Landwirtschaft im Landkreis Erding

Was bedeutet eigentlich Massentierhaltung?

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Auf dem Bild die Getreidepreise im Jahr 1964

Michael Hamburger über Massentierhaltung und steigende Preise in der Landwirtschaft im Landkreis Erding

Erding – Auf der Facebookseite des Bundestagsabgeordneten Dr. Andreas Lenz ist zu lesen „Fleisch zu Dumpingpreisen oder als Lockangebote zu verkaufen ist unanständig. Das ist wirklich ein Saustall! Das hat auch nichts mit Markt zu tun, im Gegenteil, hier wird Marktmacht oft missbraucht - das muss noch strenger unterbunden werden!“. Der Generalsekretär Bernhard Krüsken vom Deutschen Bauernverband sagt in einer ZDF-Sendung „Fleisch ist zu billig“. Wer würde diese Aussagen nicht unterschreiben? Von selbst ändert sich aber nichts an der Situation. Wir müssen jetzt alle zusammen aktiv werden, z.B. können wir uns an der Petition „Verbot der bepreisten Werbung für Lebensmittel“ beteiligen. Leider hat diese Petition des Landwirts Bert Wülfing noch nicht einmal 100 Unterstützer vorzuweisen. Wie ernst ist es uns also eigentlich mit diesem Thema? 

Das Thema Fleisch geht schon fast inflationär einher mit dem Begriff „Massentierhaltung“. In der Gemeinde Isen möchte ein Landwirt einen Tierwohlstall für 220 Mastschweine auf Stroh mit Auslauf ins Freie errichten. Einige Anwohner initiierten eine Petition dagegen - unter anderem mit der Begründung „Protest gegen Massentierhaltung“. Aber was ist eigentlich Massentierhaltung? Es wäre dringend eine verbindliche Definition dieses Begriffes vonnöten. Laut Wirtschaftswoche werden in China aktuell Schweinehochhäuser mit bis zu 13 Etagen errichtet mit 100.000 Schweinen je Farm. Aufgrund eines Gerichtsurteiles steht im Bundesrat die Änderung der Nutztierhaltungsverordnung auf dem Plan. Die Entscheidung darüber wurde nun schon mehrfach aufgeschoben. 

Aktuell gibt es aufgrund dieser gesetzlichen Unsicherheit kaum einen Landwirt, der Investitionen in die Schweinehaltung tätigt. Wie auch andere Unternehmer müssen Landwirte wirtschaftlich arbeiten und die Investition muss planbar sein und sich in einer gewissen Zeit amortisieren. Wir Bauern haben aktuell das Gefühl, „die Deppen der Nation“ zu sein. So wurden in Corona-Zeiten schnell wichtige politische Entscheidungen auf den Weg gebracht, die uns das Leben schwer machen, wie beispielsweise die Verschärfung der Düngeverordnung. Demonstrationen dagegen waren in dieser Zeit nicht oder nur mit begrenzter Teilnehmerzahl möglich. Die Politik und die Verbraucher verlangen uns immer mehr ab, aber an den Preisen ändert sich seit Jahrzehnten nichts. 

Hier einige aktuelle Getreidepreise und im Vergleich dazu die Preise dieser Produkte aus dem Jahr 1964. Beispielsweise kostet Roggen heute 137 Euro je Tonne, 1964 kostete die Tonne Roggen 400 Mark, ein Minus von 33 Prozent. Braugerste kostet heute je Tonne 163 Euro, 1964 625 Mark, ein Rückgang um 49 Prozent. Uns ist klar dass in diesen Zahlen die Ertragssteigerung nicht berücksichtigt ist, aber der Kostenanstieg für Bürokratie, Dünger, Pflanzenschutz und Technik war dafür ebenfalls enorm. Im Zeitraum 1964 bis 2018 entwickelte sich das Durchschnittsentgelt in Deutschland von 8.467 Mark auf 35.955 Euro, was eine Steigerung um 730 Prozent bedeutet. Warum ist diese positive Entwicklung bei den Erzeugerpreisen für Lebensmittel nicht zu finden? Wie sollen die stetig steigenden Anforderungen und Wünsche der Verbraucher an uns Landwirte für Umwelt-, Natur- und Tierschutz bezahlt werden?

Michael Hamburger Landwirtschaft im Landkreis Erding

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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