Wochen der Toleranz im Landkreis Ebersberg

Toleranz: Was kann ich tun?

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Monika Holzinger (l.) von der Caritas und ihre Gäste: Damgara Dzerzan und Berthold Goerdeler

Im Rahmen der Toleranzwochen lud die Caritas Grafing zusammen mit dem Kreisbildungswerk zu einer Tagung. Der Fachtag beschäftigte sich mit den Fragen: Was ist unsere Kultur? Welchen Anteil trägt jeder Einzelne und wie tragen wir unterbewusst die deutsche Geschichte weiter?

Grafing – Berthold Goerdeler, Enkel des Widerstandskämpfers Carl Friedrich Goerdler, der nach dem Attentat auf Hitler 1944 das Amt des Reichkanzlers übernehmen sollte, hielt einen bei der Fachtagung einen Impulsvortrag. Und Dagmara Dzierzan, Journalistin und Moderatorin des Bayerischen Rundfunks erzählte aus ihren Erfahrungen und Einschätzungen zum Thema mit einem kulturellen und künstlerischen Blick. 

„Hätten sie doch die Grenzen nicht für uns geöffnet... hätten wir doch unsere Vergangenheit nicht über Bord geworfen...hätten wir doch nicht alles hinter uns gelassen“, so heißt es aus einem Gedicht eines Geflüchteten, welches Dzierzan vorliest, um so den Tagungsgästen die Integrationsproblematik nah zu bringen. Wie schwer es ist, in einem fremden Land seine Integrität zu finden, die Selbstverortung zu spüren, ohne sich die eigene Kultur gänzlich zu nehmen, kann man aus den Worten des Gedichtes erkennen. Auch ist die Sprache immer noch Gradmesser der Integration, ist diese nicht perfekt, wirft der Zutritt zur Integration erst gar nicht gewährt. „Es kommt sofort die Frage, woher kommst du“, erklärt Dzierzan. Diese Frage wiederum wären viele Geflüchtete leid und ein Deutscher könne doch auch asiatisch oder arabisch aussehen, so die Moderatorin weiter. Diese Frage war es dann auch, die im Publikum diskutiert wurde. So erzählt ein Teilnehmer, dass er sich letztens über einen dunkelhäutigen Afrikaner in der U-Bahn wunderte, der „geschniegelt und gestriegelt dort im Anzug saß“. Dass dies ein Geschäftsmann sein könnte, passte so gar nicht in sein Weltbild von einem dunkelhäutigen Afrikaner und er fragte sich, woher das käme? Berthold Goerdeler brachte seinen Grund für diese oft verpönte Frage ein. So ist es ihm ein Anliegen, zu wissen wo der andere herkommt, weil man dann dementsprechend auf ihn eingehen kann, es ein Interesse am anderen zeigt. Man sieht: neutral gemeinte Fragen, können beim Gegenüber verletzend wirken, je nach dem in welchem Kontext diese Frage gestellt wird und vielleicht in welchem Ton. 

„Bei Toleranz schwingt immer ein latente Ablehnung mit“, so Goerdeler in seinem Vortrag. Und hier zitierte er einen Untersuchung der Johann-Wolfgang von Goethe Universität in Frankfurt. Die besagt, dass der Begriff Toleranz hochmütig, den anderen disqualifizierend sei. Schon Kant sagte, dass man sich damit über einen anderen erhöhe. Akzeptanz dagegen wäre der positive Ausdruck. „Aber es gibt auch Situationen, die ich nicht tolerieren kann“, wenn Rechte und Pflichten verletzt werden. „Toleranz ist eine Haltung der Bürger zueinander“, so der Enkel des Widerstandskämpfers. Schon zu Hause von seinen Eltern bekam Goerdeler ein Bild mit auf dem Weg, welches ihn heute noch in moralischen Fragen prägt. Das Bild der schiefen Ebene. Wir gehen nicht immer und alle gut miteinander um, obwohl man es versucht, aber manchmal klappt dies nicht: „Und wenn ihr das merkt, die Ebene kippt“, so damals die Eltern von Goerdeler, „dann müsst ihr aufpassen“. 

Die Ausgewogenheit, der Weg in der Mitte ist wichtig und dass Wissen darüber, sich nicht immer auf festem Boden zu befinden. Den muss man nämlich, laut Goerdeler, selber gestalten. Mit Werten wie Wahrheit oder Barmherzigkeit führe dieser laut Goerdeler immer zu Frieden mit sich und der Welt. Tretner

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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