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„Ein richtiger Kasperl“

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Botschaften spielerisch durch ihre Figuren zu vermitteln ist Beate Welsch besonders wichtig.	Fotos: Doolmann
Botschaften spielerisch durch ihre Figuren zu vermitteln ist Beate Welsch besonders wichtig. Fotos: Doolmann

Beate Welsch – Theologin, Philosophin, Kulturpreisträgerin des Landkreises Erding und letztlich Puppenspielerin mit Herz, Gefühl und Verstand. Längst ist ihr ambitioniertes Spiel weit über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt

Frau Welsch, generationenübergreifend sind Sie als Puppenspielerin im Landkreis Erding bekannt. Was war der Auslöser? Das wurde ich schon oft gefragt. Ich denke, dieses Schauspielern und Puppenspielen, die Neigung an der Darstellung hat schon immer in mir gesteckt. Und selbst mein Vater bezeichnet mich mit meinen 51 Jahren als einen richtigen Kasperl. Während meines Studiums in Tübingen hatte ich schon dahingehend Ambitionen, habe mich Theatergruppen angeschlossen und als Souffleuse gearbeitet. Und als 11jährige habe ich bereits für meine jüngeren Geschwister Puppentheater gespielt; später dann für meine eigenen Kinder. 1990 hatte ich meinen ersten „öffentlichen“ auftritt im Kindergarten Langengeisling. Und das kam so gut an, das ich überall, wo meine Kinder zum Geburtstag eingeladen waren, Puppentheater gespielt habe. Durch meine Freundin Ursula Auer wurde das Puppenspiel dann öffentlich. Ich kaufte Puppen, schrieb die ersten Stücke und meine Freundin malte die Kulissen. Was macht für Sie den Reiz aus am Puppentheater und am Vorspielen? Im Puppentheater bin ich alles – die Figuren, der Autor, die Regie, und ich inszeniere alles. Was mich fasziniert ist, mit wie wenig Aufwand ich ratz fatz aufgebaut bin und vor den Kindern spielen kann. Welche Intention steckt dahinter? Es gibt mehrere Beweggründe. Der erste ist ganz klar die absolute Lust am Spiel. Ich spiele wahnsinnig gerne und verausgabe mich völlig. Und dadurch kommt viel zurück. Denn der zweite Grund ist das Erfreuen des Publikums, egal ob Kinder oder Erwachsene. Und dadurch ergibt sich auch der dritte Grund: die Möglichkeit zur Informationsweitergabe, wie zum Beispiel beim Präventionstheater. Um welche Inhalte geht es in Ihren Stücken? Ich versuche alle Themen spielerisch darzustellen und die Botschaften über die Puppen zu vermitteln von A wie Anziehen bis Z wie Zähneputzen. Durch meine Freundin Barbara von Johnson, der visuellen Mutter von Pumuckl, habe ich mich zu einem Stück mit zwei alten Dosen inspirieren lassen, die achtlos neben einen Container geworfen wurden. Im Dialog der Beiden geht es nicht nur um Müllentsorgung sondern auch um das prekäre Thema ‚Älterwerden’. Was ist das Außergewöhnliche an ihren Puppen und ihren Geschichten? Erst einmal vorab: mein Haupt-Tema ist das Kasperletheater. Mein Kasper ist nicht der traditionelle Kasper. Ich versuche Kasperletheater als etwas Besonderes darzustellen. Er ist der große Freund der Kinder, behutsam und leise. Mittlerweile habe ich über 170 Puppen, die teilweise aus alten Privatbeständen stammen und von meiner Puppenschneiderin dann häufig neu eingekleidet werden. Die ersten Puppen – Dresdner Künstlerpuppen – stammten von meiner Schwiegermutter. Aber auch neue Figuren, überwiegend die Tierpuppen, befinden sich in meinem Fundus. Die Kasperlestücke schreibe ich alle selbst. Aber natürlich schöpfe ich bei allen Stücken für die Kinder und die Erwachsenen auch aus unterschiedlichen Töpfen, eigenen Erfahrungen, Geschichten, die ich erlebt habe. Und ich lasse mich inspirieren von den Dingen, die mir tagtäglich begegnen. Ich hole mir sehr viele Ideen aus guten Kinderbüchern. Als besonderes Projekt zählt sicherlich das Präventionstheater. Wie und warum ist dies entstanden? Christine Zach, die damalige Frauenbeauftragte beim Polizeipräsidium Oberbayern, ist 2005 mit der Frage auf mich zugekommen, ob ich mir vorstellen könnte, ein Puppentheater zum Thema ‚sexueller Mißbrauch am Schwächeren“ zu entwickeln. Zu diesem Zeitpunkt waren Präventionsprojekte für Kleinkinder sehr vernachlässigt. Erst dachte ich, das schaffe ich nie, das kann ich nicht. Frau Zach hat mich mit zudem auch mit Hintergrundmaterial zu diesem Thema eingedeckt, was mich sehr belastet hat. Schließlich war mein Mann ausschlaggebend, der mir zu verstehen gab: „Wenn denn die Puppe das Medium ist, das die Kinder erreicht, dann ist es deine Pflicht.“ Dann hat es noch anderthalb Jahre gedauert bis zur Umsetzung des Präventionsprojektes „Mut macht stark“, das ‚stabile Fünfjährige’ bzw. Vorschulkinder und Grundschüler der ersten und zweiten Klasse anspricht. Hier ist besonders die Vor- und Nacharbeit wichtig. Der Einstieg erfolgt durch einen Eltern-Informationsabend, wobei das Stück vorgestellt und zusätzliches Infomaterial verteilt wird. Nachfolgend wird später im Kindergarten das Präventionstheater aufgeführt und als Nacharbeit im Anschluss mit den Kindern über das Gezeigte gesprochen. Gibt es weitere Projekte? Was ist zukünftig geplant? Es gibt die Theaterwerkstatt der VHS in Kooperation mit und an der Katharina-Fischer-Schule in Erding. Hier bekommen die Kinder einen ersten Eindruck, was zum Theater gehört und was man zum Theater braucht. Das Ganze endet in der Regel mit einer entsprechenden Aufführung. Und mir liegt ganz stark das Präventionstheater „Mut macht stark“ am Herzen. and Mehr über Beate Welsch und ihr Puppenspiel findet man auf ihrer Internetseite unter www.puppentheater.welsch1.de. Hier findet man auch ausführliches Informationsmaterial zum Präventionsprojekt „Mut macht stark“.

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