originellen Einfällen, vor allem aber mit ganz viel Humor. Vielleicht sind sie auch gar nicht als so originell zu bezeichnen, es ist eher ein reflektierter Rückblick auf altbewährtes beziehungsweise die Vermischung von diesem mit dem modernen Leben. Das fing schon bei der Verpackung an. Hier brachte Biesenberger seinen auf fast alle Gebiete anwendbaren Grundsatz hervor: „Warum nicht einmal schauen, wie es vor 50 Jahren war, damit man Ideen bekommt, wie man Dinge vereinfachen beziehungsweise vermeiden könnte“. 

Der Klassiker ist hier: Warum Plastiktüte, wenn auch eine Stofftasche geht? Kennt jeder, und trotzdem ist noch das meiste unserer Waren und Einkäufe in viel Plastik verpackt. „Redcuce, reuse, recycle“ ist in dem Leben des 63-jährigen ein großes Thema. So verwendet der Leiter der Logistik-Abteilung eines mittelständischen Unternehmens seit zehn Jahren kein Handy, Meetings gibt es bei ihm nicht, seine Tür steht immer offen, er besucht jeden seiner Mitarbeiter zweimal am Tag, um die Belange sofort lösen zu können. Und wenn seine Mitarbeiter Vorschläge haben, wird es so gemacht „wie sie es meinen“. Alles wird schnell, gleich und ohne große Umwege angegangen, sogar privates, welches seine Mitarbeiter unter Umständen belastet, kann erzählt werden und so auch Rücksicht auf die Verfassung des Menschen genommen werden. 

Das ist wohl auch das Wichtigste in seinem Anliegen, das gute Miteinander und dass wir alle irgendwie in Beziehung miteinander stehen und vor allem, dass wir alle dasselbe wollen: Gesundheit, Geborgenheit und als Mensch gesehen werden. Beim Oberpunkt „Sein“ fasst Biesenberger dies in seinen Worten so zusammen: Bleib dir treu, sei authentisch; lebe weitgehend erwartungsfrei. „Ich sage immer zu meinen Leuten, sag mir was du brauchst, was du kannst, verstelle dich nicht, kommt ja eh raus“. Ja, durchaus gibt es auch eine Vereinfachung im Miteinander. Klingt bei Biesenberger nicht schwer. Er selbst hatte vor einigen Jahren eine sogenannte „Krise“ und seitdem untersucht er förmlich jeden Lebensbereich auf Vereinfachung und kommt dem Wahnsinn unserer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Struktur immer mehr auf die Spur. Biesenberger ist durchaus bewusst, dass jeder seine Umsetzung zur Vereinfachung finden muss und dass es wichtig ist, lustvoll zu leben ohne zu große Einschränkungen, aber eben genügsam. Dass wir uns ein mehr reduzieren müssen, war allen klar an diesem Abend und dass dies durchaus ein Weg, ein Prozess ist. Zwischen Verschwendung und Asket sein gibt es noch etwas anderes: „Ein bissl weniger haben, ein bissl mehr teilen, dann können wir mehr sein“. Tretner

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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