Das dritte Geschlecht

Kein richtiges Leben im falschen Körper

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Cover des Einladungs-Plakates

Vortrag über das dritten Geschlecht beim Ebersberger Kunstverein

Ebersberg – „Ich weiß, dass wesentliche Teile meiner Psyche sich als Frau fühlen. Ich weiß, dass ich diesen Teil auch leben können muss und es gibt eben kein richtiges Leben im falschen. Und deswegen war es für mich dringend notwendig, damit auch in die Öffentlichkeit zu gehen, um so leben zu können, wie ich es möchte.“ So wird der Grünen-Politiker und Landtagsabgeordnete Markus Ganserer aus Nürnberg zu seinem kürzlichen Coming Out als Transgender in einem Beitrag des Bayerischen Rundfunkt zitiert. 

Transgender, das sind die Menschen, deren Geschlecht entweder rein biologisch nicht bestimmbar ist oder die sich geschlechtsspezifisch im falschen Körper fühlen – oder wie Ganserer die Rollen wechseln. Die Fotografin und promovierte Geschlechterforscherin Stefanie Graul aus München beschäftigt sich mit dem so genannten dritten Geschlecht und hält dazu am 28. November im Studio an der Rampe des Kunstvereins Ebersberg einen Vortrag. 

„Zwischengeschlechter hat es schon immer gegeben, zum Beispiel bei indigenen Völkern. Die Reduktion auf zwei Geschlechterrollen ist ein kulturelles Konstrukt unserer Gesellschaft,“ so Graul. „In anderen Kulturen gibt es traditionell unterschiedliche Geschlechtskonzepte, die beispielsweise Männer in weiblicher Funktion, Auftreten und Kleidung oder Frauen in männlichen Rollen zulassen. Auf dem amerikanischen Kontinent soll es zur Zeit der Eroberung um die 300 Ethnien gegeben haben, die multiple Zwischen- oder Übergangsrollen kannten. Diese Menschen werden aufgrund ihrer Mischrolle zwischen Frau und Mann heute als Two-Spirits bezeichnet. 

Auch in Armenien, Indien, Pakistan, Thailand und rund um das Mittelmeer, beispielsweise in Neapel, gibt es dritte Geschlechter.“ In ihrem Vortrag, der in Ebersberg in Kooperation zwischen dem Kunstverein im Rahmen des Programms „Die Kunst die Welt zu retten“ und dem Kreisjugendring Ebersberg stattfindet, wird die Philosophin, die einen Lehrauftrag für Gendertheorie und Fotografie an der Katholischen Stiftungsfachhochschule München inne hat, zunächst auf die sozialen Geschlechterkonzepte in westlichen Gesellschaften eingehen, in denen Geschlechter, die über weiblich oder männlich hinausgehen, nicht vorgesehen waren. „Menschen außerhalb dieser zweigeteilten Weltsicht wurden als krank, abweichend oder gestört definiert.“ Sowohl die modernen Gender Studies als auch die Betroffenen selbst kämpfen deshalb seit den 1990er Jahren für eine positive Neudefinition der queeren Geschlechtsidentität, einer Identität, die auf verschiedene Weisen die Vorstellung sprengt, dass es gesellschaftlich nur Männer und Frauen geben soll. 

„Unbestimmtheit löst einfach Angst aus,“ so Graul dazu, die die derzeitige Rechtslage zum dritten Geschlecht für veraltet hält. „Wer sich im falschen Körper fühlt, der oder die darf sein Geschlecht rein rechtlich nur dann ändern, wenn er oder sie sich erstens einem psychologischem Gutachten über drei Jahre aussetzt und zweitens eine geschlechtsangleichende Operation über sich ergehen lässt, die grundsätzlich Unfruchtbarkeit bedeutet. Das ist ein riesen Geschäft in der Medizin.“ Diesen medizinischen Eingriff stellt sie in Frage. „Warum kann es keine Frau mit einem männlichen Geschlechtsteil geben?“ 

Im zweiten Teil ihres Vortrages wird sich Graul mit den Muxe’ im Bundesstaat Oaxaca im Süden von Mexiko beschäftigen. Dort hat sie das dritte Geschlecht der isthmischen Zapoteken, der Binnizá, erforscht und fotografiert. „Manche biologische Jungen in der zapotekischen Gesellschaft werden für eine bestimmte Rolle eher „weiblich“ erzogen, als Gehilfen der Mütter und Geliebte der „männlichen“ Männer. Ihre traditionelle Rolle wird inzwischen stark von den Einflüssen einer globalen Trans-Kultur beeinflusst.“ Der Vortrag zum Dritten Geschlecht wird in einer offenen Form abgehalten und von Fotografien begleitet. Fragen und eine anschließende Diskussion sind herzlich willkommen und eingeplant. Beginn ist 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei. Kees

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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