Alte Brennerei stellt ab morgen neue Werke aus

Spannende Ausstellung in Ebersberg

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Martin Spengler vor seinen Reliefs.

Am Freitag eröffnet der Kölner Künstler Martin Spengler eine Ausstellung mit Reliefs und Skulpturen beim Kunstverein.

Ebersberg – Ein Relief ist nicht wirklich Bild, auch nicht wirklich Skulptur. Es ist eine plastische, aus einer Fläche herausgearbeitete Darstellung - eine Kunstform zwischen Malerei und Bildhauerei. An Kirchenportalen sind solche Bildwerke oft aus Stein zu finden. Kein Wunder, dass der in Köln geborene Martin Spengler eine Affinität zu dieser Art der künstlerischen Darstellung hat, ist der Kölner Dom doch voll von derartigen Reliefs. Allerdings bearbeitet Spengler nicht Stein sondern Wellpappe, genauer Wellpappblocks. Aus diesen bis zu 35 Lagen bestehenden Materialschichtungen lässt der 43jährige Bilder und Skulpturen entstehen. Statt mit Hammer und Meisel arbeitet er mit speziellen Cuttermessern, die besonders lang, dünn und schmal sein müssen, um die filigranen Figuren aus dem papierenem Material schneiden zu können. „Etwa alle fünf Minuten brauche eine neue Klinge,“ erzählt er. 

„Für eines meiner Bilder benötige ich um die 200 bis 300 Klingen.“ Die Bilder sind stark. Etwa Hochhausfasseden, Ausschnitte einer Tribüne eines Olympiastadiums, ein Treppenhaus oder die La-Ola-Welle bei einem Fußballspiel hat der Mann auf die großformatigen Flächen geschnitten. Noch etwas anderes sticht dabei ins Auge: die Reliefs sind allesamt schwarz-weiß, Farbe fehlt völlig. Der Künstler überarbeitet die dreidimensional entstandenen Papierformen mit schwarz-grauem Grafitstift, zeichnet die Schnittränder nach, das erzeugt Tiefe. Und dennoch erzählen diese Werke auch etwas von der Reizüberflutung unserer Tage, denn sie sind bis ins Detail gestaltet. Das schafft füllige Masse. Seine Technik, so erzählt der Kölner – der in Bremen, Wien und München studiert hat und heute in München lebt -, habe er von Anfang an verfolgt, meinte zuerst, sie für sich sogar erfunden zu haben, ehe er feststellte, dass sein Großvater, der Holzbildhauer war, etwas Ähnliches gemacht hat. Was kommt aus einem und warum? Große Theorien will der Künstler nicht von sich geben, es müsse einfach stimmen für ihn. Und das tut es auch für den Betrachter. Die Arbeiten beeindrucken, man kann sich in ihnen verlieren – oder wie es der Künstler sagt, „Kunstwerke müssen irgendwelche Gefühle erzeugen“, und das tun die seinen unbedingt. Und dann stehen da noch Skulpturen im Raum, zusammengesetzte Wellpappteile auf entsprechend geformten Holzsockeln, verfremdete Elementen des Kölner Doms. Freilich, das darf nicht fehlen, verweisen diese Objekte doch auf den Weg der Gotik in die Gegenwart. 

Mit wachen Augen muss man also durch die Welt gehen und die Dinge, die man sieht in sich arbeiten lassen. Dann können solche Transformationsprozesse entstehen, die wiederum einen Spiegel bilden für seinen Betrachter, der dadurch womöglich Horizonterweiterung erfahren kann. Kritik an der optischen Überlagerung der Gegenwart? „Wieso, ich bin doch Kind dieser Zeit,“ kommentiert Spengler diese Frage. Seine Kunstwerke wirken und sie wirken nach – man sollte die Schau in Ebersberg keinesfalls verpassen. Eröffnung ist am Freitag, 19. Januar um 19 Uhr in der Galerie Alte Brennerei im Klosterbauhof. Der Eintritt ist frei. Geöffnet hat die Ausstellung dann bis zur Finissage samt Künstlergespräch am 11. Februar um 16 Uhr jeweils Freitag von 18 bis 20 Uhr, sowie Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr.

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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