Wasserstoffvision ist Geschichte

Wasserstoffanlange auf grünem Feld mit Windrädern
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3,5 Hektar für die Anlage und 3,5 Hektar für die Photovoltaikanlage wären in Zorneding für das Wasserstoffkompetenzzentrum notwendig gewesen.

In Zorneding sollte ein Wasserstoffkompetenzzentrum für Forschung und Technik entstehen. Doch der Gemeinderat lehnt eine Bewerbung für das Vorhaben ab

Zorneding – „I have a dream“ so das weltberühmte Zitat zur Rede von Martin Luther King von1966. So mag auch Bürgermeister Piet Mayr gedacht haben, als er in der Oktobersitzung des Gemeinderats seine Vision für die Zukunft Zornedings umriss: Ein Wasserstoffkompetenzzentrum für Forschung und Technik im Süden der Gemeinde.

Dies war das erste Mal, dass die Öffentlichkeit davon erfuhr. Peter Pernsteiner von der FDP gehörte unter den Fraktionssprechern zu den Befürwortern für das Vorhaben. Noch ging es ja lediglich um die Bewerbung für das Wasserstoffprojekt, für das Zorneding aufgrund der Nähe zu Universitäten und dem Flughafen und der guten Verkehrsanbindung bereits als Kandidat ausgewählt worden war – ebenso wie Eching im Landkreis Landshut.

Für den Fall eines Zuschlags hätte es einen Fächenbedarf von 3,5 Hektar für das Zentrum plus nochmals 3,5 Hektar für eine Photovoltaikanlage, die für den nötigen Strom sorgen sollte, gebraucht. Weitere Flächen sollten erschlossen werden, damit Gewerbe sich im Umfeld ansiedeln könnte. Für 2025 war die Fertigstellung der Anlagen vorgesehen, betrieben von Hynergy aus Grasbrunn in Zusammenarbeit mit der TU München und TÜV Süd.

Zorneding und der Landkreis Ebersberg als Wasserstoffvorreiter mit einer zukunftsweisenden Umsetzung der Klimawende, so lautete die Devise der Befürworter. Doch die Gegenseite meldete sich lautstark zu Wort: Besonders Helmut Obermaier (Grüne) machte 15 Minuten lang der Kritik seiner Fraktion Luft, wobei er sich nicht an die Vorgabe Piet Mayrs hielt, doch bitte auf lange Ausführungen durch die Fraktionssprecher zu verzichten.

Man wüsste noch gar nicht, welche Flächen von Landwirten im Süden der B304 zur Verfügung stehen würden, dort, wo 200 Hektar unbewaldeter Grund vorhanden seien. Von der erhofften Gewerbesteuer sollte man laut Obermaier erst einmal Abstand nehmen, denn diese würde - wenn überhaupt – erst viele Jahre nach Inbetriebnahme des Forschungszentrums abrufbar sein.

Die Wohnsituation im Gemeindegebiet würde angesichts geplanter 150 neuer Arbeitsplätze noch mehr angespannt. Und ohne Windräder, die von der CSU ja abgelehnt würden, könne auch keine regenerative Energie in die geplanten Wasserstoffspeicher eingespeist und dort gelagert werden.

Not amused zeigte sich der Grünen-Rat ebenso über den Ausschluss der Öffentlichkeit. Dabei verwies er auf die seit Juli stattgefundenen nicht-öffentlichen Sitzungen zu diesem Thema. „Wir haben im Gemeinderat noch keine überzeugenden Argumente gefunden, welchen Mehrwert die Gemeinde Zorneding, also die Bürger und Bürgerinnen Zornedings, durch eine Realisierung des Projektes haben werden“, so Obermaier in seiner Feststellung.

Bianka Poschenrieder (SPD, 2. Bürgermeisterin) hatte in einem fünfseitigen Konzeptpapier Stichpunkte pro und contra zusammengetragen, diese an Presse und Ratsmitglieder verteilt und auf einen längeren Redebeitrag verzichtet. Ihr Credo: Zunächst werde das Projekt mit 200 Millionen Euro vom Staat und dem Freistaat gefördert. „Trägt sich das Anwenderzentrum ohne Förderung oder haben wir danach eine Bauruine zu versorgen?”

Zusätzliche Arbeit für das bereits jetzt schon überlastete Bauamt oder steigende Grundstückspreise und weiterer Druck auf den Wohnungsmarkt sowie deutlicher Verkehrszuwachs waren ebenso Argumente gegen die Bewerbung für die diskutierte Vision.

Ramona Baumgartner (Linke) machte es kurz und bündig: Nein zu so einem Mammutprojekt, vor allem bei mangelndem Wohnraum im Gemeindegebiet. FDP-Rat Pernsteiner sah das Visionäre, die Chancen für Zorneding. Endlich weg vom Pendler-Schlafstadt-Image. Letztendlich brachte das Für und Wider ein überwiegendes „Nein” bei der namentlichen Abstimmung: Acht Stimmen dafür, 13 dagegen inklusive zwei aus den Reihen der Christsozialen. Der Traum war somit geplatzt. Aus Piet Mayrs Sicht also: “I had a dream...”.osw

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