Corona-Tests durch Übungsleiter?

Präsident des TSV Zorneding wehrt sich gegen Vorwürfe

Ein Trainer beobachtet Kinder beim Fussballtraining
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Höchst umstritten: sollen Übungsleiter Kinder auf Corona testen, damit diese wieder spielen können?

Der Präsident des TSV Zorneding verbot per Mail seinen Übungsleitern, an Kindern Corona-Tests vorzunehmen. Das schlug hohe Wellen. Jetzt äußert sich Bohdan Kalwarowskyj

Zorneding – Am 5. Mai kam eine E-Mail vom Landratsamt, die sich an alle Sportvereine im Landkreis wandte mit dem Angebot, dass Trainer von Fachleuten geschult werden sollten, wie Coronatests bei Kindern und Jugendlichen gemacht werden. Der Präsident des TSV-Zorneding, Bohdan Kalwarowskyj, richtete sich daraufhin mit einer E-Mail an die Trainer und verbot ihnen, Tests vorzunehmen.

Seiner Meinung nach wäre es Kindesmisshandlung, also ein Straftatbestand, wenn es zu nasalen Schäden kommen würde. Kalwarowskyj betont, dass er nicht grundsätzlich gegen Tests wäre. Seiner Meinung nach wären sogenannte Gurgeltests die sinnvollere Alternative. Die Mail schlug hohe Wellen, die lokale Presse berichtete über den Sachverhalt. Kalwarowskyj sieht sich missverstanden.

Herr Kalwarowskyj, warum sind Sie dagegen, dass Trainer Tests an Kindern vornehmen?

Das sind Sporttrainer und keine ausgebildeten Krankenpfleger oder Ärzte. Daran ändert auch ein einstündiger Kurs mit PowerPoint-Präsentation nichts. Der HNO-Arzt Dr. Josef Thoma aus Berlin erläutert in einem Video, dass nasale Tests mit Einführen eines Teststabes tief in die Nase nur spezialisierten Ärzten und Fachkräften vorbehalten bleiben sollten. Die unsachgemäße Einführung des Teststabes kann zu vielerlei Verletzungen unter anderem der unteren Nasenmuschel, der Schleimhäute und der Wand zur Ohrtrompete führen.

Wie waren die Reaktionen auf ihre Ablehnung von Seiten der Eltern und Trainer?

Von Seiten der Eltern oder Trainer gab es in der Kürze der Zeit noch gar keine Reaktionen (Interview vom 9. Mai). Die Einladung vom Landratsamt habe ich nach erster Prüfung unverzüglich an alle Abteilungsleiter, an meinen Vertreter und die Geschäftsstelle weitergeleitet mit einem Hinweis, dass die angedachten nasalen Tests bei Kindern unter 14 Jahren medizinische Eingriffe sind und dass strafrechtliche Tatbestände berührt werden können.

Der Präsident des TSV Zorneding Bohdan Kalwarowskyi

Einerseits fordern Sie, dass Kindern und Jugendlichen Sport im Verein wieder ermöglicht werden soll, andererseits lehnen Sie ein Testung ab.

Ich lehne ja nur die nasalen Tests ab, da unsere Übungsleiter sich mit dem Rumpoppeln in der Nase der Kinder dem Risiko des Begehens einer Straftat aussetzen würden. Alternative habe ich den Spucktest oder auch den „Rotz-Test auf Sportler Art“ vorgeschlagen, auch eine Lollipop-Test käme laut Nachfrage bei einer Apothekerin in Frage.

Was sagen Sie zu Vorwürfen in einer Zeitung, dass Sie bei Querdenker-Demos als Sprecher fungieren?

Das ist eine unglaubliche Verleumdung. Ich bin bisher kein einziges Mal auf Querdenker-Demos öffentlich als Sprecher aufgetreten. Schon gleich nicht regelmäßig, wie suggeriert wird. Ich habe bisher öffentlich nur einmal an einer Diskussionsrunde in Grafing teilgenommen, das von einer jungen Grafingerin organisierte „Offene Gespräch für Alle.“ Nix Querdenken

Wie geht es nun aus Ihrer Sicht weiter?

Im Landkreis haben wir immer noch eine Inzidenz (Sonntag, 9.5, 116,3), bei der ein Sportbetrieb im Verein nicht erlaubt ist. Das Landratsamt und der BLSV als zuständiger Sportverband müssen zunächst ihre Hausaufgaben machen. Dazu gehört, dass sie ihr Test-Konzept umfassend kommunizieren und uns aufklären. Wir als Sportverein tragen gerade in der derzeitigen schwierigen Zeit der Pandemie eine große Verantwortung gegenüber den uns anvertrauten Kindern und ihren Eltern. Aber auch gegenüber unseren Übungsleitern, die ich als Vorstand nicht in ein offenes Messer laufen lassen will.

Interview Oliver Oswald 

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