55 Jahre Bauzeit

Bemerkenswerte Führung in St. Johannes Baptist in Glonn

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Stephan Ametsbichler führt durch die Glonner Kirche

Stephan Ametsbichler führte durch die Glonner Kirche

Glonn – Stephan Ametsbichler ist in Glonn geboren. Er hat Musikwissenschaft studiert, war Leiter der Stadtkapelle Rosenheim und Dirigent des Bayerischen Blasmusikverbandes. Nach wie vor singt und dirigiert der Mann. Und er hat noch eine Leidenschaft: er interessiert sich brennend für die Kirche seines Heimatortes, die Kirche St. Johannes Baptist in Glonn. 

Mit der Geschichte dieses Gotteshauses hat er sich ausführlich beschäftigt und möchte zum 200jährigen Kirchenjubiläum 2023 sogar ein Buch über das Bauwerk herausgeben. Denn die Kirchengeschichte hat es in sich, wie Ametsbichler vergangenen Sonntag bei einer äußerst spannenden Kirchenführung erzählte. Wiederholt wurde der Vortrag, weil er beim ersten Mal so gut ankam. Und tatsächlich, die Führung beeindruckte, inhaltlich wie vom Gestus des Redners her. Man spürte das Herzblut, das der Mann in das Thema gesteckt hat. Er hat in Archiven gewühlt und Stück für Stück zusammengetragen. Ametsbichler beginnt mit dem Namenspatron der Kirche, Johannes dem Täufer, und bittet seine Zuhörerschaft bald, auf die Empore zu blicken. Auf deren Geländer finden sich Gemälde, die Szenen aus dem Leben des Heiligen zeigen. 

Die Sache ist die: ursprünglich wurden die dem Gotteshaus namensstiftenden Schutzheiligen in der Kirche beerdigt. Als die Anzahl der Kirchen wuchs, reduzierte man das auf deren Reliquien. Bald reichten aber auch die nicht mehr und so entstand der Brauch, das Gotteshaus mit Bilder und Figuren des Namenpatrons auszustatten. Nebenbei bemerkt Amtesbichler eine Jahreszahl: 747 ist in einer Schenkungsurkunde von der Glonner Kirche die Rede. 

Aus dem 7. Jahrhundert stammt ihr Ursprung also allemal. Er vermutet, dass sie einst als Taufkirche im feuchten Glonntal, analog zum Jordantal, errichtet wurde – auf einer keltischen Kultstätte, was aus seiner Sicht einen ganz praktischen Grund hatte: man wollte keine zwei Religionen nebeneinander und so ersetzte man den heidnischen Ort mit einem christlichen Gotteshaus. Einen Vorgängerbau der heutigen Kirche hat es also gegeben. Es handelte sich um eine gotische Kirche, deren Reste sich noch heute in der Sakristei finden. 

Und nun wird es wild: Ab etwa 1740 werden in Bayern viele Kirchen abgerissen, weil sie alt, baufällig oder kaum mehr genutzt waren. Auch in Glonn wird die gotische Kirche als baufällig erklärt. 1767 wird die alte Kirche abgerissen. Doch es dauert bis ein neues Haus steht. Ametsbichler verweist auf die politischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten dieser Zeit. Es fehlt an Geld. Auch wenn 1768 eine Baugenehmigung erteilt wird, so dauert es sieben Jahre bis die Kirche steht. 1777 wird die Glonner Pfarrkirche vollendet. Doch es fehlt die Innenausstattung. Die Zeit der Aufklärung, der französischen Revolution, von Hungersnöten, schlechter klimatischer Bedingungen, der Gründung des bayerischen Königreichs hat anderes im Sinn und so dauert es bis 1823 bis die Kirche vollständig ist und eingeweiht werden kann. 

Nebenbei bemerkt floss das wenig vorhandene Geld ständig in Baumängel; der Turm neigte sich und das Dach war immer wieder undicht. So kommt es jedenfalls, dass der Rokokobau im inneren klassizistische Elemente enthält, sogar Neorokokostuck, denn die Deckengemälde stammen aus den Jahren 1893-95. Im Altar ist er auch zu sehen: Johannes, der Täufer. Geschaffen hat die Altarfiguren der Tiroler Bildhauer Joseph Götsch, der 1759 nach Bad Aibling gekommen war und Vieles beim Rokokobildhauer Ignaz Günther abgekuckt hat. Ametsbilchler zeigt die Schönheit dieses Meisters und noch Vieles mehr. Dass die Altarfiguren einen grauen Hintergrund haben, hat beispielsweise mit der Kirchenrenovierung von 1958 zu tun. Aber das lässt man sich am besten bei der nächsten Kirchenführung selber erklären. Schade, dass die eineinhalb Stunden so schnell vorüber waren. Kees

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