Werkausstellung zum 100. Geburtstag des Malers Georg Koschinski

Verzicht auf eine eigene Handschrift

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Archivarin und Galeristin der Stadt Ebersberg, Antje Berberich und Siegfried Koschinski vor einem Selbstportrait des Malers Georg Koschinski.

Die Galerie im Ebersberger Rathaus zeigt bis Ende März eine Werkausstellung zum 100.Geburtstag des Malers Georg Koschinski.

Ebersberg – Auf eine eigene Handschrift habe er nie so wirklich Wert gelegt, erzählt Siegfried Koschinski, Sohn des Malers Georg Koschinski bei der Eröffnung der Werkausstellung zum 100.Geburtstag seines Vaters vergangenen Mittwoch in der Galerie im Rathaus in Ebersberg. Der Stil eines Bildes habe sich bei ihm immer eher intuitiv ergeben, damit auch Farb- und Formgebung. Georg Koschinski wäre am 12.September vergangenen Jahres 100 Jahre alt geworden. 2013 ist er fast 97jährig gestorben. Geboren wurde er 1916 in Leipzig, absolvierte eine Ausbildung zum Reprofotografen, besuchte die Meisterschule für das grafische Gewerbe, die Staatliche Akademie für grafische Künste und Buchgewerbe in Leipzig und die Dresdner Kunstakademie. Nach seiner Zeit als Soldat und Kriegsgefangener ließ er sich als freischaffender Maler und Grafiker zunächst in München, ab 1946 in Esslingen nieder. Über Jahrzehnte schuf er ein umfangreiches künstlerisches Werk, Ölbilder, Aquarelle, Grafiken, Kohlezeichnungen, Gouachen, Frottagen, Blätter mit Mischtechniken, Bleistift, Tusche, Ölkreide oder Airbrush. Auch Collagen und Drucke zählen zu seinem Œuvre. An die neunzig Bilder hängen seit Freitag bis Ende März im Ebersberger Rathaus. Eines wird sofort ersichtlich, es sind sehr unterschiedliche Arbeiten. Manche feiner, andere gröber, manche gegenständlich, andere abstrakt. Die Farbigkeit spielt eine große Rolle. Sohn Siegfried drückt es so aus: sein Vater habe immer nach der eigenen Gefühlslage gearbeitet, manche Bilder haben eine eher heiter-satirische Note, andere sind provozierend-sarkastisch, wieder andere schwermütig-melancholisch. Da hängt zum Beispiel das Abbild eines Clowns, der durch einen roten Vorhang blickt. Sein Gesichtsausdruck ist eher ernst, denn heiter oder gar clownesk. Sein Mund zieht sich nach unten - ein Aquarell mit dem Titel „Blick in die Manege“ aus dem Jahre 1987. Manche Siebdrucke, zum Beispiel das Blatt „Theaterszene“ aus dem Jahr 1986, wirken wie flüchtig dahingeworfene Skizzen, durchaus mit gekonnter Hand, fast scherenschnittartig nur mit Schwarz- und Grautönen ausgeführt. An einer anderen Stelle gemalte Landschaft in Öl. Auf gelb-ockerem Boden ein kleiner Baum, der Früchte trägt, daneben eine Pipeline, die hier offensichtlich endet. Unterhalb des offenen Rohrendes führt ein Loch in die Erde. Antje Berberich, die Kuratorin und Leiterin der Ebersberger Rathausgalerie macht auf ein Bild aufmerksam, das wieder gänzlich anders ist: ein großer lila Mund ist in Öl auf eine helle Fläche gemalt, aus dem scheinbar ebenso lila getönte Kirschen wachsen. Fast plakativ wirkt das Gemälde. Eines muss man wissen, die Ausstellung fasst Werke aus acht Jahrzehnten zusammen. Sie muss also auch Unterschiede zeigen. Georg Koschinski hat seinen Lebensunterhalt nicht allein mit seinem künstlerischen Schaffen bestritten; er war zum Broterwerb auch als Gebrauchsgrafiker tätig. Es verwundert also nicht, dass mitunter auch grafische Elemente auf seinen Bildern Einzug halten. Der Sohn erzählt von der Leidenschaft des Künstlervaters, der mindestens soviel Zeit in seinem Atelier verbracht hat wie vor dem Schreibtisch. Koschinski, liebevoll auch Ko genannt, habe das Haus fast nie ohne Skizzenbuch verlassen. An seinem Bett lag stets ein Traumtagebuch, in das der Maler seine Träume skizzierte, um sie später in ein anderes Medium zu übertragen. Vielgestaltig ist die Schau auf jeden Fall; sie gibt einen guten Überblick über das Schaffen des Künstlers. Freilich sind den Bildern auch die Moden der verschiedenen Zeiten zu entnehmen; Ästhetik wandelt sich schließlich. Eines wird einem beim Betrachten der Ausstellung allerdings deutlich: wer es zu Lebzeiten nicht in den Künsterolymp geschaffen hat – und davon sind die meisten Künstler betroffen -, der hinterlässt ein Werk, das posthum verwaltet werden will. Die Problematik der Künstlernachlässe ist keine geringe. Die Preisschilder neben den Bildern dürfen also gerne ernst genommen werden. Die Werkausstellung zum 100.Geburtsag von Georg Koschinski ist bis 31.März zu den Öffnungszeiten des Ebersberger Rathauses, Montag bis Donnerstag von 8 bis 17 sowie freitags von 8 bis 12 Uhr zu sehen.  Kees

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