„Der Worte sind genug gewechselt“

Sporttheater Kirchseeon begeistert mit spektakulärer Show

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Das Sporttheater Kirchseeon hat mit eine klare Ansage zur Rettung der Erde

Kirchseeon – In Kirchseeon sind die Probleme unseres blauen Planeten bekannt. Doch während auch in der Nachbarschaft die Notstand-Ausrufer um Aufmerksamkeit bitten, geht man in der Marktgemeinde pragmatischer heran, wie jüngst beim Kompromiss aller Fraktionen in der Ratssitzung (wir berichteten). Oder akrobatisch, theatralisch und, ja: durchaus unterhaltsam. So wie das über den Landkreis hinaus bekannte Sporttheater zum Abschluss der Schulzeit im örtlichen Gymnasium. Projektleiter und Schüler hatten sich das Thema auf die Fahne geschrieben, die junge Generation eben, die in Kirchseeon auf ihre Art die Causa betrachtet und Lösungen vorschlägt. 

Drei Abende lang begeisterte das beeindruckende Ensemble mit dem „Countdown“, so der bezeichnende Titel des Theaterstücks in der freilich voll besetzten Aula: Ist-Zustand; Lösungen suchen/finden, Rettung? Die Aufführung mit allem Drum und Dran in ein paar Worten zu beschreiben, untersagt sich nicht nur wegen der Brisanz des Themas, sondern auch aufgrund der vielen bemerkenswerten Details und Hintergründe. Daher sprachen wir mit Margrete Bartehelmes, Unterstufenbetreuerein und mit Leidenschaft verantwortlich für das Sporttheater, das mit seinen beeindruckenden akrobatisch-sportlichen, aber auch künstlerisch-dramaturgischen Qualitäten Besucher anlockt, deren Nachwuchs gar nicht auf diese Schule geht - Außenseiter applaudierten diesem „Countdown“.

Es ist ein komplexes Thema, welches Sie sich auf die Fahne geschrieben haben. Worum geht es konkret?

Barthelmes: Die Erde ist die Patientin. Sie fühlt sich schlecht, hat erhöhte Temperatur, stellt fest, dass ständig heftiger werdende Wirbelstürme aufkommen, mit immer verheerenderen Folgen. Dass vernichtende Vulkanausbrüche geschehen, weil es in ihrem Innersten immer mehr rumort. Sie ist besorgt, dass ihre Ressourcen unwiederbringlich ausgebeutet werden und ihre Gewässer, auf die sie sehr stolz ist, systematisch verschmutzt werden und mit der allgemeinen Erwärmung den Meeresbewohnern keinen Lebensraum mehr bieten können. Sie beneidet die anderen Planeten, die diese Sorgen nicht haben. Diese Planeten allerdings verstehen ihre Aufregung überhaupt nicht, da die Erde schließlich die besten Voraussetzungen hätte. Nach einiger Zeit findet Dr. MEL im Gespräch mit der Erde heraus, dass für ihre Probleme die Menschheit die Verantwortung trägt. Diese benimmt sich, als gäbe es einen Ersatz-Planeten und fühlt sich wie die Krone der Schöpfung, die auf nichts und niemanden Rücksicht nehmen müsse. Nach und nach werden der Erde und Dr. MEL klar, dass mehr Informationen über den akuten Zustand der Erde an die Menschheit ausgegeben werden müssten und mehr Protest gegenüber den Verursachern organisiert werden sollte. Letztendlich müsse die Menschheit erkennen, dass sie von der Erde abhängig sei und nur ein vernünftiges Miteinander für beide die Zukunft sei. Mit einer flammenden Rede erklärt sich schließlich die Menschheit bereit, mit der Erde zusammenzuarbeiten, damit beider Überleben gesichert sei. Das Ganze endet mit einer Party in Form eines Flashmobs

Wie schafft man es, diese Thematik in Tanz und Bewegung, Sport und Akrobatik umzusetzen?

Geprobt wurde seit Beginn des Schuljahres in sechs verschiedenen Gruppen: Da ist das Sporttheater 1 der 5. und 6. Klassen. Sie trainieren Bewegungskünste wie Jonglieren, Einrad, Poi, oder Diabolo. Im Sporttheater 2 sind in der Regel Schüler der 7. bis 10. Klassen plus sehr gute Turner aus den Klassen 5 und 6. Hier liegen die Schwerpunkte beim Turnen und der Akrobatik. Ein weiteres Augenmerk liegt auf der dramatischen Gestaltung Dazu gibt es noch Tanzprojekte in allen Altersstufen. Geprobt wurde mindestens eine Stunde pro Woche.

Wer hatte die Idee zum Projekt und wie wurde es umgesetzt? Meine Tochter Anna kam von ihrer Reise nach Indonesien komplett empört und ernüchtert über die Verschmutzung der Meere zurück und meinte: ‚Das sollte einmal auf der Bühne umgesetzt werden.‘ Das Konzept wurde dann gemeinsam mit den älteren Schülern während des Probenwochenendes in Weißenhorn erstellt. Alle konnten ihre Ideen und Vorstellungen einbringen, alles wurde notiert und von mir und meiner Tochter auf die Umsetzbarkeit in Bewegung und Darstellung auf der Bühne überprüft. Dann wird ein halbes Jahr lang geprobt. Der Text entstand diesmal erst relativ spät, nämlich in den Pfingstferien auf der Zugfahrt von Nord- nach Südbayern. Er wurde im Detail mehrfach geändert, ergänzt, und selbst am Tag vor der Aufführung noch erweitert.

Wie viele Beteiligte waren mit von der Partie?

Ich habe das einmal zusammen gezählt und bin auf 199 Teilnehmer gekommen. Da zählen auch die Leute hinter der Bühne dazu wie Kulissenschieber, Mattenschlepper, Requisiteure, Souffleusen, Sanitäter, Bühnentechniker, Bortzeitverkäufer und die ‚Mädchen für alles.‘

Was hat Sie am Stück besonders berührt?

Während der Schlussrede der Menschheit wird ein Zitat aus Goethes Faust mit einem Beamer auf die Leinwand projiziert. ‚Der Worte sind genug gewechselt, nun lasst mich endlich Taten sehn. Indes Ihr Komplimente wechselt, kann etwas Nützliches geschehen.‘

Ein gewaltiges, beeindruckendes Spektakel - wie immer! Aber doch war es dieses Mal irgendwie anders! Wie lautet denn Ihr Fazit.

Personen aus dem Publikum kamen in am Ende der Show auf uns zu, teilweise mit Tränen in den Augen. Kollegen fanden, dass jeder Schüler in die Show kommen müsse, um mit dem Thema vertraut gemacht zu werden. Nach drei Tagen waren wir alle erschöpft, ausgelaugt aber auch unendlich froh, dass es zu keinen größeren Verletzungen gekommen ist, alle ihren Spaß hatten und wir merkten, dass sich die Arbeit mal wieder so richtig gelohnt hatte. Ein nicht enden wollender Applaus an den Abenden zeigte uns, dass unsere Show gut angekommen war, die Leistungen der Schülervom Publikum honoriert wurden. Das freut uns besonders . Und nicht zu vergessen: Die Show wurde von den Schülern gestemmt - wir Lehrer gaben ihnen nur eine Bühne, ihre Talente zu präsentieren. Außerdem freut uns immer besonders, wenn ehemalige Sporttheater-Mitglieder zu den Shows kommen und entweder im Publikum sitzen oder backstage ihre Hilfe anbieten - wenn eben diese Zusammengehörigkeit zu spüren ist. 

Das Interview führte Oliver Oswald

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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