Aus der Arbeitswelt

Teilzeit: Fluch oder Segen?

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Podiumsgäste: Katharina Sirotek, Handwerksmeister Johann Schwaiger und Elfriede Kerschl (v.l.).

Teilzeitbeschäftigung wird zunehmend nachgefragt. Nach wie vor sind Frauen hierbei in der großen Überzahl.

Region – Was bringt diese Art von Arbeit, wer kommt in Frage, welche Auswirkungen/Chancen bringt sie? Beim „Neuwirt“ in Zorneding sprachen Sachverständige und Betroffene aus dem Nähkästchen. Jutta Siroek, Vorsitzende des Zornedinger CSU-Ortsverbands und der Frauenunion, hatte das Thema „Teilzeitmodelle“ ins Rollen gebracht, als es darum ging, beim örtlichen Montagstreff für angesagte Sachfragen und Diskussionsstoff zu sorgen. Sie selbst ist direkt indirekt von teilzeitarbeitenden Frauen betroffen, immerhin ist die 64-Jährige Oma von zehn Enkelkindern. 

Sie weiß, dass sich vor allem junge Mütter fragen: In Teilzeit arbeiten oder gar nicht? Die Kinder in einer Kita oder einem Kiga unterbringen oder falls dort kein Platz, dann eben zur Oma und arbeiten gehen? Auch deshalb war ihre Schwiegertochter Katharina Sirotek am 26. Februar abends zur Runde gestoßen. Unter den Gästen auch Bürgermeister Piet Mayr und Gattin Lisa Bisl. Sie hörten von der dreifachen Mutter Sitorek (Kinder eineinhalb, vier und sechs Jahre alt), die vor dem ersten Kind als Chefsekretärin in einem Rüstungskonsortium noch 60 Stunden die Woche beschäftigt war. Damals fand sie in Zorneding keinen Kita-Platz, nahm sich eine Tagesmutter und arbeitete Teilzeit, nur noch 20 Stunden. Für den Arbeitgeber, mit dem sie ein sehr gutes Arbeitsverhältnis hat, freilich keine erfreuliche Lösung. Noch heute schreibt er auch in Katharinas Freizeit SMS an sie, stellt Fragen, will Probleme besprechen. Die dreifache Mutter hat damit keine Probleme, auch wenn sie für diese Zusatzarbeit nicht bezahlt wird. Mittlerweile arbeitet sie noch 30 Stunden pro Woche, liebt ihren Job, auch wenn sie 50 Kilometer Fahrstrecke zum Arbeitsplatz hat. Sie lebt in Oberpframmern, ihr Arbeitsplatz befindet sich in Hallbergmoos. 

Und: Eine Rückkehr zum 60-Stunden-Takt wird es nicht geben, auch wegen der Kinder. Und, weil es beim Wechsel von Vollzeit zu Teilzeit eigentlich keine Rückkehrmöglichkeit gibt. Das zeige die Erfahrung, so Elfriede Kerschl, Referatsleiterin bei der IHK München und Oberbayern bei ihrem Vortrag. Frauen seien bei der Teilzeitarbeit absolut in der Überzahl, so die Diplomvolkswirtin. Gut, dass es heute zumindest möglich ist, in dieser Form an der Arbeitswelt teilzunehmen, trotz Familie und Kindern. Früher hätte man zu ihrer Zeit eine arbeitende Frau als Rabenmutter bezeichnet, so hatte Jutta Sirotek in ihrer Begrüßung noch angemerkt. Doch heute sei etwa der Landkreis Ebersberg kein billiger – zum Leben. Zumal diese Region zu den Top drei der Ziele für Münchner gilt, die aus der Hauptstadt in einen umliegenden Landkreis „flüchten“. Wohnraum mag hier noch günstiger sein, doch mittlerweile aufgrund des Siedlungsdrucks auch schon kaum mehr bezahlbar ohne etwa eine Zweitverdienerin. Und so müssen immer mehr Frauen die Möglichkeit haben, auch am Arbeitsleben teilzuhaben. Gut ausgebildet seien heutzutage sehr viele, so Kerschel. Sie gab aber zu bedenken: Je geringer die Ausbildung, desto weniger lohne sich die Teilzeitarbeit. Kerschel unterstreicht die Teilzeitfalle: Eine Rückkehr von Teil- in Vollzeit gibt es nur absolut ausnahmsweise. Grund dafür unter anderem: Eine 50-Jährige braucht sich zwar nicht mehr um die Kinder kümmern, aber dann kommen die pflegebedürftigen Verwandten, Vollzeit wieder nicht möglich. 

Immerhin: Die fortschreitende Digitalisierung erleichtert das Arbeiten auch von zu Hause aus, also Teilzeit im heimischen Umfeld. Fazit von Frau Kerschl: Teilzeit kann Karrierehemmschuh sein und sie zementiert die Rollenaufteilung. Aber: Vereinbarkeit von Schule und Beruf, zudem erschließt sie mehr Fachkräfte, weil eben auch ausgebildete Mütter arbeiten können. Ergo: Teilzeitarbeit ist mehr Segen als Fluch.osw

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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