Call of Duty: Vanguard - neuer Ego-Shooter lässt Spieler den 2. Weltkrieg nachspielen

Luftangriff auf Stalingrad 1942: Aus Sicht einer jungen Russin ist man live dabei
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Luftangriff auf Stalingrad 1942: Aus Sicht einer jungen Russin ist man live dabei

Wie erzählt man den 2. Weltkrieg für die heutige Videospiel-Generation? ‚Call of Duty: Vanguard‘ lässt die Naivität der 1980er wieder aufleben

Gaming – Derzeit dürfte auf den Bildschirmen vieler Jugendlicher ein und dasselbe Spiel flimmern: Call of Duty: Vanguard. Die jährlich erscheinende Shooter-Reihe gehört zu den erfolgreichsten und meistgespielten aller Zeiten (über 100 Millionen Spieler im letzten Jahr) und wirft uns im neuesten Ableger zurück an die Fronten des 2. Weltkriegs.

Interessant ist hierbei die Betrachtung, wie der 2. Weltkrieg 80 Jahre später, für die Videospiel-Generation erzählt wird – in dem Wissen, dass trotz Erwachsenen-Freigabe eine Kerngruppe der Call of Duty Reihe seit jeher Jugendliche ausmacht.

Wir sprengen deutsche Panzer in Afrika, duellieren uns mit japanischen Zeros über dem Pazifik, schleichen als Scharfschützin durch Stalingrad und kämpfen uns durch die Straßen Berlins in den letzten Kriegstagen – all das geschieht durch amerikanische Augen mit einer Erzählweise, die vor beschönigender Naivität nur so strotzt.

Das grenzenlose Leid der Zivilbevölkerung wird weitestgehend ausgeklammert, ebenso der Holocaust, die Atombombenabwürfe oder die kriegsentscheidenden Erfolge der Sowjetunion. Die Soldaten der Kaiserlich Japanischen Armee kommen, wenn überhaupt, nur brüllend zu Wort oder sitzen als Scharfschützen reglos in Bäumen, um sich abschießen zu lassen.

Der erzählerische Fokus liegt ganz auf den amerikanischen Soldaten, die vor Patriotismus und Heldenmut strotzdend selbst in SS-Gefangenschaft und unter Folter nichts als flotte, arrogant angehauchte Sprüche über die Lippen bringen. Die Simplifizierung der Kriegsparteien erinnert in der Naivität der Darstellung an die reaktionären Filme der 1980er, die die Welt ganz unkompliziert in gut (USA) und böse (Russland) aufteilten. Dass man Jahrzehnte später noch immer in diesem Standpunkt feststeckt, verblüfft. Den Deutschen spendiert man das Image von kultivierten, aber moralisch schwachen und den Amerikanern schon rein intellektuell unterlegenen Soldaten, die überraschenderweise stets in Überzahl auftreten.

Hakenkreuze und SS-Runen gibt es übrigens auch in der deutschen Version zu sehen. Eine Gesetzesänderung (genauer gesagt: eine veränderte Rechtsauffassung) aus dem Jahr 2018 machte es möglich, dass Videospiele hierzulande genau wie Spielfilme mehr Kunstfreiheit genießen.

Vieler Mühen zum Trotz: Der 2. Weltkrieg wird, sämtlicher kontroverser Themen bereinigt, zum Fast-Food Shooter degradiert, der die Aussage zelebriert, dass Krieg Spaß macht, solange man Amerikaner ist und solange man gewinnt. Eine kritische Aufarbeitung sieht anders aus. - phi

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