Vortrag

Eine menschengerechte Wirtschaft – geht das?

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Prof. Christian Kreiß

Martina Eglauer Geschäftsführerin der VHS Grafing und Sabine Kirchner von der Transition Town Grafing luden zu einem aktuell brisanten Vortrag ein.

Grafing – Prof. Dr. Christian Kreiß, Ökonom und Hochschullehrer an der Uni Aalen für Finanzierung und Wirtschaftspolitik, erklärte den Zuhörern wirtschaftliche Zusammenhänge, die ja in der heutigen Zeit immer komplexer und undurchschaubarer werden. Der Vortrag begann zunächst ganz nüchtern mit Zahlen und vor allen Dingen mit Fakten. „Draghi reißt Geldschleusen auf und schürt Angst vor Rezession“, so das Manager Magazin. Ab November sollen wieder 20 Mrd. neu gedruckt und ins System eingespeist werden. Bedeutet Negativzinsen und Pech für die Sparer. „Warum machen die das, immer mehr Geld drucken?“, so die Frage des Ökonomen an das Publikum. Keine Antwort. 

Im Moment, sind viereinhalb mal so viele Euroscheine im Umlauf wie vor 12 Jahren. „Und es wird immer mehr Geld gedruckt, obwohl die Wirtschaft so weit in Ordnung ist.“ Deutschland eckt eventuell ein wenig an eine Rezession an, aber grundsätzlich passen das viele Gelddrucken und der Negativzins nicht zur gerade herrschenden Ökonomie. Was steckt dahinter? Um das zu erklären, holt Professor Kreiß ein wenig aus und zeigt die Unterschiede zwischen Entrepreneur Kapitalismus und Rentenkapitalismus auf. Das sind zweierlei Einkommen, ersteres aus real getaner Arbeit und letzt genanntes ist ein leistungsloses Einkommen, Einnahmen, für die man nicht arbeiten muss. Das sind Renteneinkommen in Form von Dividenden, Mieten, Pachten und Zinsen – fast ein Drittel des Volkseinkommens. 

„Für jeden Laib Brot, für jedes Brötchen, die wir kaufen, zahlen wir, ob wir wollen oder nicht, ob wir es wissen oder nicht, einen bestimmen Betrag an Geld an die Eigentümer von Boden und Kapital, ohne dass diese Menschen an dem Arbeitsprozess beteiligt sind. Dieses leistungslose Geld müsste eigentlich zu den leistungslosen Menschen fließen, also denjenigen, die nicht arbeiten können: Zu unseren Kinder, Senioren und Kranken, dann wäre unser Wirtschaftssystem gesund.“ Statt dessen, fließt es immer wieder in vermehrter Form zurück zu den privaten Vermögensbesitzern. „Geld zu Geld, Sach zu Sach.“ Die Schere zwischen arm und reich klafft immer weiter auseinander. Da die Produktion der „Dinge“ aber wegen der guten Wirtschaft immer mehr werden und auch gekauft werden sollen, wächst die Verschuldung auf der anderen Seite. „Eine Massennachfrage gibt es nur, wenn es ein Masseneinkommen gibt.“ 

Die Verschuldung hat sich zum Beispiel bei Privathaushalten in den letzten Jahren versechsfacht. Reich werden aus getaner Arbeit, kann heute keiner mehr, das System aus den 70igern, wo man als gut verdienender Familienvater vier Kinder und Haus „schaffen“ konnte, sind längst vorbei. Geld geht heute zu Geld. Die Ungleichverteilung steigt. „Acht Männer sind heute so reich, wie die Hälfte der Erdbevölkerung.“ Wenn dieses System zu kippen beginnt, und die ersten Anzeichen dafür gibt es schon laut dem Ökonomen, dann habe wir laut seiner Aussage in wenigen Monaten eine Arbeitslosigkeit von 35 %. Deshalb, um genau dieses zu vermeiden, wird immer mehr Geld ins System gepumpt. Die Situation wurde während des Vortrages noch von so mancher Seite beleuchtet: Moral, Ethik, Spiritualität waren Themen. Mit seiner „Brandrede“ wollte Christian Kreiß zum eigenen Denken anregen, neutrale Informationen geben und vor allen Dingen möchte er „dass uns dieses System nicht um die Ohren fliegt, weil es uns immer noch relativ gut geht und ich dies erhalten möchte“. Dann hoffen wir einmal, dass Politik und Wirtschaft hier zur Einsicht kommen, wobei Hoffnung nicht immer ein guter Ratgeber ist. Wer mehr über die spannenden Zusammenhänge erfahren möchte kann sich unter www.menschengerechtewirtschaft.de weiter informieren. Tretner

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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