„Bei mir gibt es Schweinshaxen, wenn der Tod zum Essen kommt“

Ein Gespräch über Tod und Sterben im Einrichtungsverbund Steinhöring

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Andrea Tretner

Die Therapeutin Andrea Tretner spricht im Einrichtungsverbund Steinhöring mit seelisch und geistig beeinträchtigten Menschen über Tod und Sterben

Steinhöring – Andrea Tretner ist Therapeutin. Ihr Schwerpunkt liegt in der Paartherapie. Wenn Menschen Konflikte in ihrer Beziehung haben, sind sie bei der sympathischen Frau gut aufgehoben. Ein anderes Thema, das die Paar- und Sexualtherapeutin beschäftigt, sind die endlichen Dinge, Tod und Sterben. 

Darüber hat sie ein Buch geschrieben: „Wer nicht fragt stirbt dumm – ungewöhnliche Fragen zu Sterben und Tod“. Tretner engagiert sich aber auch ehrenamtlich. Vor Kurzem war sie zu Gast bei der Gruppe „Abschied und Trauer“ im Einrichtungsverbund Steinhöring und sprach dort mit den Menschen über den Tod. Eigentlich wollte sie aus ihrem Buch vorzulesen, merkte aber schnell, dass es für die sechs Teilnehmer lohnender ist, die Fragen aus ihrem Buch mit ihnen zu diskutieren. „Der Tod ist Ihr letzter und einziger Gast – was gibt es zu essen?“ ist eine dieser Fragen, auf die in ihrer Publikation prominente Zeitgenossen wie Walter Kohl, Anselm Bilgri oder der Philosoph Wilhelm Schmid geantwortet haben. „Bei mir gibt es eine Schweinshaxen,“ antwortet in Steinhöring einer dieser Menschen mit seelischer oder körperlicher Beeinträchtigung. Trotz des ernsten Themas wird viel gelacht an diesem Nachmittag.

„Auch behinderte Menschen werden älter. Sie erleben Todes- und Sterbefälle und müssen sich genauso wie wir damit auseinandersetzen,“ erzählt die Leiterin der Gruppe, Andrea Schlund, ihres Zeichens Betreuerin im Wohnheim, die diese Gruppe aus Überzeugung zusätzlich ehrenamtlich leitet. „Weil das Thema wichtig ist. Abschied und Trauer betrifft uns alle.“ Im Stuhlkreis sitzen die Teilnehmer, in ihrer Mitte steht ein Tisch. Darauf liegt u.a. ein Weichtier, das in die Hand genommen wird, wenn man den anderen signalisiert will, dass man traurig ist. An diesem Nachmittag bleibt es auf dem Tischchen liegen. Die Atmosphäre ist herzlich, gelockert und unkompliziert. 

Tretner ist begeistert. „Die Menschen hier haben alle eine klare Vorstellung von ihrer Sterblichkeit,“ so Tretner. „Was würdet ihr denn heute anders machen, wenn ihr wüsstet, dass ihr morgen sterben müsstet?“ Die Antwort aller: Nichts. Alle würden so weitermachen wie bisher, wie jeden Tag. „Wie schön,“ freut sich die Referentin, „dass die Menschen hier so zufrieden sind. Das ist großartig!“ In den Armen eines anderen Menschen würden sie allerdings alle gern sterben. Und da erweist sich auch an diesem Nachmittag, wie wichtig das zwischenmenschliche Miteinander ist – bei gesunden wie bei kranken Menschen. Die Schwere, die Tod und Sterben mit sich bringen können, ist an diesem Nachmittag weit. 

Ein Mann im Rollstuhl antwortet auf die Frage, welche Farbe der Tod für ihn hätte: durchsichtig. Für die anderen ist er eher rot oder orange, durchaus also mit einer warmen Zuschreibung verbunden. Schon länger beschäftigt sich diese Gruppe intensiv mit dem Tod. Erst kürzlich haben sie gemeinsam eine Broschüre durchgearbeitet, in der sie sich Gedanken zu ihrem Ende machen. Wie sie gepflegt werden wollen, was sie sich wünschen, was sie gar nicht möchten. Beim letzten Drink waren alle für Latte macchiato oder Cappuccino. Nur einer würde sich ein Weißbier bestellen, wenn der Sensenmann anklopft. Nach etwa 90 Minuten sind alle glücklich. „Ich habe mich total über diese Begegnung gefreut,“ schwärmt die Therapeutin. 

Gerade eben ist ein Buch über Angst und Angsterkrankungen herausgekommen, herausgegeben vom ärztlichen Direktor des kbo-Klinikums-Salzach in Wasserburg. Tretner ist eine der Autoren dieser Publikation. Kees

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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