Der Erdinger Diplom-Forstwirt und Wetter-Mann Christian König befasst sich mit dem Wetter, das uns erwartet 

Das Wetter im November lässt sich augenscheinlich anhand allerelei Bauernregeln vorhersagen ... oder?
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Das Wetter im November lässt sich augenscheinlich anhand allerelei Bauernregeln vorhersagen ... oder?

Region – Fangen wir doch gleich mal mit etwas Stutzigmachendem an: „Hält der Baum die Blätter lang‘, macht ein später Winter bang‘.“ Tja, und was jetzt? Der Winter ist noch nicht einmal da, und schon wird einem angedroht, dass er dafür besonders lange hinten raus nerven soll?! Das Schöne dabei: Es sind doch nur gute, alte Bauernregeln – die wollen doch nur spielen, mit unserem verkopften Naturerleben. Und außerdem: seit es den Klimawandel gibt, ist doch eh alles ganz anders, verschoben, auf den Kopf gestellt, stimmt’s?!

Nichtsdestotrotz wollen alle Jahre wieder locker acht von zehn Otto-Normalverbraucher in Sachen Wettervorhersage wissen: Wann kommt er denn, wie heftig wird er denn, der anstehende Winter? Kriegen wir diesmal weiße Weihnachten …?! Und genau so ging’s den Menschen schon immer. Will heißen: allemal seit den Zeiten der mündlichen und später schriftsetzerischen Überlieferung quer durch’s Mittelalter bis in die Moderne lief und läuft dieses Ritual so oder so ähnlich ab. Gegen diese tief verankerte, ja nahezu archaische Neugier in uns ist eben kein noch so technisch-digitales Kraut gewachsen.

Was also tun, in diesen derart chaotischen, anstrengenden, turbulenten Zeiten, wo wir so gut wie alle darauf getrimmt sind, auf Sicht zu fahren. Längst vorbei, wo man seinen Kalender auf 24 Monate plus X im Voraus vollstopfen und am Ende damit sogar angeben konnte, wie unglaublich viel man schon vorhat oder ausgebucht ist. Wir scheinen oft ungewollt rauskatapultiert aus dieser Hechelei im Hamsterrad des Zeitverplanens. Außer beim Stichwort COP26 in Glasgow: Da gilt offensichtlich noch immer: erst nochmal die Mails checken und dann kann „man“ (wer auch immer das sein soll) vielleicht die Welt retten.

Und das Wetter? Naja, dafür gibt‘s ja die App. Obwohl – immer stimmt die ja auch nicht. Für den ganz großen Blick nach vorne, quasi in die Glaskugel, taugt sie eh nix – da wird eher durch die Medien auf Hochtouren orakelt und um die besten Klickzahlen gewetteifert. Frei nach dem Motto: Was schert mich mein Geschwätz von gestern – das Volk vergisst eh! Also doch zurück zu den guten alten Bauernregeln. Schließlich hat die Oma immer schon gewusst, wenn die Blätter lang am Baum bleiben, dann … Holen wir lieber nochmal zwei Wetterregeln aus der Mottenkiste: Hat Martini (11.11.) einen weißen Bart, dann wird der Winter lang und hart. Und: Viel Nebel im November, viel Schnee im Winter. Wähle jeder selbst. An der Nase herum führt uns der November so oder so – mit oder ohne Klimawandel als vermeintliche Begründung. Denn eines gilt seit alters her: das Wetter macht am Schluss eh, was es will. - ck

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