Heimatkundekreis Zorneding

Hünen im Zornedinger Gräberfeld

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Behutsam werden Skelette aus dem Boden geborgen.

1300 Jahre liegen sie zurück, die Begräbnisse der Zornedinger, welche Am Fenneck gefunden wurden. Was sie bei genauerer Untersuchung so zu sagen zu Tage fördern, das interessierte mehr als einhundert Gäste beim Vortrag des Heimatkundevereins in der Christopheruskirche.

Zorneding – Die Gäste erfuhren von der 29-jährigen Archäologin Nicole Erlacher, dass ein Skelett von einem 1,76 Meter großen Mann immerhin für eine seinerzeit stattliche Körpergröße sprach, vergleichbar mit heutigen knapp zwei Meter großen Hünen. Unter den 29 untersuchten Gräbern Am Fenneck dann auch eine Fundstelle, die eine Frau mit 156 Zentimetern Körpergröße barg; sie wiederum war damals von durchschnittlicher Statur. Und sie war Rechtshänderin, das kann man bei intensiver Untersuchung der Grabinhalte erkennen. 

Und diese Frau, Mitte 20, hatte ordentlich Karies. „Wenn man so etwas heute noch nachweisen kann, dann hat das sicher sehr weh getan“, kommentiert die gebürtige Dachauerin bei ihrem Vortrag. Bei Bauarbeiten waren die Gräber aus der Merowingerzeit entdeckt worden. Ihre Masterarbeit hatte die Archäologin darüber verfasst, so wurde der Heimatkundeverein auf sie aufmerksam. Soeben hat sie ihre Doktorarbeit abgegeben, möchte später weiter in diesem Metier beruflich tätig sein. Die untersuchten Gräber liegen etwa 600 Meter vom Zornedinger Ortskern entfernt. 

Grab 18, das der unter Karies Leidenden, war mit Beigaben am meisten bedacht. Darüber liegt Grab 9, darin ein 20-Jähriger, der 100 Jahre nach der besagten Dame die letzte Ruhestätte bezog. Erlacher sieht darin durchaus verwandschaftliche Beziehungen. Die damaligen „Zornedinger“ lebten in Häusern, die mit Pfosten errichtet waren und im Schnitt sechs Meter Breite sowie 20 Meter Länge maßen. Beachtliche Größe, möchte man meinen. Jedoch handelte es sich zumeist um so genannte Wohnstallhäuser, worin Mensch und Tier eben nur durch eine Wand getrennt gemeinsam „hausten“. 

Woher die Künstler stammten, welche Grabbeigaben anfertigten, wollte ein Gast wissen. Doch die souveräne Vortragende gab ehrlich zu, dass dies nicht bekannt sei. Dass es aktuell keine weitere Untersuchungen geben würde, das konnte sie bejahen. Ebenso die Tatsache, dass aufgrund voller Lager mit Bestattungsreliquien auch rund um München nicht akribisch nach neuen Fundstätten gesucht werde. Die Funde aus Zorneding würden sich in der anthropologischen Staatssammlung der Landeshauptstadt befinden. Somit dürfte eine Begutachtung der Ahnen momentan entfallen. osw

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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