Aus dem Gerichtssaal

Solaranlage vor Gericht

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Die Reflexion blendete den Nachbarn: Eine verdeckte Solaranlage auf einem Dach in Ebersberg.

Eine Photovoltaik-Anlage blendet den Nachbarn. Die Verhandlung vor Gericht zeigt: Das ist keine Bagatelle.

Ebersberg – Da bringt einer eine Solaranlage auf dem Dach seines Hauses an – und prompt protestiert ein Nachbar. Der Grund: die Anlage blendet. Der Mann aus der Nachbarschaft zieht deshalb sogar vor Gericht. Und, er bekommt Recht: die Solaranlage darf nicht blenden. 

Die Geschichte spielt in Ebersberg. Ein Ehepaar hatte vor etwa vier Jahren auf dem Dach ihres Doppelhauses in einer Siedlung eine Photovoltaikanlage für knapp 10.000 Euro installiert, der Umwelt zuliebe, aber auch um Kosten zu sparen: zwei Drittel der auf dem Dach produzierten Energie deckte den Eigenbedarf, der Rest wurde ins Netz eingespeist. Ganz im Sinne der Energiepolitik des Landkreises, will man doch bis 2030 frei von fossilen Brennstoffen sein. Nur gibt es Reflexionen, die einen Anwohner stören. Vor allem in seinem Treppenhaus sei die Blendung durch die Anlage so stark, dass dort beim Heruntergehen sogar Sturzgefahr bestehe. Auch am Esstisch fühlt er sich belästigt, würde man doch dort gegen Mittag etwa für eine Stunde derart geblendet, dass man einen Platz in dieser Zeit gar nicht nutzen könne. Das Problem beträfe gleich mehrere Fenster an seinem Haus, so erzählt er. Der Richter gab dem Mann Recht.

„Die Blendwirkung ist von dem Beklagten zu beseitigen,“ heißt es im Urteil. Um die etwa 75 Minuten täglich andauernde Blendung an Sonnentagen zu vermeiden (das entspricht je nach Sichtweise grob zwischen 30 und 50 Sonnenstunden pro Jahr), hat das Ehepaar die Solaranlage inzwischen mit einer hellen, leicht perforierten Folie abdecken lassen. Die Energiegewinnung durch die Photovoltaikanlage ging damit deutlich zurück. Dem Kläger geht die Maßnahme allerdings nicht weit genug, denn selbst die „weiße, glatte“ Plane blende noch – aus seiner Sicht ist die Auflage des Gerichtes, die Blendung zu beseitigen, damit nicht erfüllt. „Ich bin nicht gegen erneuerbare Energie, im Gegenteil,“ sagt er. Aber er wünsche sich, dass derartige Anlagen nicht einfach blindlings aufgebaut werden können. „Man muss eine Anlage planen.“ Schon in der Planungsphase könnte man zum Beispiel aus den vorgesehenen Aufstellwinkeln berechnen, wohin das Sonnenlicht reflektiert und ob das jemanden stören könnte. Danach könnte man sich bei der Errichtung einer Solaranlage doch richten. Das Ehepaar Simic hatte sich vorab auch darüber informiert, sich aber für eine genehmigungsfreie Anlage entscheiden, die direkt aufs Dach kommt, ohne Winkelveränderung, schon weil die Mehrkosten bei einer Anlage mit Aufständerung (die bei einer Aufstellung in einem anderen als der Dachneigung entsprechenden Winkel notwendig wäre, zudem eine Baugenehmigung bräuchte) die Sache nicht mehr rentabel gemacht hätte. 

Aktueller Stand: Man ist zerstritten, das Problem ist nicht gelöst, denn trotz der angebrachten Folie ist die Sache nicht aus der Welt. Es blende noch immer „ganz massiv,“ so der Kläger. Aber im Grundsatz ist man sich irgendwie einig: es braucht klare Regelungen seitens des Gesetzgebers. Der Kläger - der namentlich nicht genannt werden möchte, da er, seit über den Fall im Bayerischen Fernsehen berichtet wurde, auch einen Drohanruf bekommen habe – ist überzeugt, „dass sich der Staat aus der Kontrolle zurückgezogen hat, weil die Lobby der Solarfirmen so stark ist.“ Er wünscht sich klare staatliche Regelungen, die dem „Wildwuchs“ entgegenstehen. Auch Mirjana Simic ist überzeugt: „Es muss etwas geschehen. Es braucht klare Regelungen vom Gesetzgeber. Und die müssen erst gefunden werden; sie sind wichtig in der Gesellschaft. Ein Grund, warum wir den Prozess, obwohl verloren, durchgezogen haben: Wir wollen auf das Problem aufmerksam machen.“ Auch die Industrie ist gefordert, mit technischen Innovationen einen Beitrag gegen derartige Reflektionen zu leisten. 

Fälle wie diese gibt es immer wieder. Sie sind allerdings Ausnahmen. In Ebersberg: Simic wollen sich weiter beraten lassen und eine Lösung finden. Der Nachbar will auch weiterhin keine Sonnenbrille zu Hause aufziehen müssen. Verurteilen sollte man allerdings weder die eine noch die andere Seite – beide haben nachvollziehbare Argumente. Kees

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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