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Wunschzettel fürs Gewerbegebiet

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Im künftigen Gewerbepark soll möglichst nur qualifiziertes Fachpersonal arbeiten. Über Folgen wie Zuzug und daraus resultierend steigende Grundstückspreise bzw. Mieten sowie weiteren Druck auf Kitas und Schulen hat man sich keine Gedanken gemacht. © Foto: die

Viel Gewinn mit möglichst geringer Belastung soll ein Gewerbepark nördlich der A 94 der Gemeinde Vaterstetten bringen. BMW ist jedoch außen vor.

Vaterstetten – „Die Gemeinde hat jede Menge Kosten, wir brauchen Geld“, sagt SPD-Fraktionssprecher Josef Mittermeier. Trotzdem will man die Gewerbestandorte nicht verramschen. Im Gemeinderat wurde nun ein „Kriterienkatalog zur Beurteilung einer Ansiedlung im Gewerbepark nördlich der Autobahn A94“ aufgestellt. Demnach dürfen sich zwischen Parsdorf und Grub künftig nur noch Betriebe ansiedeln, bei denen hohe Gewerbesteuereinnahmen zu erwarten sind. 

Pro 10 Hektar ausgewiesener Netto-Gewerbefläche sollen durchschnittlich zwei Millionen Euro in die Kasse fließen. Nur wenn sich ein Betrieb findet, der diesen Wert übertrifft, darf auch ein Unternehmen zuziehen, das weniger Gewerbesteuer abführt. Außerdem soll der Flächenverbrauch auf ein Minimum reduziert werden. Das Motto lautet: Lieber höher statt breiter. Daher sollen Parkplätze in Tiefgaragen, Parkdecks oder Parkhäusern untergebracht werden. Dächer und Fassaden bitte begrünt – wenn sie nicht komplett zur Energiegewinnung genutzt und mit Photovoltaik, Solarthermie und andere Anlagen bestückt werden. 

Die zweite große Hürde heißt Arbeitsplätze. Pro 10 Hektar Fläche sollen durchschnittlich 500 Arbeitsplätze entstehen. Mindestens 70 Prozent davon soll qualifiziertes Fachpersonal sein, also Facharbeitern, Ingenieuren etc.. Hier gilt dieselbe Ausgleichsformel wie bei der Gewerbesteuer. Wenn einer mehr hat, dann darf auch einer mit weniger dazukommen. Dabei geht es nur um die Anzahl der Arbeitsplätze am Standort Vaterstetten – auch bei Großunternehmen mit mehreren Filialen in Deutschland. Unternehmen, die bereit sind, ihren ausschließlichen Firmen- oder Hauptsitz nach Vaterstetten zu verlegen, sollen bevorzugt werden. Am liebsten hätten die Gemeinderäte einen Mix aus Produktion, Dienstleistung, Forschung und Entwicklung. Logistik- und Handelsunternehmen kommen nur in Frage, wenn alle anderen Kriterien erfüllt sind. Ausgeschlossen werden ethisch bedenkliche Branchen wie Bordelle oder Waffenproduzenten, aber auch Vergnügungs- und Spielhallen. Außerdem soll es keinen Einzelhandel geben. Um die umliegenden Siedlungen nicht zusätzlich zu belasten, müssen Kandidaten für eine Gewerbeansiedlung Immissions- und Verkehrsgutachten, eventuell auch mit Lösungen zur Verkehrsentlastung, einreichen. Außerdem wird eine Infrastruktur für E-Mobilität gefordert. „Wenn schon ein Gewerbegebiet, dann wollen wir das Optimale rauskriegen und nicht nur Fläche verbrauchen“, so Mittermeier. Der Kriterienkatalog sei eine gute „Leitplanke“, fand Axel Weingärtner (Grüne). „Wichtig war, dass kein Wunschzettel entsteht, der in der Realität nicht umsetzbar ist“, erklärte Stefan Huber (CSU). Da sich alle Beteiligten für eine Einigung bewegt hätten, sei nun ein guter Kompromiss. 

Für den großen Automobil-Konzern BMW, der sich möglicherweise in Parsdorf nördlich der Autobahn ansiedeln könnte, gilt der frisch beschlossene Katalog allerdings nicht. Einfach, weil die schon vorher da waren. die

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