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Geheimnisvolle Erdställe im Landkreis

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Oftmals sind die Gänge in den sogenannten Erdställen so eng und verwinkelt, dass man nur rutschend vorwärts kommt Foto: © Foto: osw

Es sind Denkmäler unter der Erde, die sogenannten Erdställe. Im Landkreis gibt es sechs davon. Der Heimatkundeverein Zorneding berichtete nun, was es damit auf sich hat

Zorneding – Der Heimatkundeverein Zorneding hatte geladen und der großzügige Vortragsraum im „Neuwirt“ war bis auf den letzten Platz gefüllt. Richard Matuszewski berichtete von so genannten Erdställen. Dies sind unterirdische Ganganlagen mit Schächten und so genannten Schlupfen, extrem engen Schlupflöchern zum nächsten Abschnitt. 

Mit Ställen fürs Vieh haben sie also nix zu tun. Nur insoweit, als es so manchen Erdstall erst zu entdecken gab, wenn etwa ein Rindvieh auf der Weide plötzlich in ein Loch fiel. Dann offenbarte sich - wie etwa in Doblberg (Gemeinde Glonn) - beim ehemaligen Kirchplatz ein 25 langes, „begehbares“ System. Ein Holzstück wurde darin gefunden, geschätzt aus der Zeit zwischen 1020 und 1160. 

Der Vortagende, seit zwei Jahren Mitglied bei der Interessengemeinschaft Erdstallforschung, war selbst sozusagen unter Tage: Die Ganghöhe beträgt 110 Zentimeter. Also ist Bücken, meist aber sogar Kriechen angesagt, denn bei den sechs im Landkreis bekannten Erdställen gibt es auch Gänge mit nur 70 Zentimeter Höhe. 

In den Schlupfen kann nur mit größter Mühe durchgekrochen werden. Wozu diese Erdställe dienten, das ist nach wie vor umstritten: Als Versteck, für kirchliche Rituale, als Vorratsraum, Schatzkeller von Raubrittern, Brauchtum, Leergrab? In ganz Bayern sind um die 700 ES bekannt, entstanden im 10. bis 14. Jahrhundert und erforscht seit 150 Jahren. Oftmals liegen sie in Kirchennähe, so etwa im Fall Moosach: 1955 im Friedhof wurde die verhältnismäßig große, gut erhaltene Anlage entdeckt, die 80 Meter begehbare Gänge aufweist. Nahe der örtlichen Kirche, in drei Meter Tiefe befindet sich der 1880 gesichtete Erdstall in Loitersdorf (Aßling) mit verwinkeltem Gangsystem über 30 Meter. Im gleichen Gemeindegebiet weist auch Bichl einen Erdstall nach, entdeckt wurde er, nachdem dort 2014 eine Landwirtschaftsmaschine einbrach. 

In Kleinrohrsdorf (Baiern) fand sich 1930 in drei Meter Tiefe anlässlich der Grabung für eine Odelgrube eine unterirdische Anlage ebenfalls nahe der Kirche, beim Schmidbauer. Ganghöhe dort immerhin 90 bis 130 Zentimeter. Eine Sage rund um einen Raubritter und seine Schätze rumort zum Erdstall in Purfing: Bei der Anlage einer Abwasserleitung kam diese 1908 zum Vorschein, mit einem neun Meter langen Gang zur Kirche. Viele Erdställe sind laut Matuszewski noch unentdeckt, manche geheim gehalten; etwa von Bauherren, die auf die Meldung eines Erstalles an die zuständige Behörde lieber verzichten, da sonst Baustopp droht. 

Spannend dann bis zum Schluss: Was ist mit Erdstall in Zorneding? Es gebe Sagen um ein Gängesystem von Pöring nach Wolfesing, wurde berichtet. Doch dokumentiert sei davon bis heute nichts. Ein dort bekannter Landwirt bestätigt lediglich eine private Luftschutzeinrichtung. Scheinbar also nur eine Lausbubengeschichte, wie es sie diesbezüglich immer wieder geben würde. „Aber vielleicht findet man ja was bei den geplanten Neubauten“, so der Fachmann im „Neuwirt“. Und: Ja, Interessierte könnten durchaus einen Erdstall „besichtigen“. Vorausgesetzt, etwa der Grundstücksbesitzer gewährt Einlass. So wie in Reichertshofen, wo ein Landwirt durchaus auf Anfrage auch mal die „Abfahrt“ für Privatpersonen genehmigt - auf eigene Gefahr, versteht sich. osw

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