Weltherztag am 29. September

„Ich lebe jetzt mein zweites Leben“

Im Mai 2012 hat Birgit Jaksch-Wittmann aus Ebersberg ein Spenderherz erhalten
+
Im Mai 2012 hat Birgit Jaksch-Wittmann aus Ebersberg ein Spenderherz erhalten

Birgit Jaksch-Wittmann aus Ebersberg hat vor zehn Jahren ein Herz bekommen. Wie es sich anfühlt, mit einem fremden Organ zu leben, warum sie sich erst gegen die Transplantation entschied und wie ihr Leben heute aussieht, erzählt uns die 66-Jährige

Frau Jaksch-Wittmann, wie fühlt es sich an, mit einem fremden Herz zu leben? Es fühlt sich nicht fremd an. Das Herz ist ein faszinierender Muskel. Nicht mehr, nicht weniger. Was uns ausmacht, der Charakter, das Wesen – das steckt nicht im Herz.

Wie lautete damals Ihre ­Diagnose? Ich hatte eine sogenannte dilatative Kardiomyopathie. Das ist eine Erkrankung des Herzmuskels.

Wie haben Sie das ­bemerkt? Ich war schlapp und kurzatmig. Weiter nichts. Ich habe gedacht, vielleicht liegt es an den Wechseljahren oder einer verschleppten Erkältung. Als die Diagnose kam, konnte ich es gar nicht fassen, nicht realisieren.

Haben Sie sich direkt für eine Transplantation ­entschieden? Nein, im Gegenteil. Ich dachte, wenn meine Zeit gekommen ist, dann ist das so. Das war im Januar 2011. Für die Transplantation entschieden habe ich mich wegen meiner Kinder. Sie haben mich darum gebeten, dass ich mich auf die Transplantations­liste setzen lasse. Es ging dann recht schnell. Im Mai 2012 habe ich das Herz bekommen.

Wie fühlt sich das an? Sie warten auf ein Spenderherz, dafür muss jemand anderes sterben. So habe ich nie gedacht. Ich habe mich nicht schuldig gefühlt, weil ein anderer Mensch gestorben ist. Das liegt nicht in meiner Hand. Dankbar war ich – bin ich.

Wie ging es Ihnen nach der OP? Mir war einfach nur schlecht, so richtig übel. Das waren die Nachwirkungen der Narkose und Schmerzmittel. Man bekommt massiv Medikamente, um eine Abstoßung zu verhindern. Später wird die Dosis reduziert, um festzustellen, ob der Körper das fremde Organ akzeptiert. Die Immunsuppressiva gegen die Abstoßung nimmt man aber ein Leben lang.

Wie sieht das Leben nach der Transplantation aus? Ich bin vom Krankenhaus in die Reha, aber es hat lange gedauert, bis ich wieder einigermaßen auf den Beinen war. In den ersten Jahren muss man wahnsinnig aufpassen, dass man sich nicht ansteckt. Das Immunsystem ist durch die Tabletten unterdrückt, so ist man sehr anfällig. Lebensmittel sollte man immer kochen, damit man keine Schimmel­sporen isst. Das kann sehr gefährlich werden, vor allem in den ersten Jahren nach der OP.

Das ist ein recht großer Einschnitt ins Leben. Das ist alles nicht so wichtig. Man lebt. Überhaupt, die Relationen verschieben sich. Ich nehme alles bewusster wahr, freue mich über Kleinigkeiten im Leben, selbst wenn es nur ein Spaziergang ist oder ein Sonnenuntergang. Ich lebe jetzt mein zweites Leben.

Wissen Sie, wer Ihr Spender war? Nein, das weiß ich nicht. Auch die Angehörigen wissen nicht, wer die Organe bekommt. Es gibt aber die Möglichkeit, einen Brief an die Angehörigen zu schreiben – in anonymisierter Form. Das habe ich gemacht.

Was stand drin? Ich habe geschrieben, dass ich sehr dankbar bin und wie mutig ich es finde, dass die Familie die Organe gespendet hat.

Wie lange kann man mit einem transplantierten Organ leben? Da spielen viele Faktoren eine Rolle: ob der Körper das Organ abstößt, die Lebensweise, die Einstellung zum Leben. Ich habe einen Bekannten, der lebt seit 30 Jahren mit seinem neuen Herz. Im besten Fall kann man damit alt werden.

Wie geht es Ihnen heute? Gut. Ich bin fit. Ich kann zwar manches nicht mehr machen, wie Tennis spielen oder in die Berge gehen, zumindest keine anstrengenden Touren. Aber ich bin sehr aktiv, war ich schon immer. Ich singe zum Beispiel im Ebersberger und Glonner Orchesterverein. Ganz ausbremsen kann ich mich nicht, ich muss raus, auch während der Pandemie. Ich kann mich nicht einsperren – aber alles im vernünftigen Rahmen.

Wie denken Sie als Risikopatientin über das Thema Impfen? Ich denke, jeder sollte seinen Beitrag leisten. Es geht um die Gesundheit. Ich nehme tagtäglich eine Menge Tabletten, was tut mir da ein kleiner Pieks? - Das Interview führte Anja Leitner

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Bauchwand- und Leistenbrüche nicht unterschätzen!
Ebersberg
Bauchwand- und Leistenbrüche nicht unterschätzen!
Bauchwand- und Leistenbrüche nicht unterschätzen!
Orientierungshilfe im Arbeitsleben
Ebersberg
Orientierungshilfe im Arbeitsleben
Orientierungshilfe im Arbeitsleben
Innungsfeier der Bau-Innung Wasserburg-Ebersberg
Ebersberg
Innungsfeier der Bau-Innung Wasserburg-Ebersberg
Innungsfeier der Bau-Innung Wasserburg-Ebersberg
Servus, Herr Vidovic
Ebersberg
Servus, Herr Vidovic
Servus, Herr Vidovic

Kommentare