Unüberwindbare Lücke am Steinhöringer Bahnhof

Die Züge passen nicht zum Bahnsteig

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Die unüberwindbare Lücke für Rollstuhlfahrer zwischen Zug und Bahnsteig

Der BR berichtete in seiner Sendung Quer über die Probleme mit der Barrierefreiheit an Steinhörings Bahnhof

Steinhöring – Tatsächlich gibt es in Steinhöring seit 2014 einen neuen Bahnhof. Zwei statt einem Gleis, stündlicher Zugverkehr nach München und Barrierefreiheit für Menschen mit Behinderung. Doch mit Letzterem scheint es an Steinhörings Bahnhof nicht zum Besten gestellt, wie das wöchentliche BR-Magazin Quer in seiner jüngsten Ausgabe kürzlich berichtete. 

Das Problem: die Züge passen nicht zum Bahnsteig. Wenn man einsteigen will, „klafft eine unüberwindbare Lücke für Menschen im Rollstuhl zwischen Zug und Bahnsteig“ heißt es in dem Beitrag, außerdem machten auch Stufen zu schaffen, „auch so manchen älteren Steinhöringern, etwa Senioren mit Krücken, die sich lange abmühen, die Stufen zu erklimmen.“ Hintergrund dieser Problematik seien die Verträge mit der Südostbayernbahn, die noch bis 2024 laufen. „Aufgrund der begrenzten Regionalisierungsmittel können wir nicht überall barrierefreie Neufahrzeuge fordern, ohne die Restlaufzeit der vorhandenen Fahrzeuge zu berücksichtigen.“ So wird die Südostbayernbahn vom BR zitiert. 

Deshalb lies man sich in Steinhöring etwas einfallen: eine mobile Rampe wurde eingerichtet, die Freiwillige nach einer Schulung bedienen und zum Zug schleppen sollen. Doch das Ding steht ungenutzt herum, berichtet der BR, denn „die Haftungsfrage konnte nicht abschließend geklärt werden, deshalb ist die Rampe seit zwei Jahren unbenutzt.“ Das bestätigt auf Nachfrage auch Gemeinderatsmitglied Wilibald Slowaczek (PWG), der sich im Rat der Sache angenommen hat. Man wusste schon vor dem Bahnhofneubau um diese Problematik, erzählt er, denn der Kreuzungsbahnhof wurde im Vorgriff auf einen möglichen S-Bahn-Anschluss geplant und deshalb nicht auf die alten Züge ausgelegt. So wie es aussieht, müssen die Steinhöringer also erst einmal mit diesem Problem leben, was vor allem deswegen brisant ist, weil im örtlichen Einrichtungsverbund mehr als 60 Rollstuhlfahrer leben, die natürlich auch gerne mal mit dem Zug fahren würden. 

Was die Haftungsproblematik an der Rampe betreffe, so erzählt Slowaczek, so müsste diese von einer offiziellen Stelle betreut werden, etwa der Gemeinde oder einer sozialen Einrichtung, damit die Haftung dort geklärt wäre. Die Gemeinde könne dies aber gar nicht leisten, „das war von Anfang an klar.“ Ob allerdings 2024 das Problem gelöst sein wird, ist nach Aussage des Gemeinderatmitglieds auch noch offen. Zwar gibt es die politische Aussage von Horst Seehofer, dass Bayern bis 2023 barrierefrei sein soll, doch Kostenfragen könnten dem entgegenstehen. „Man muss dahinter bleiben, damit die Züge rechtzeitig von der Bayerischen Eisenbahngesellschaft bestellt werden.“ 

Rein rechtlich ist die Situation derzeit die, dass Barrierefreiheit am Zug überhaupt erst ab 1000 Fahrgästen pro Tag gewährleistet werden muss. Diese Fahrgastzahl ist in Steinhöring natürlich nicht gegeben. „Inklusion wäre, wenn auch Menschen mit Behinderung dorthin fahren können, wohin sie wollen,“ sagt die Chefin des Einrichtungsverbundes Steinhöring, Gertrud Hanslmeier-Prockl, dazu. „Und zwar selbstständig. Einige unserer Bewohner sind dazu auch in der Lage.“ Aber selbst wenn ein barrierefreier Zugang zum Zug gegeben wäre, hätte man das nächste Problem: in den momentanen Zügen ist lediglich Platz für einen Rollstuhlfahrer. „Wir würden uns wünschen, dass man zur Vernunft kommt und andere Züge einsetzt,“ so Hanslmeier-Prockl. Es sei eben schwierig, einen barrierefreien Bahnhof zu bauen und erst irgendwann die passenden Züge dazu einzusetzen. Man darf nicht vergessen, erklärt sie, „zehn Jahre im Leben eines Menschen sind eine lange Zeit.“ Und so können sie derzeit nur am Bahnhof stehen und winken, die Bewohner des Einrichtungsverbundes – mitfahren geht leider nicht. Inklusion jedenfalls sieht anders aus. Kees

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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