Spende an Brücke Ebersberg

„Ein leuchtendes Vorbild“

Florian Weidenbach übergibt Spendencheck in Höhe von 1000 Euro an Brücke Ebersberg
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Florian Weidenbach (l.) überreicht dem Geschäftsführer der „Brücke Ebersberg“ Ernst Weinzier einen Spendenscheck in Höhe von 1.000 Euro. Weidenbach wurde als Jugendlicher selbst von der Institution unterstützt

Ein Spendencheck für eine soziale Einrichtung ist eine tolle Sache. Aber manchmal berührt der Hintergrund mehr als das Geld. Wie in diesem Fall. Eine Geschichte über Nehmen und Geben

Landkreis – Als „leuchtendes Vorbild“ bezeichnete Ernst Weinzierl, Geschäftsführer des sozialen Hilfsvereins „Brücke Ebersberg“, seinen einzigen Klienten Florian Weidenbach. Der 39jährige, inzwischen Vertriebsdirektor im Markt Schwabener Familienunternehmen „PVF Mesh + Screen Technologie GmbH“ - ein Unternehmen, das in Japan gefertigte Siebdruckgewebe vertreibt, wie sie beispielsweise für Masken verwendet werden -, überreichte einen Spendenscheck in Höhe von 1000 Euro. Jedes Jahr spendet die Firma, für die er tätig ist Geld für wohltätige Zwecke. Dieses Jahr ging die Spende an die Ebersberger Brücke. Weidenbachs Weg war einst keineswegs auf diese Karriere ausgerichtet. Denn als Jugendlicher kam er auf die schiefe Bahn, wurde straffällig und stand schließlich vor Gericht. Doch statt zu einer Geldstrafe wurde er zu gemeinnütziger Arbeit verurteilt und kam so unter die Fittiche der Ebersberger Einrichtung und wurde – wie er erzählt – dort auf den richtigen Weg gebracht. Die Ebersberger Brücke kümmert sich - seit nunmehr 40 Jahren – um junge Menschen, die statt Geld- oder Gefängnisstrafen soziale Arbeit abzuleisten haben. Entscheidend in dieser Arbeit sei es, so erzählt der Geschäftsführer, die jungen Menschen ernst zu nehmen, sie aufzunehmen und zu verstehen. Weidenbach pflichtet bei: „Da glaubt plötzlich jemand an Dich. Und dadurch glaubt man wieder an sich.“ 

Als sich Weidenbachs Eltern trennten, der Vater wegging und die Mutter plötzlich den Lebensunterhalt für die Familie alleine verdienen musste, kaum mehr Zeit für den Jungen hatte, war der Pubertierende überfordert und rutsche ab. Die richterliche Weisung für seine Vergehen: Sozialdienst unter anderem in Altenheimen oder im Wald. Seiner Betreuerin Karin Fritz habe er viel zu verdanken, berichtet er: „Die Frau hat mir sehr geholfen, mir Chancen gegeben und irgendwann hatte ich es gepackt.“ Durch die Hilfe der Einrichtung konnte der Jugendliche nach unzähligen Schulwechseln den qualifizierenden Hauptschulabschluss nachholen und begann eine Lehre als Hotelkaufmann. Bald war er als Concierge im Hotel Bayerischer Hof angestellt. Als er dort Chef-Concierge wurde, bedankte er sich mit einem Brief bei den Brücke-Helfern. Inzwischen ist der Mann verheiratet und arbeitet im Betrieb des Schwiegervaters in leitender Position.

„Da glaubt plötzlich jemand an Dich. Und dadurch glaubt man wieder an sich“

Der sozialen Einrichtung mit einer Spende zu danken war ihm ein Herzensanliegen. „Bei etwa 90 Prozent unserer Klienten können wir etwas bewirkten,“ erläutert Weinzierl. „50 bis 60 Prozent finden Arbeit.“ Das Entscheidende sei, so der Sozialarbeiter, den Menschen mit Würde zu begegnen und ihnen Selbstvertrauen zu geben, denn das sei in der Regel das größte Defizit der straffällig gewordenen Jugendlichen. Weidenbachs Geschichte erzählt genau davon: der Vater hatte damals nicht an ihn geglaubt, wie er erwähnt, „allerdings die Mitarbeiter der Brücke. Ich bekam Unterstützung und nie einen Zeigefinger vorgehalten.“ Weinzierl spricht davon, zwar keinen Familienersatz zu bieten, doch aber „familienanaloge“ Beziehungen und betont, wie wichtig es sei, den Menschen Perspektiven und Chancen zu geben. „Es geht um Lebensqualität, darum, Talente zu fördern.“ Talente, die in manchen sozialen Milieus schlicht verkümmern. „Die Summe der Verlierer wird immer größer,“ ergänzt er mit Blick auf die immer härter werdende Gesellschaft. Dass aus Florian Weidenbach kein Verlierer sondern ein Gewinner geworden ist, hat er der Arbeit des Vereins zu verdanken, der sich übrigens in wenigen Monaten auflösen wird. Die Hilfe soll allerdings weitergehen. Mitarbeiter der Institution werden sich unter dem Namen „Brücke Landkreis Ebersberg“ selbstständig machen und diese wichtige Arbeit weiterhin fortführen. Weidenbachs Spende, respektive die der Firma, in der er tätig ist, ist Anerkennung und richtungsweisendes Signal zugleich, für die Notwendigkeit dieser Form von sozialer Arbeit.

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