Ausstellung im Museum Wald und Umwelt

Ausstellung "Baum - Mensch" steht kurz vor Eröffnung

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Am 14. September beginnt im Museum Wald und Umwelt die Sonderausstellung „Mensch - Baum“.

Ebersberg – Der Holzgestalter Bernhard Schmid fährt durch ganz Deutschland, um „seine“ Bäume zu finden, aus denen er lebensgroße und kleinere Skulpturen macht, aber auch sogenannte Kunstmöbel. Letzteres folgt aus seinem eigentlichen Beruf, der Schreinerei. Die hat er nun aber schon seit längerem geparkt und konzentriert sich hauptsächlich auf die „Baumkunst“. Und Ines Linke, die diplomierte Forstwirtin mit dem Schwerpunkt Ökologie und Umweltschutz, und die Leiterin des Museums liebt Bäume ja schon von berufswegen. 

Aber nicht nur, das merkt man sofort, wenn man mit ihr im Gespräch ist, bzw. sobald man in die Ausstellung eintritt. Die beiden Baumliebhaber haben eine ganz eigene Sprache über das gemeinsame Vorbereitungsjahr miteinander entwickelt, um die gerade teilweise sehr hitzige und durchaus auch manchmal übertönte Klimadiskussion „zur Sprache“ zu bringen. Über die Kunst, die gegebene Information bestens ins Bewusstsein zu bringen, so könnte man es nennen. Die Kunst als Transportmittel, um auch auf der emotionalen Ebene zu berühren – eine feine, sanfte Art der Aufklärung, ganz im Gegensatz zum oft lauten Pro und Contra der heutigen Zeit.

„Sinnlic-ästhetisch“, wird die Erfahrung im Begleittext zur Ausstellung genannt und gleichzeitig wird der unterschiedliche Standpunkt von Mensch und Baum erklärt. So nutzt der Baum, die ihm zur Verfügung stehenden Ressourcen für Wachstum und Entwicklung, er baut von Jahr zu Jahr lebendige Materie auf. Ganz anders der Mensch, er „verbraucht“ von Jahr zu Jahr mehr. Auf mehreren plakatähnlichen Aufstellern sind verschiedene „Verbrauchsthemen“ visuell aufgezeigt. Zum Beispiel heißt es da: „Darf es noch ein bisschen mehr sein?“ Hier kann der Besucher deutlich anhand von immer röter werdenden Strichen erkennen, welche die Jahreszahlen symbolisieren, dass wir 2017 durchaus schon bei Dunkelrot angekommen sind und die Folgen der Klimaerwärmung Fakten sind und keine gefühlten Wahrheiten mehr. 

Davor steht eine mannsgroße Skulptur die „En Garde“ heißt, auf deutsch Vorsicht. Die Skulptur scheint einen Ausfallschritt zu machen, grad so wie beim Fechten. Dazu passt auch der Name „En garde“, ein Befehl in diesem Sport, der die Fechter auffordert, sich zum Kampf aufzustellen. Ines Linke betont immer wieder, dass es vor allem darum geht, sich auch aus der Sicht des Baumes Fragen zu stellen, oder seine Sicht einzunehmen. Einfach mal die Rollen tauschen, das bringt einen Richtungswechsel. Was würde wohl der Baum sagen, der da gerade in Form der Skulptur einen Ausfallschritt macht? Bereit zum Kampf? Sagt er uns, dass wir um ihn kämpfen sollen? Auch um unser Willen? Wahrscheinlich. Weitere Unterthemen sind Schöpfung und Erschöpfung, mit der Suche nach der Wahrheit. Dementsprechend heißt die hier davor stehende Holzarbeit von Schmid: „Wahrheitssuchend“. Und wie Linke dazu bemerkt, gibt es hierzu auch immer die „eigene Wahrheit“ nach der man suchen kann, bzw. „wir bekommen im Moment zum Beispiel viele unterschiedliche Wahrheiten in der Politik mit, bis hin zur Klimawandelleugnung“.

Die Ausstellung regt sehr zum Nachdenken an, sie fordert einen auf eine ganz eigene Weise heraus, überprüft sehr genau, die eigene Reflexionsfähigkeit. Sie wirkt lange nach, bewirkt eine Nachhaltigkeit in Kopf und Herz. „Wir wollen Impulse setzen“, sagt Linke und Schmid ergänzt die Aussage um „gefühltes Verstehen“. Das ist den beiden gelungen. Kunst und Information in dieser Kombination, regt an, neue Fragen zu stellen, lässt einen in die Rolle des Baumes schlüpfen und Fragen aus seiner Sicht stellen.

Über all dem steht natürlich auch die Frage des Verbrauches, des Konsums und hier hat sich der Sohn von Bernhard Schmid eingebracht. Mit sechs verschiedenen kleinen Kärtchen, die jeder mitnehmen darf, regt dieser zum „jugendlichen“ Nachdenken der anderen Art ein. „Hau richtig rein“ heißt es da und meint, dass jeder auf Regionalität achten sollte. Oder „Sei ein Gewinner“, hier wird angeregt, Lebensmittel nicht wegzuwerfen und Geräte reparieren zu lassen, statt neu zu kaufen. Wer Lust hat, seinen inneren Fragenkatalog zu erweitern, für die Umwelt aber auch für sich selbst, der kann die wirklich sehenswerte Ausstellung noch bis Mitte Januar 2020 besuchen. at

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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