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Die ersten beiden Stolpersteine in Erding

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Von: Mayls Majurani

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Der Künstler Gunter Demnig verlegte am Dienstag die ersten Stolpersteine in der Erdinger Altstadt.
Der Künstler Gunter Demnig verlegte am Dienstag die ersten Stolpersteine in der Erdinger Altstadt. © ma

An der Langen Zeile in Erding wurden zwei kleine Messingtafeln verlegt, die an ermoderte Erdinger Juden erinnern. Weitere sollen folgen.

Erding – Über 75.000 Stolpersteine gibt es in Deutschland und 26 weiteren europäischen Ländern. Die quadratischen Messingtafeln erinnern an Menschen, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Nun gibt es auch vor der Stadtapotheke an der Langen Zeile in Erding zwei, mit den Namen der jüdischen Geschwister Leopold und Sophie Einstein. Der Künstler Gunter Demnig hat sie am Dienstagvormittag verlegt.

Es sei ein wichtiges Zeichen, sagte Erdings OB Max Gotz, an diese schlimme Zeit zu erinnern, vor allem in der jetzigen Zeit, in der wieder „ein Diktator (Putin, Anm. d. Red.) die Welt mit Gewalt bedroht“. Er dankte den Beteiligten Vereinen und Arbeitskreisen für die Recherche und das Engagement an diesem Projekt.

Zugleich kündigte OB Gotz auch weitere Stolpersteine in Erding an. Bei der Erinnerung gehe es nicht um Namen oder Zahlen, sondern um Emotionen. „Wir dürfen hier nicht achtlos vorbeigehen.“

An der Langen Zeile 4 in Erding: Hier wohnten Leopold und Sophie Einstein. Beide von Nazis ermordet.
An der Langen Zeile 4 in Erding: Hier wohnten Leopold und Sophie Einstein. Beide von Nazis ermordet. © ma

Vielmehr solle man stehenbleiben, erklärte im Anschluss Katharina Heitner vom Arbeitskreis Erding erinnert, sich ducken und zugleich verbeugen vor dem Schicksal dieser NS-Opfer. Deshalb seien Stolpersteine ein schöneres Symbol als Gedenktafeln an Hauswänden. Für künftige Stolpersteine seien Helfer und Mitgestalter beim Arbeitskreis Erding erinnert herzlich willkommen. Der Arbeitskreis hat das Projekt gemeinsam mit dem Historischen Verein Erding sowie der Geschichtswerkstatt Dorfen initiiert.

Schorsch Wiesmaier von der Geschichtswerkstatt Dorfen verdeutlichte, dass es bei diesen zwei Stolpersteinen um nur zwei von Millionen von Menschen handelt, die aufgrund ihrer Herkunft, politischen Ausrichtung, sexuellen Identität oder körperlichen oder geistigen Behinderung Opfer des NS-Regimes wurden. „Das alles ist nicht irgendwo passiert, die Opfer und auch die Täter waren unsere Nachbarn.“ 1941 habe es in Erding 2250 NSDAP-Mitglieder gegeben. Wiesmaier erinnerte an Adolf Eichmann, einen der Hauptverantwortlichen des Holocaust, der später in Israel für seine Verbrechen verurteilt und hingerichtet wurde. Eichmann habe sich nie schuldig gefühlt, sei vielmehr überzeugt davon gewesen ein kleines Rädchen im System gewesen zu sein. So etwas dürfe nicht wieder passieren. Deshalb sei die Erinnerungskultur so wichtig.

Sophie Einstein, verheiratete Buchmann, wurde 1879 in Erding geboren. Ihr Bruder Leopold Einstein kam ein Jahr später zur Welt. Die Familie lebte damals an der Langen Zeile, im Nachbarhaus der damaligen Stadtapotheke. Später zog sie nach Nürnberg, wo Sophie Eisenstein 1913 ihren Mann Philipp Buchmann heiratete. Das Ehepaar hatte zwei Kinder. 1942 wurden Sophie und Philipp Buchmann sowie die beiden Kinder in das Transitghetto Izbica im heutigen Polen deportiert. Die Spuren der Familie verlieren sich hier, der genaue Todesort und das Todesdatum der Erdingerin sind unbekannt. Nach dem Krieg wurde der 8. Mai 1945 amtlich eingetragen – der Tag des Kriegsendes in Europa.

Über Leopold Einsteins Leben ist heute weniger bekannt. Kurz nach der Reichskristallnacht 1938 wurde er verhaftet und über einen Monat lang im KZ Dachau interniert. Später, 1942 wurde er von Nürnberg in das Ghetto Theresienstadt im heutigen Tschechien deportiert, wo er am 18. Juli 1943 verstarb, offiziellen Angaben zufolge an einer Rippenfellentzündung.

ma

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