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Bücherschrank mit Symbolcharakter

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Von: Birgit Lang

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Acht Männer und Frauen haben sich um einen Bücherschrank im Freien aufgestellt
Moritz von Fraunberg (6.v.l.) neben „seinem“ offenen Bücherschrank mit Gemeinderätin Traudl Fischer, Hans Rasthofer, Anna Gfirtner, Michaela Lehner, Klaus Zeitler, Hans Wiesmaier und Bernhard Streinz (v.l.) bei der Vorstellung des Projekts. © til

Die jungen Fraunberger haben schon wieder ein erfolgreiches, nachhaltiges Projekt realisiert. Es steht vor dem Rathaus und ist für jeden zugänglich

Fraunberg – Rund 60 Stunden hat Schreinerlehrling Moritz von Fraunberg in den offenen Bücherschrank investiert, verriet der 22-Jährige bei der Vorstellung vor dem Rathaus. Hervorgegangen sei er aus der Projektgruppe „Nachhaltigkeit und Klimaschutz“ des Gemeindeentwicklungsvereins, der er angehört. Bis zur Umsetzung habe es ein bisschen gedauert. „Jetzt steht er hier.“

Materialkosten waren es rund 400 Euro. Unterstützung erhielt er bei der Arbeit von Ausbilder Bernhard Streinz und seinem Arbeitgeber, der Schreinerei Westermaier aus Maria Thalheim. Die wasserdichte Konstruktion aus Lärchenholz kann nun jeder Gemeindebürger nutzen. „Jeder darf Bücher einstellen, die zuhause eh nur im Regal zustauben, und sich bedienen oder Bücher mit nach Hause nehmen, aber sich auch gerne einfach nur hinsetzen und direkt dort lesen.“ Es soll einfach ein gewisser Bücheraustausch entstehen, so von Fraunberger.

Alle Anwesenden, die Bürgermeister Hans Wiesmaier zur Vorstellung eingeladen hatte, zeigten sich froh über dieses Projekt der jungen Gemeindebürger. Mit der Klimainitiative der Jungen gehe man einen neuen Weg, der die Zukunft möglich mache, so Wiesmaier. Was hier in Fraunberg passiere, sei nicht aus der Zufälligkeit heraus, sondern unter dem Motto „Attraktiv im Wandel“. Deshalb habe er auch den Rollup Banner mit dem Logos der Gemeinde und der Zukunftswerkstatt aufgestellt.

Für Moritz hatte er einen Regenschirm dabei, der nur an „besondere Leute der Gemeinde verliehen wird, die sich um die Gemeinde kümmern, dass sie gut beschirmt ist“. Etwas Besonderes sei auch, dass einheimische Firmen, wie die Schreinerei Westermaier, solche Projekte unterstützen und mitragen würden, fand er.

Schreinermeister Streinz betonte, man habe es gern gemacht. Moritz habe alles selbständig ausgearbeitet, Spaß dabei gehabt und es sei eine sehr gute Übung für sein Gesellensstück gewesen.

Zum Vorstellungstermin war auch Michaela Lehner aus Grafing eingeladen, die die Bücherei in Reichenkirchen betreut, die es mittlerweile schon 30 Jahre gibt. Wiesmaier betonte, wie wichtig ihm das Miteinander sei und, dass das Neue miteingebunden werde. Lehner bestätigte ihm, dass die Bücherei nach wie vor gleich viele Leser habe. Den Bücherschrank sehe sie nicht als Konkurrenz. Sie „ergänzen sich. Wir werden auch das ein oder andere Buch einstellen“, kündigte sie an.

Hans Rasthofer, Vorsitzende des Entwicklungsvereins, freute sich über die „aktive Projektgruppe“, die schon im Vorjahr Online- und Präsenzveranstaltungen sowie eine Blühwiesenaktion gestartet hatte, die heuer fortgesetzt werde. Und Kulturreferentin Anna Gfirtner zeigte ihre Unterstützung, in dem sie den Bücherschrank mit 30 Bücher bestückte.

Dr. Klaus Zeitler, der seit vielen Jahren den Gemeindentwicklungsprozeß als Experte begleitet, erinnerte daran, dass die Gemeinde 2021 in das Bundesprogramm „Zukunftswerkstatt Kommunen – Attraktiv im Wandel“ aufgenommen wurde. Fraunberg sei eine von 40 Kommunen in Deutschland, darunter Dortmund, Zwickau und Dresden.

Im Dialog mit Bürgermeister, Gemeinderat, Gemeindeentwicklungsvereins und Akteuren, die in Fraunberg tätig seien, bündle man nun einzelne Initiativen, die man vorher nebeneinander habe laufen lassen. Ein Teilbereich werde sicher auch die Umstrukturierung im Gemeindeentwicklungsverein sein, weil auch dort der demografische Wandel wirke und man sich auf neue Aufgaben vorbereiten müsse.

Begeistert zeigte er sich umso mehr von dieser aktiven Gruppe junger Menschen, die den demografischen Wandel von selber mitbegleiten und Initiative zeigen, wie dies in der Philosophie des Gemeindeentwicklungsvereins fixiert sei.

Die Projektgruppe sei mit ihrer Idee Bücherschrank an die Gemeinde herangetreten und habe im Vorfeld Kontakt mit der Schreinerei und der Bücherei aufgenommen, ihnen erklärt, dass es nicht um Konkurrenz, sondern um Miteinander gehe. In diesem Projekt habe alles idealerweise ineinandergegriffen. „Damit ist es ein guter Start für das neue Miteinander, das wir in Fraunberg ankurbeln wollen.“

Zudem sei ein solcher Bücherschrank auch nachhaltig, weil die Bücher nach dem Lesen nicht weggeschmissen, sondern weiteren Lesern zugänglich gemacht werden, betonte Zeitler.

Und im Sommer könne man sitzend auf einem der Quader vor dem Bücherschrank im Schatten der Linde ein Buch lesen, schwelgte Wiesmaier in froher Erwartung. til

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