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150 Gäste aus Politik, Gesellschaft, Schulen und Kirche feiern 75-jähriges Bestehen der Caritas Erding

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Sozialministerin Ulrike Scharf (M.) und Caritas-Vorsitzende Gabriele Stark-Angermeier (r.) feierten mit Kreisgeschäftsführerin Alexandra Myhsok
Sozialministerin Ulrike Scharf (M.) und Caritas-Vorsitzende Gabriele Stark-Angermeier (r.) feierten mit Kreisgeschäftsführerin Alexandra Myhsok © Bäumlisberger

Seit 76 Jahren gibt es die Caritas in Erding. Die 75-Jahrfeier wurde nun nachgeholt, mit prominenten Gästen

Erding – Mit einem großen Fest der Dankbarkeit und zahlreichen Gästen, Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen hat die Caritas in Stadt und Landkreis Erding ihren 75. Geburtstag – wegen der Corona-Pandemie mit einjähriger Verspätung – nachgefeiert.

1946 in schwieriger Zeit in den Nachkriegsjahren gegründet, sei „die Caritas mit ihrer hohen und kollegialen Vernetzung heute nicht mehr wegzudenken“, resümierte Erdings Vize-Bürgermeisterin Petra Bauernfeind. Begonnen habe alles mit einem Angebot für geflüchtete Menschen in Wartenberg, erzählte Kreisgeschäftsführerin Alexandra Myhsok. „Unglaublich, wie vielen Menschen wir seither geholfen haben.“ Heute bieten 400 haupt- und ehrenamtliche Caritäter ein breites Spektrum an sozialen Hilfsleistungen an.

Sozialministerin Ulrike Scharf ließ es sich nicht nehmen, der Caritas-Familie persönlich zu gratulieren: „75 Jahre Caritas Erding – herzlichen Glückwunsch zu diesem besonderen Jubiläum.“ Und: „Ich bin dankbar, mit der Caritas, insbesondere auch in diesen herausfordernden Zeiten, einen verlässlichen Partner in der sozialen Landschaft an meiner Seite zu wissen.“

Johann Wiesmeier, der als Sprecher von 26 Bürgermeistern aus der Region gratulierte, kennt die Caritas aus dem Effeff. Schließlich war er 20 Jahre Caritas-Sammler und er weiß, was den Sozialverband ausmacht: „Die Caritas beherrscht die Kunst, frühzeitig zu spüren, wo und wie Menschen geholfen werden kann.“ Dabei führten die Berater ihre Gespräche mit den Klienten „sensibel, zugewandt und menschlich“. Oft hole die Caritas die Menschen zum Beispiel bei drohender Wohnungslosigkeit schon ab, bevor die Katastrophe da sei. „Dafür sind wir der Caritas unheimlich dankbar. Denn alleine schaffen wir das als Kommunen nicht“, so Wiesmeier.

Auf eine Reise durch die vielfältigen Caritas-Felder begab sich Moderator Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger Anzeigers, mit seinen Mitdiskutanten. Kernthema Armut: „Energie- und Ukrainekrise zwingen die Menschen verstärkt in die Sozialberatungen“, berichtet Alexandra Myhsok. Schulden und Obdachlosigkeit nähmen zu. Vorständin Stark-Angermeier plädierte für neue niedrigschwellige Beratungs- und Begegnungsmöglichkeiten an vertrauten Orten, wo vor allem ältere Bedürftige ohnehin seien: die Kirchen. In München funktioniere das hervorragend.

„In St. Anton gibt die Antoniusküche ein warmes Essen aus und wer will, bekommt anschließend in den Kirchenbänken eine Sozialberatung oder einfach Hilfe beim Ausfüllen komplizierter Behördenformulare“, erzählt die Caritas-Chefin und fragt eher rhetorisch: „Vielleicht gibt’s ja auch anderswo Kirchen, die nicht den ganzen Tag gebraucht werden?“ Oder eine Wärmestube, für die Petra Bauernfeind sich stark macht. Auch hier könne niedrigschwellig beraten werden, ohne Termin und Behördenbesuch.

Die Sorge um BIQ: Beschäftigung, Integration, Qualifizierung heißt das Vorzeigeprojekt, das Menschen, die auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Arbeit mehr finden, ausbildet und beschäftigt. Etwa im Café „Etappe“ oder bei „Rentabel“. Die Finanzierung der Projekte wackelt. Der Bundesgesetzgeber fordert, dass die Menschen zurück auf den ersten Arbeitsmarkt müssen. „Aber das funktioniert ja bei psychisch labilen Menschen nicht immer“, kritisierte Stark-Angermeier und fordert eine konzertierte Aktion für sichere Rahmenbedingungen für beeinträchtigte Arbeitnehmer – oder einen inklusiven ersten Arbeitsmarkt. „Da sind dicke Bretter zu bohren“, so die Caritas-Vorsitzende.

„Wenn im letzten Zipfel des Landkreises eine ambulante Pflege gebraucht wird – die Caritas ist da“, unterstrich Myhsok, auch wenn hier das Thema Fach- und Arbeitskräftemangel eine eigene Podiumsrunde ausfüllen würde.

Großen Bedarf an therapeutischer Betreuung stellt die Caritas Erding bei der Kinder- und Jugendhilfe sowie der Schul- und Jugendsozialarbeit fest. „Das staut sich zurück“, bedauerte Myhsok. Corona, Krieg und Hyper-Inflation verstärkten die Ängste bei Jung und Alt. Sozialministerin Scharf versprach mehr Geld für Kinder- und Jugendhilfe. Aber auch hier fehle es an Fachkräften, die beraten und begleiten.

Einen großen Wunsch an die Politik äußerte die Caritas-Vorsitzende: Dass im Zuwendungsrecht zwischen den Branchen unterschieden wird. Die Sozialwirtschaft, so die studierte Sozialwissenschaftlerin Stark-Angermeier, übernehme ja Aufgaben des Staates. Zumindest dafür sollten die Eigenbeteiligung an der Finanzierung abgeschafft werden. Dass es auch anders gehe, zeige das Beispiel der Erdinger Fachstelle gegen Obdachlosigkeit, die zu 100 Prozent von den Kommunen finanziert werde. Ministerin Scharf versprach immerhin eine Prüfung im Sinne der Sozialverbände.

Einen bewegenden Gottesdienst zelebrierte Stadtpfarrer Martin Garmeier in St. Johann und erinnerte an die tragischen Umstände der Caritas-Anfänge: „Vor 100 Jahren, bald nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde in der Diözese München und Freising die Caritas gegründet. Als die Welt nach dem Zweiten Weltkrieg erneut in Trümmern lag, nahm die Caritas auch in unserem Landkreis die Arbeit auf.” Garmeier ermutigte die Caritas-Familie, weiter am unverändert aktuellen Leitsatz „Nah. Am Nächsten” so engagiert mitzuwirken. Der Gottesdienst wurde stimmungsvoll musikalisch begleitet von der Blaskapelle Isen und der Veeh-Harfen-Gruppe aus Taufkirchen/Vils.

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