Wir müssen uns ändern

Slow-Food-Treffen in Herrmannsdorf

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Das erstes Slow-Food-Youth-Treffen in Deutschland fand vergangenes Wochenende in Herrmannsdorf statt.

Glonn – 20 bis 30 Prozent trägt unsere Ernährung zur Klimakatastrophe bei. Das erzählt Ursula Hudson - Vorstandsvorsitzende vom Verein „Slow Food Deutschland“ und Mitglied des Vorstands von „Slow Food International“ - vergangenen Samstag beim europäischen Slow-Food-Youth-Treffen in den Herrmannsdorfer Landwerkstätten. Erstmals findet dieses Treffen in Deutschland statt. Etwa 60 junge Menschen zwischen 16 und 35 Jahren aus 14 europäischen Länden sind zusammengekommen, um sich über die Zukunft unserer Ernährung und den Herausforderungen des Lebensmittelsystems auszutauschen. „Es liegt an den Prozessen der Ernährungsindustrie, die den Boden, das Klima, die Luft und das Wasser kaputt machen,“ erklärt Hudson. „Weil unser Essen möglichst billig sein soll, werden industriell Monokulturen angebaut, die schädlingsanfällig sind und jede Menge Düngemittel verschlingen. Schauen Sie zum Beispiel in den Amazonas.“ Tatsächlich: für unseren Fleischkonsum werden dort immer größere Flächen des Regenwaldes gerodet. Um den Wald besonders schnell zu roden, werden dafür in der Trockenzeit Feuer gelegt. Genau diese Feuer sind verantwortlich dafür, dass gerade Hunderte von Quadratkilometer des Regegenwaldes brennen.

 Samstagvormittag sitzt man zusammen und diskutiert – auch über Brasilien. Auf dem Podium Ursula Hudson und Sophie Schweisfurth, Geschäftsführerin der Herrmannsdorfer Landwerkstätten. Moderiert wird die Diskussion von Mareike Biegert. Intensiv wird geredet. Alle sind ganz bei der Sache, denn es geht ums Ganze. „Unser Essen ist untrennbar verknüpft mit Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Wissen, Landwirtschaft, Gesundheit und Umwelt. Daher sollen unsere Lebensmittel gut, sauber und fair sein,“ so der Common Sense aller Anwesenden. Es wird besprochen, warum das gegenwärtige Lebensmittelsystem verändert werden muss und was man dafür tun kann. 

Nicht von ungefähr trifft man sich in Hermannsdorf. Das Hermannsdorf Modell ist Vorbild. Und eben darum geht es: Essen, wie wir es bisher gewohnt sind, muss sich ändern. „Jeder kann etwas tun, jeder trifft an der Kasse Entscheidungen,“ so Schweisfurth. Zusammenarbeit, Kooperation sind Begriffe, die immer wieder fallen. Die Diskussion wird live im Netz übertragen. „Wir brauchen einen Wertewandel in der Gesellschaft. Wir müssen unsere Essgewohnheiten verändern,“ erklärt die Enkelin vom Hermannsdorf-Gründer Karl-Ludwig Schweisfurth. Und: „Wir müssen die Leute wieder dazu befähigen, sich selbst ernähren zu können, etwa in kleinbäuerlichen Strukturen.“ Wenn man weiß, dass etwa 60 Prozent der Weltlebensmittel von Kleinbauern hergestellt werden, dann klingt diese Idee durchaus realistisch. „Das vergessen die Skeptiker gern,“ fügt Hudson an. 

Allein der Lebensmittelmüll beträgt in Deutschland pro Kopf im Jahr 83 kg. Alle, die hier sind, sind überzeugt, dass die Lebensmittelindustrie so nicht mehr weitergehen kannt. Sie kommen aus der Gastronomie, sind Produzentern, Ernährungswissenschaftler oder schlicht Verbraucher, die sich mit Lebensmitteln beschäftigen. „Da geht es nur um Profit,“ mahnt einer. Doch so ernst das Thema auch ist, die Atmosphäre in Hermannsdorf ist entspannt. Neben dem politischen Diskurs wird gemeinsam gekocht und gegessen. Samstagmittag ist Crisan Iount Küchenchef. Er legt Polenta ala romaneste auf. Der Mann kommt aus Rumänien und hat sogar schon mal für den Papst gekocht. Sein Gericht ist vorzüglich, exquisite Haute Cuisine. Nach der Mittagspause teilen sich die Teilnehmer in verschiedenen Workshops auf. Da kann man etwa lernen, wie man Pasta selbst macht, Brezel und Butter, oder Knödel. Auch eine Wildkräuterwanderung ist im Programm. 

Und natürlich wird auch Politisches vermittelt. „Wir bieten zwei Workshops in diese Richtung an: ´Wie organisiert man eine politische Aktion´ und `Kommunikation´,“ erzählt Luise Duhan, Organisatorin des Vereins Slow Food Deutschland vor Ort. Die internationale Netzwerkarbeit hat freilich Ziele. Neben dem Austausch arbeitet man gemeinsam an Kampagnen, die in der Bevölkerung und auf politischer Ebene auf die Lebensmittelproblematik aufmerksam machen sollen – sie im Idealfall verändern. Die 27jährige Yeal Pantzer aus Florenz – sie ist im Slow Food Office in Brüssel tätig – sitzt beim Mittagessen neben Constantin Pelka, einem der Gründer von Slow Food Youth in München. Schnell wird klar, Genuss und Verantwortung gehören für die beiden jungen Menschen – wie übrigens für alle Slow Food Aktivisten - untrennbar zusammen. Kees

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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