Sondersitzung zur Sanierungsmaßnahme der EBE 8 zwischen Nettelkofen und dem Seeschneiderkreisel

Grafing: Eine Eiche muss weichen

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Hier geht es nur noch vorbei! Der EBE 8 Abschnitt ist für alle Kraftfahrzeuge, Radfahrer und Fußgänger gesperrt.

Sondersitzung mit Workshop-Charakter und Auszeit, aber ohne Entscheidung

Grafing - Weitere Prüfaufträge waren das Ergebnis der Sondersitzung zur rund 1,1 Kilometer langen Sanierungsmaßnahme der EBE 8 zwischen Nettelkofen und dem Seeschneiderkreisel sowie dem parallel laufenden Neubau eines Rad- und Gehwegs. 

Temporeiche Arbeit liegt vor den Beteiligten, damit die Bauarbeiten möglichst schnell weitergehen können. Nur eines ist sicher, eine der beiden Eichen nördlich oder südlich der EBE 8 wird weichen müssen. Um die Möglichkeiten für eine bis zu zehn Meter nach Süden zu bauende Verschränkung der EBE 8 realisieren zu können, sind mit weiteren Eigentümern Gespräche über Grundstücksverkauf und -tausch zu führen sowie parallel dazu, ist die bauaufsichtliche Zulassung für eine Landstraßen-taugliche Wurzelbrücke zu eruieren. 

Eine sofortige Kiesaufschüttungen im Wurzelbereich der nördlichen, rund 300-jährigen Eiche sollen die Vitalität des Baumes während den Bauarbeiten sichern. Von vielen E-Mails zur Rettung der 300-jährigen Eiche berichtete Landrat Robert Niedergesäß zu Beginn der ULV-Sitzung. Aber auch Landkreisbürger senden Mails, in denen man keinen Wert auf den Erhalt der Eiche lege und Engagement für andere Projekte einfordere. Zum Erhalt der alten Eiche hatten die Grünen eine „Trichterlösung“ mit Temporeduzierung auf den neuen EBE 8 gefordert sowie andere Maßnahmen zur Verkehrssicherheit vorgeschlagen. Auch sogenannte „technisch, förderfähig und haftungsrechtliche Lösungsansätze“ sollten geprüft werden. 

Die untere Straßenverkehrsbehörde sah für die von Kreisräten vorgeschlagene Trichterlösung keine Umsetzungsmöglichkeit, denn „Beschränkungen sind nur dort zuzulassen, wo es für die Sicherheit des Verkehrs unbedingt erforderlich ist. Gerade beim Neubau einer Straße obliegt der Straßenbaubehörde die Verantwortung, die Straße so zu bauen, dass möglichst keine Gefahrenpunkte entstehen, die spätere Geschwindigkeitsbeschränkungen erfordern“. 

Die staatliche Bezuschussung von rund 650.000 Euro war damit nicht sichergestellt. Deutlich wurde in der Sitzung auch, dass gleich bei welchem Straßenverlauf eine der beiden Eichen am Waldrand weichen müsse: Entweder die rund 300-Jährige vom Blitz von der Krone bis zum Fuß des Stammes gezeichnete mit einer Baumhöhe von 20 Metern oder die nahezu unversehrte, 100-Jährige mit einer Baumhöhe von 17 Metern. Der von den Grünen empfohlene Verkehrsplaner aus dem Landkreis war nicht gekommen, dafür aber ein Forstwirt und Baumpfleger aus München. Hier begann denn auch der Workshop-artige Teil der Sitzung. Leider viel zu spät sei er zum Projekt EBE-8-Sanierung hinzugezogen worden, so der Experte. Wäre der Kontakt zu ihm ein bis zwei Jahre früher aufgenommen worden, so man hätte die 300-jährige Eiche noch verpflanzen können. Ungläubiges Staunen machte sich in der Kreissitzung breit. In der Münchner Kies-/Schotterebene habe er Erfahrung und könne mit fachgerechtem Aufwand alte, meist flachwurzlige Bäume um 20 bis 30 Meter versetzen. Da das nun bei der Eiche nicht mehr möglich sei – gut ein Jahr sei die Straße für den Verkehr dann zu sperren –, könne er nun eine Wurzelbrücke aus Stahlpfosten und -gittern und Vlies anbieten. Eine Garantie für das Überleben der Eiche könne er nicht geben. Nach der Straßensanierung sollte man zweimal jährlich eine Baumpflege betreiben. Eine Lösung, die die Straßenbaufachleute aus dem Rad- oder Gehwegbau kennen, aber nicht für den fließenden Schwerlastverkehr auf Landstraßen. 

Auszeit war angesagt. Nach einem wohl ernüchternden Telefonat des Straßenplaners mit dem Hersteller der Gitterelemente war von einer Entscheidung in der ULV-nicht mehr auszugehen. Jetzt müssen wieder einmal neue Pläne gezeichnet, die Maße dafür berechnet werden. Ob der dafür notwendig Grunderwerb erfolgen kann, obliegt dem Verhandlungsgeschick der Verwaltung. 

Für Martin Lechner (CSU) ist eines sicher, die 300-jährige Eiche wird nicht so aussehen, wie sich viele den Baum jetzt vorstellen. Das räumte auch der Baumexperte ein. Für Lechner wäre die Fortführung der Baumaßnahme und Ersatzpflanzung von 300 Eichen nach dem zuvor einstimmigen Kreistagsbeschluss die praktikabelste Lösung. Das sehen Grünen und SPD anderes. Man habe so abgestimmt, weil man vom Landratsamt nicht informiert wurde. „Wir haben ja von der 300-jährigen Eiche nicht gewusst“, so Ilka Ackstaller (SPD). ar

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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