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Ebersberger Kunstverein zeigt anatomische Kohlezeichnungen

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Vernissage in der Alten Brennerei © Foto: Kees

Der Tübinger Künstler Frido Hohberger zeigt beim Ebersberger Kunstverein anatomische Kohlezeichnungen sowie Bilder zu Darwin und Hölderlin

Ebersberg – Vor zwei Jahren gewann der Tübinger Künstler Frido Hohberger bei der Jahresausstellung des Ebersberger Kunstvereins den Kunstpreis des Ebersberger Landrates für eine großformatige Kohlezeichnung. Seit vergangenen Freitag ist der Mann nun mit einer Einzelausstellung in der Galerie Alten Brennerei im Klosterbauhof zu Gast. 

Mitgebracht hat er eine ganze Reihe dieser großformatigen Kohlezeichnungen. Darauf zu sehen: Gesichter, Tiere und Pflanzen, allerdings nicht unbedingt im Sinne klassischer Abbildung. Hohberger arbeitet nicht nur schwarz-weiß - seine Zeichnungen sind mit weißer Kohle auf schwarzem Grund gefertigt –, er setzt seine Figuren auch fast distanzlos und übergroß aufs Papier, verwischt sie manchmal oder lässt sie in Unkenntlichkeit verschwinden. Einzig farbig geometrische Formen hat er hin und wieder dazugefügt, mal ein Quadrat oder ein Rechteck, ein andermal eine ovale Form. Wie Leerstellen oder Druckmarken wirken diese Kleckse. Natürlich, all das erinnert irgendwie an anatomische Abbildungen. Kein Wunder, dass der Verweis darauf auch prompt im oberen Stockwerk hängt: ein Blatt aus einem anatomische Atlas. Hohberger interessiert sich für Naturwissenschaft. Nicht von ungefähr fällt auch der Name Darwin in der Eröffnungsrede. 

Doch der 1949 in Tauberbischofsheim geboren Maler arbeitet nicht wissenschaftlich, vielmehr lässt er in seinen Zeichnungen eine ganz eigene poetische Sprache entstehen, die zwar mitunter durchaus Konkretes wiedergibt, ein andermal aber auch Rätsel aufgibt, eine fast geheimnisvolle Ikonographie. Im Lichtraum nebenan hängen Pinselzeichnungen – kleinformatiger -, Bild an Bild, eine ganze Wand voll. Jeweils fünf sind es übereinander. 

Dargestellt sind verschiedene Gemütszustände wie Wut, Ärger oder Haß. Kombiniert wird hier – von oben nach unten betrachtet – jeweils ein Portrait, eine Farbe, ein Organ, eine Körperhaltung zu einem bestimmten Gemütszustand. Diese einzelnen fünfteiligen Tableaus wurden inspiriert von Charles Darwins Publikation aus dem Jahre 1872 „Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei Menschen und Thieren“. Und wieder sind wir bei den Naturwissenschaften. Hohenberger transformiert wissenschaftliche Erkenntnis in Malerei, in Zeichnung. „Zur Anatomie des Gefühls“ ist diese Ausstellung betitelt. Und eben das ist womöglich der Unterschied zwischen Wissenschaft und Kunst: Während die Wissenschaft bemüht ist, mit objektiven Kriterien zu kategorisieren, so ist die Kunst doch frei und lässt Subjektives wie Emotionales einfließen. Natürlich kommt der einstige Leiter des Zeicheninstitutes der Tübinger Universität nicht um Friedrich Hölderlin herum, dem deutschen Dichter, der nach seinem Aufenthalt in einer Irrenanstalt 36 Jahre lang in einem Tübinger Turmzimmer am Neckar gelebt hat. Im oberen Stockwerk Hohbergers Auseinandersetzung mit diesem Poeten. „Eine weitere Methode, die psychisch Kranken zu behandeln, war die von Autenrieth entwickelte „Märtyrersalbe“, wodurch künstliche Geschwüre hervorgerufen werden sollten,“ ist da zum Beispiel auf einer Tafel zu lesen, neben einer zweiteiligen Zeichnung mit einer kopfartigen, verzerrten Darstellung im oberen Teil und einem scheinbaren Geschwür im unteren Teil. Auch zum Autosiebericht von Hölderlin findet sich etwas, natürlich auch zu dessen Gedichten. Selbst ein Künstlerbuch zum Dichter liegt aus. 

Die Ausstellung von Frido Hohberger in der Alten Brennerei im Klosterbauhof Ebersberg ist noch bis zum 16. Dezember zu sehen. Öffnungszeiten sind jeweils freitags von 18 bis 20 Uhr, sowie samstags und sonntags von 14 bis 18Uhr.Kees

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