Aus dem Vaterstettener Gemeinderat

Vaterstetten bangt um seine Millionen

Geld
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Laut Wirtschaftsfachleuten sollen insgesamt 50 Kommunen Geld beim Bremer Bankhaus angelegt haben. Neben Osnabrück (mit rund 11,5 Mio.) und Monheim (mit 38 Mio.) ist auch Vaterstetten betroffen.

Die Gemeinde Vaterstetten hat Geld bei der Bremer Privatbank Greensill angelegt, die nun offenbar vor der Pleite steht. 

Vaterstetten – Das könnte die Gemeinde Vaterstetten teuer zu stehen kommen. Rund 5,5 Millionen Euro hat die Kommune bei der Bremer Greensill-Bank in verschiedenen kurz- und langfristigen Festgeldkonten angelegt. Geht die Bank nun Pleite, ist das Geld futsch. „Aktuell steht nicht fest, ob die Greensill Bank abgewickelt werden muss und dadurch der Gemeinde Vaterstetten ein Schaden entsteht“, erklärt Bürgermeister Leonhard Spitzauer (CSU).

Rein vorsorglich hat die Gemeinde eine auf Bank- und Kapitalmarktrecht spezialisierte Münchner Rechtsanwaltskanzlei zur Wahrung ihrer Interessen eingeschaltet. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hat vergangene Woche ein Moratorium über das Bankhaus in Bremen verhängt und Strafanzeige gestellt. Das heißt: Es darf kein Geld angenommen und nichts ausgezahlt werden. In den kommenden Tagen müssen sich nun die Wirtschaftsprüfer die Bücher der Bank genau ansehen. Stellt die Bafin die Insolvenz und damit den Entschädigungsfall fest, sind Anlagen bis zu 100.000 Euro per Gesetz abgesichert. Die Kunden erhalten dieses Geld dann innerhalb einer Woche zurück. Allerdings gilt dies nur für Privatleute und Stiftungen. Institutionelle Investoren genießen diesen Schutz seit Oktober 2017 nicht mehr.

Laut Wirtschaftsfachleuten sollen insgesamt 50 Kommunen Geld beim Bremer Bankhaus angelegt haben. Neben Osnabrück (mit rund 11,5 Mio.) und Monheim (mit 38 Mio.) ist auch Vaterstetten betroffen. Wie Bürgermeister Spitzauer am Sonntagabend mitteilte, hat die Gemeinde insgesamt etwa 25 Millionen Euro aus ihren Haushalt entsprechend Empfehlungen des Bayerischen Kommunalen Prüfverbandes auf verschiedene Bankinstitute verteilt. Weil man Strafzinsen oder Verwahrungsentgelte vermeiden wollte, so Spitzauer. Greensill lockte aber auch mit ungewöhnlich hohen Zinsvergütungen. Jedenfalls wurden etwa 20 Prozent der Vaterstettener Millionen in Bremen angelegt. Die Gelder stammen zum Teil aus noch nicht abgerechneten Projekten. Die Gemeinde unterhält laut Rathaus seit 2014 eine Geschäftsbeziehung mit der Bank, damals noch unter deren Namen NordFinanz Bank AG. Man habe schon viele Verträge mit der Privatbank abgeschlossen, hohe Summen eingelegt und problemlos wieder abrufen können, so Spitzauer. Die Geschäftsbeziehung sei durch einen regionalen Finanzvermittler zustande gekommen, der viele Kommunen zu seinen Kunden zähle und der bei seiner Empfehlung auf die gute Bonität der Geensill Bank hingewiesen habe.

Greensill ist ein britisch-australisches Finanzkonglomerat mit deutscher Banklizenz. Mehrere Internetportale hatten die Bank aufgrund ihrer guten Konditionen empfohlen. Laut „Financial Times wurde für den australischen Teil von Greensill bereits vergangene Woche Gläubigerschutz beantragt. In Großbritannien wird die Insolvenz gerade vorbereitet. Ein neuer Investor könnte die Bank retten und damit Vaterstetten aufatmen lassen. die

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