Kultur

Vom Lagerleben - Ausstellung in Glonn

Mann steht vor Ausstellungsstück
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Der Bildhauer Johannes Gottwald in einem seiner Lager

Johannes Gottwald stellt noch bis zum 4. Oktober in der Glonner Klosterschule aus

Glonn – „Endlager“ ist da auf einem Schild in einem Regal zu lesen, auf anderen „Warenlager“, „Krankenlager“ oder „Zeltlager“. Der Hermannsdorfer Bildhauer Johannes Gottwald zeigt noch bis zum 4. Oktober in der Klosterschule Glonn eine Ausstellung, in der er sich dem Thema „Lager“ stellt und meint das politisch wie pragmatisch.

Einerseits kritisiert er unsere Lagerhaltung, die immer auf Zukunft, damit auf Hoffnung gerichtet sei, aber auch auf einem fatalen Ungleichgewicht beruhe und andererseits zeigt er einfach das, was er in seinem Künstlerlager aufspürte und zum Thema passend fand. Doch schon bevor man die Klosterschule betritt, wird das Anliegen des Mannes deutlich.

An der Hausfassade hängt ein großes Plakat, darauf die Wort: „Wann Klimaschutz wenn nicht jetzt? Wer, wenn nicht Du?“ Der CO2-Fußabdruck ist darauf abgebildet. „Das ist ein Symbol für unsere Lebensweise, mit der wir unsere Rohstofflager plündern, was wiederum zur Klimakatastrophe führt. Und daraus resultieren schließlich Flüchtlingslager,“ kommentiert Gottwald dieses Entre.

Ja, diese Zusammenhänge sind nicht von der Hand zu weisen. „Lagern bedeutet doch Reichtum,“ erklärt er, „aber wenn wir unsere Lager plündern, dann entsteht eine verhängnisvolle Situation. Was wir wieder brauchen ist ein Gleichgewicht, eine natürliche Balance wie sie vor der Industrialisierung noch existierte.“

Er spielt auf Rohstofflager an, auf Sauerstofflager – und natürlich auf die Ausbeutung unserer Erde. Und so zeigt die Ausstellung neben vielen hölzernen Objekten, die er aus Resten seines eigenen Lagers teilweise mit Kabel zusammengenäht hat und so verschiedene Figuren oder Instrumente entstehen ließ, auch ein Obdachlosenlager oder sogar ein Geldlager, eine Art Decke aus vergrößerten 1.000 DM-Scheinen. Damit weiß man, der Mann verfolgt die Thematik schon länger.

Der Euro wurde in Deutschland im Januar 1999 eingeführt. Gottwald hat hier alles mögliche zusammengetragen, spielt mit der domestizierten Sehnsucht nach Natur und Grün, und so finden sich denn auch selbst hergestellte und fein verzierte Gartenbänke in der Schau oder eine Art hölzerner Gartenpavillon, in dessen Innerem sich ein Schlaflager befindet.

Fast könnte man sagen, das Räumen seines Lagers ist zur Materialschlacht geworden. „Lager als Vorratshaltung hat auch immer mit Verdichtung zu tun,“ erklärt er und weiß, dass er hier sein Oeuvre zeigt. Auch das ist Verdichtung. Geöffnet ist die Ausstellung „Vom LagerLeben“ in der Glonner Klosterschule bis Sonntag, 4. Oktober, von 9 bis 13 Uhr sowie von 16 bis 19 Uhr. Der Künstler ist anwesend - Kees

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