Gemeinderat in der Zwickmühle

Dilemma in Vaterstetten: Kita wichtiger als Bäume

Kinderhaus Maria Linden in Vaterstetten
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Auf dem Grundstück von „Maria Linden“ ist noch Platz für eine Kita, dazu müssen dort allerdings etliche Bäume gefällt werden.

Für eine neue Kindertagesstätte muss die Gemeinde Vaterstetten ein Stück Wald roden. Noch gibt es aber keine Genehmigung dafür.

Vaterstetten – Es ist ein klassisches Dilemma: Auf der einen Seite versucht die Gemeinde Vaterstetten jeden einzelnen Baum zu schützen und vor einer Fällung zu retten, auf der anderen Seite benötigt man dringend eine neue Kindertagesstätte. Nun hat das Rathaus ein Areal für einen Kita-Bau gefunden, auf dem allerdings erst ein Stück Wald gerodet werden müsste.

Der Hintergrund für diese Zwickmühle: Im Rathaus ist man schon seit Jahren auf der Suche nach einer weiteren Kita. Als Notlösung wurden die Krippen- und Kindergartengruppen in der ehemaligen Grundschule an der Gluckstraße untergebracht. Doch auf dem alten Schulgelände sollen neue Wohnungen entstehen. Die Schulgebäude müssen deshalb bis 2024/25 abgebrochen werden.

Nun bietet sich eine Lösung beim Altenheim „Haus Maria Linden“ nahe der Arnikastraße an. Dort gibt es ein Teilgrundstück, auf dem ein zweigeschossiges Kinderhaus für insgesamt 24 Krippen- und 75 Kindergartenkinder samt großer Außenspielfläche entstehen könnte. Der Grundstückseigentümer wäre mit einem solchen Kinderhaus tatsächlich einverstanden.

Allerdings ist das Areal bewachsen mit Bäumen. Mit vielen Bäumen. Das Umweltamt beurteilt sie sogar als Wald, der für die 3.9000 Quadratmeter Kinderhaus-Fläche gerodet und ausgelichtet werden müsste. Das zuständige Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Ebersberg war nicht bereit, der Gemeinde bereits im Vorfeld eine Rodungsgenehmigung in Aussicht zu stellen. Zudem handelt es sich um einen Außenbereich im Innenbereich. Damit besteht hier kein Baurecht, es ist also ein aufwändiges Bauleitplanverfahren nötig.

Wegen der Unsicherheiten soll im Kaufvertrag ein Rücktrittsrecht vereinbart werden. Maria Linden ist eine Einrichtung des katholischen Jugendsozialwerks München, das zum Caritasverband der Erzdiözese gehört. Die Fläche wird im Rahmen eines Erbbaurechtsvertrags für 99 Jahre an die Gemeinde übertragen.

Die Diskussion im jüngsten Gemeinderat zeichnete das Dilemma Kita oder Wald deutlich ab. Doch ein Kompromiss, beispielsweise durch eine Verschiebung der Baufläche, ist nicht möglich. Die Chancen auf einen anderen Standort sind überaus gering, sonst hätte man schon längst eine Alternative gefunden. Zudem ist das, was man nun gefunden hat, recht günstig. Zusätzlich läge die neue Kita in einer Gegend, die bislang in dem Bereich deutlich unterversorgt ist.

So schade es also um die Bäume ist, der Gemeinderat entschied sich am Ende mit nur einzelnen Gegenstimmen für diese Option und beauftragte Bürgermeister Spitzauer mit entsprechenden Grundstücksverhandlungen. Läuft alles problemlos könnte im Frühjahr 2022 mit dem Bau begonnen werden, Eröffnung wäre dann Herbst 2024.die

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