Isentalautobahn

Beschwerden über den Lärm der A94 häufen sich

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Mit Lärmbelästigungen haben die A94-Anlieger gerechnet, aber nicht in diesem Ausmaß.

Vor vier Wochen wurde die Autobahn feierlich eröffnet. Immer mehr Anwohner sammeln Unterschriftenlisten. Sie fordern besseren Lärmschutz und Tempolimits. Nun wollen sich auch CSU-Politiker für Nachbesserungen einsetzen.

Dorfen – Über 750 Unterschriften von belasteten Bürgern liegen Landrat Martin Bayerstorfer vor. Weitere seien es noch in anderen betroffenen Gemeinden, laut deren Bürgermeister. Nun fordert Bayerstorfer mit einer CSU-Allianz Abhilfe, Verkehrszählungen, Schallmessungen, ein Tempolimit auf 130 km/h und Flüsterasphalt. 

„Jetzt haben wir die Scheiße direkt da“, sagte auch Heiner Müller-Ermann, SPD-Stadtrat und Sprecher der Aktionsgemeinschaft gegen die A94, bei einem Treffen bei der Familie Numberger bei Lindum, bei dem viele Betroffene rund um Dorfen ihren Frust raus ließen. Sie alle schilderten mit drastischen Worten, wie dramatisch sich ihre Lebensqualität seit der Eröffnung der A94 verschlechtert habe. 

Maria Numberger, die mit ihrem Mann nur 90 Meter von der Autobahn entfernt wohnt, hat Angst um die Gesundheit ihres kleinen Sohnes Vinzi. Sie bezeichnet den Lärm als „reine Körperverletzung“. Ihre Heimat wollen sie nicht verlassen, sogar ein neues Haus haben sie gebaut mit bestem Schallschutz, „sonst wäre es unerträglich hier zu wohnen“. 

Alois Bachmaier wohnt einen Kilometer entfernt in Watzling. Gesellschaftliches Leben außerhalb der vier Räume sei jetzt nicht mehr möglich. Dass höhere Lärmschutzwälle die Situation verbessern könnten, darüber mache er sich „keine Illusionen“. Er forderte eine Geschwindigkeitsbegrenzung, denn während der viermonatigen Bauphase sei es auch leiser gegangen. 

Das Klappern der Autobahnbrücke den Rest ihres Lebens aushalten zu müssen, sei unzumutbar, wetterte Isolde Freundl. Sie wohnt im Lappachtal 250 Meter von der Brücke entfernt. Entlang der Trasse seien 25 Orte vom Lärm betroffen, erklärte Rita Rott, Vorsitzende vom Bund Naturschutz, Ortsgruppe Dorfen, die sich von der tatsächlichen Lautstärke total überrumpelt fühlen. 

Auch Otto Heilmeier aus Oberhausmehring, früher eine der schönsten Wohngegenden, entrüstete sich. Er sei eingekreist von Lärm, wie im „Bermudadreieck“ unten die Eisenbahn, östlich die B15, im Süden die A94 und die Flugzeuge im Himmel. Angelika Berger hat deshalb in Oberhausmehring Unterschriften gesammelt für sie bedeutet das Dauerdröhnen der A94 einen Abstieg „vom Paradies in die Hölle“. 

Gerhard Steger, seit 40 Jahren Sachverständiger für Lärm­immissionsschutz, war schon bei den Prozessen am Bayerischen Verwaltungsgerichtshof als Gutachter für die Kläger gegen die A94 dabei. Er hat es genauso vorausberechnet, aber das habe die Gerichte nie interessiert, denn „Lämschutz hat bei uns keine Lobby“.

 Die vor 30 Jahren eingeführte Verkehrslärmschutzverordnung habe eigentlich nur einen Sinn, „Straßenbauen billig zu machen“. Bessere Fahrbahnbelege gebe es, „aber die kosten etwas mehr“. Tempolimits wären die einfachste und effektivste Maßnahme, betonte er, aber der gesetzlich zulässige Lärm sei hier noch gar nicht erreicht. Es bräuchte halt auch „eine Greta für Lärmschutz“. 

Martin Geilhufe, Landesbeauftragte des Bund Naturschutz, hielt Tempolimits ebenso für sinnvoll, die Mehrheit der Bevölkerung habe sich schon dafür bei Umfragen ausgesprochen, die Mehrheit des Bundesstages aber erst kürzlich gegen ein grundsätzliches Tempolimit auf allen Autobahnen gestimmt. Eine vertane ­Chance. 

Müller-Ermann verdeutlichte, wie schnell der Staat 100 Millionen Euro locker machen konnte, als es um den Schutz von 150 Schwindkirchener Fledermäuse ging. Vor diesem Hintergrund sollte es auch möglich sein, mehr Geld in Lärmschutz zu investieren. til

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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