Ersatz-Volksfest im Corona-Jahr

Vaterstetten: 16 Tage Ersatz-Volksfest

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So wird es dieses Jahr in Vaterstetten nicht aussehen. Auf dem Ersatz-Volksfest gibt es kein Bierzelt und nur eine beschränkte Zahl an Besuchern.

In Vaterstetten soll es Mitte Juli einen Freizeitpark mit Biergarten als Ersatzveranstaltung fürs abgesagte Volksfest geben.

Vaterstetten - „Sommer in Vaterstetten“ nennt sich das Konzept für einen „temporären Freizeitpark mit Biergarten“. Im Prinzip ist es das Volksfest unter Hygieneauflagen, ohne Festzelt, aber mit Buden und Fahrgeschäften, großzügig auf der Fläche verteilt. 

Für Christian Fahrenschon ist es allerdings ganz anders: „Kein Barbetrieb, kein Rahmenprogramm, kein Einzug oder Anzapfen – das hat mit einem Volksfest im herkömmlichen Sinn nichts zu tun.“ Es gehe um den Erhalt der Schaustellerbetriebe und die Sicherung von Arbeitsplätzen. „Bei vielen Kollegen ist die Existenz gefährdet“, erklärt der Festwirt des Vaterstettener Volkfestes. Hier biete sich nun „ein kleines Zubrot, ein finanzielles Trostpflaster“. 

Gleichzeitig sei es eine Belebung des Freizeitangebots in der Gemeinde und mit dem attraktiven Angebot vor Ort verhindere man auch Besucherströme in Ausflugsgebiete. Fahrenschon hofft auf viele Besucher bei der eigenen Veranstaltung - nicht nur aus Vaterstetten, aus dem ganzen Umland. „Wir machen dafür auch Radiowerbung.“ 

Tage voll Jubel, Trubel, Heiterkeit werden es nicht, beteuert Fahrenschon. Statt maximal 2000 dürfen nur bis zu 800 Personen durch die Eingangskontrollen. Jeder Gast muss sich dort registrieren lassen – zur Rückverfolgung von möglichen Infektionsketten. „Das typische Volksfest-Publikum wird nicht kommen, weil es kein Trara und Party geben wird“, glaubt Fahrenschon. Nur Wirtshausmusik ohne Technikverstärkung und in kleiner Formation am Wochenende im Biergarten, der mit 70 Garnituren für insgesamt etwa 300 bis 400 Gäste konzipiert ist. Und bei den Fahrgeschäften laufe nur „permanent leise Hintergrundmusik“ während der Betriebszeit von 11 bis 22 Uhr. 

Für jeden Lebensmittel-Stand und jedes Fahrgeschäft wurde ein eigenes Hygienekonzept entwickelt. Beim Spickern müssen unter anderem die Wurfpfeile, bei der Schießbude die Gewehre nach jedem Kunden desinfiziert werden. Beim Autoscooter dürfen nur Personen des gleichen Haushalts ins Auto und statt dem beliebten Anrempeln wird ein Parcours umrundet. Im Kettenkarussell dürfen nur maximal 16 statt 48 Personen mitfliegen. 

Im Biergarten herrscht keine freie Platzwahl und keine Selbstbedienung, zudem wird der Alkoholkonsum der Gäste permanent beobachtet. „Angetrunkene Gäste werden nicht mehr bedient und müssen das Festgelände verlassen.“ Eventuell lege das Gesundheitsamt auch den maximalen Bierkonsum fest. Weil der Aufwand wegen der Auflagen hoch ist und weniger Andrang herrschen darf, soll das Fest 16 Tage dauern. „Vaterstetten soll ja keinen Hotspot kriegen“, argumentierte Fahrenschon. 

Im Gemeinderat Vaterstetten wurde der Antrag kontrovers diskutiert. Die SPD sorgte sich um die örtlichen Betriebe. „Die Kaufkraft ist derzeit enorm eingeschränkt, wer zu Ihnen geht, gibt im Ort kein Geld aus“, so Cordula Koch (SPD). Für sie ist es das falsche Signal. Bürgermeister Leonhard Spitzauer (CSU) hingegen hielt es für einen „Akt der Normalität“. Er glaube nicht an enorme Umsatzeinbußen für die örtliche Gastronomie durch das Fest, erklärte Max Mack, CSU-Gemeinderat und Wirt des „Purfinger Haberer“. „Wir arbeiten alle gerade nicht auf Gewinn, nur auf Kostendeckung hin“, diese Chance müsse man auch den Schaustellern einräumen. „Genau, weil nicht das typische Volksfestpublikum kommt, wird es den anderen Wirten fehlen“, mutmaßte jedoch Maria Wirnitzer (SPD). Er sehe im „Mini-Volksfest“ auch ein gutes Angebot für die Familien, erklärte Michael Niebler (CSU). Klaus Willenberg (FDP) hingegen befürchtete Unfrieden von dieser Seite: „Kitas und Schulen geschlossen, aber Freizeitpark offen.“ Am Ende gab es eine knappe Mehrheit für die Volkfest-Alternative vom 17. Juli bis 2. August. Nun muss das Landratsamt das Konzept auch genehmigen. die

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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