Patenprojekt

Der Erde wieder etwas zurückgeben

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Mit seinem Lavendelfeld lockte Tafelmeier viele Schaulustige, aber auch viele Helfer an, die in den vergangenen Wochen jäteten

Matthias Tafelmeier und seine Freunde wollen die Landschaft wieder naturnaher gestalten und Werte wie Schönheit, Erholung, Rückzugsgebiete und Gemeinschaft schaffen – dazu haben sie ein Patenprojekt gegründet

Aldstraß/Dorfen – Matthias Tafelmeier ist ein Idealist, ein Mann mit Visionen, der mit seinen außergewöhnlichen Ideen, andere Menschen begeistern und anstecken kann. Er will die Landschaft wieder naturnaher gestalten und ihr nach jahrzehntelanger intensiver Bewirtschaftung wieder etwas zurückgeben. So hat er für sein Landschafts-Paten-Projekt schon viele Gleichgesinnte gefunden, die ihm bei der Umsetzung tatkräftig helfen. Auch im Bayerischen Fernsehen waren einige seiner Projekte schon zu sehen.

Das Lavendelfeld 

Aufsehen hat er dieses Jahr mit seinem Lavendelfeld in Adlstraß erregt. Schon von weitem konnte man das blaue Duftmeer erkennen, wie man es sonst eigentlich eher in der Provence sieht. Viele Besucher hat es angezogen, tausende Klicks auf unzähligen Fotoapparaten verursacht und viele zum Rasten auf dem eigens errichteten Bankerl neben der neu gepflanzten Lindengruppe eingeladen. Viele kamen und kommen, um Tafelmeier und seiner Lebensgefährtin Hildegard Pritscher beim Heindeln, hochdeutsch Jäten der Lavendelstreifen zu helfen. „Es war einfach herrlich.“ Anfang August wurde der Lavendel geerntet, so der gelernte Landschaftsgärtnermeister.

Das Patenprojekt

Den Hof seiner Eltern hat er vor fünf Jahren übernommen. Er bewirtschaftet ihn aber ganz anders und ist ein Vorbild für andere geworden. Mit 45 Hektar Grund davon 13 Hektar Wald könne man heute nicht mehr im Vollerwerb überleben, auch nicht von einem Bio-Betreib dieser Größe. Die Landwirtschaft seiner Vorfahren aufgeben, war für ihn keine Option. Also hat er viel überlegt, das macht er eigentlich ständig. Und so hat sich nach und nach die Idee für das Patenprojekt entwickelt. Denn somit kann er die ganze Infrastruktur aufrecht erhalten und der Landschaft wieder viel zurück geben, was ihr genommen wurde. Immer mehr Ehrenamtliche finden sich für diese Interessengemeinschaft, die ihm bei den anfallenden Arbeiten helfen, auf dem Feld oder handwerklich, manche Stundenweise, manche ganze Tage. Auch ideelle Unterstützung, wie von seinem 80-jährigen Nachbarn, der alles super findet, was er macht, finanzielle Hilfe, wie sie ihm Vereinsmitglieder des Vereines Interessengemeinschaft Adlstraß geben, oder Mundpropaganda sind ihm willkommen. „Jeder kennt jemand, der sich vielleicht auch in Adlstraß engagieren mag. Für viele ist es mittlerweile auch ein neues Hobby. Die Arbeit soll ja auch Spaß machen“, erklärt er. Eine gemeinsame Brotzeit und ein mitunter auch philosophischer Rat oder ein Fachgespräch sind meist inklusive. Mittlerweile sind es an die 100 Leute, die ihn regelmäßig unterstützen.

Der Online-Auftritt

Seine Freundin Hildegard kommt aus Niederbayern. Er hat sie bei einem Hoffest, auf dem er sein Projekt vorgestellt hat, kennen- und begeistern gelernt. „Ich hab mich sofort in Matthias und in das Projekt verliebt“, sagt sie. Seit bald einem Jahr sind sie zusammen. Sie begleitet ihn nicht nur, sie unterstützt ihn auf ganzer Linie, hilft ihm auf dem Feld, und online. Denn sie bestückt die Facebook- und die Internetseite über das Projekt und verschickt auch die Newsletter an Vereinsmitglieder, Paten und „wohlwollende Betrachter“. 

Der Hanfanbau

 „Seit bald neun Jahren pflanzen wir Hanf mit vielen Höhen und Tiefen an“, erzählt er. Auch damals hat Tafelmeier schon neue Wege beschritten. Aus dem, was auf dem Feld erwirtschaftet wird, werden Hanfsamen gewonnen und Lebensmittel hergestellt: Birnen- und Aroniasaft, Kartoffeln und ein bisserl Gemüse sowie den Spezialkompost „Bodenheiler“. Auch fermentierte Ziegenmolke stellt er schon länger her, wie sie schon vor 200 Jahren genutzt wurde, um die Darmbakterien zu unterstützen. Die hat er schon bis nach Australien verkauft. Lavendel beinhalte über 200 Stoffe, die noch nicht alle erforscht seien. Er sei vielseitig einsetzbar, vom Lebensmittel bis zum Seifenzusatz durch seine Duftstoffe. Was er genau aus der Ernte herstellen will, wird Tafelmeier zusammen mit seinen Unterstützern entscheiden. Geplant ist auch ein Vereinsladen, in dem diese Sachen verkauft werden. „Jeder, der beim Ernten hilft, kriegt was ab. Wir haben nicht viel, aber eine große Vielfalt“, erklärt er. Auch eine Vielfalt weiterer Ideen gebe es, die in kleinen Chargen umgesetzt würden.

Der Artenreichtum 

Viele Betriebe würden viel aus der Landschaft herausholen, ihr aber nichts zurückgeben, bedauert er. Ihm geht es auch darum, einen Ausgleich zu dieser von EU-Subventionen gesteuerten Landwirtschaft zu schaffen. „In den letzten 100 Jahren sind die Böden immer magerer, der Humus immer weniger geworden durch die intensive Landbewirtschaftung.“ So kam er auch auf die Idee Lavendel anzubauen, denn dafür sei kein aufwändiger Humusaufbau notwendig. Zugleich möchte er wieder einen artenreichen, blühenden Lebensraum schaffen. Das ist ihm gelungen. Tausenden von Bienen taugt es.

Die Nachhaltigkeit Neben achtsamem Umgang mit der Natur und ihrer Pflege geht es ihm auch um Nachhaltigkeit. Wenn der Landschaftsgärtnermeister ein Hochbeet baut, dann fachmännisch und mit dem eigenen Holz, um das sich sein 75 Jahre alter Vater noch kümmert, der das heimische Sägewerk errichtet hat. Das war dem BR-Fernsehen auch schon ein Bericht wert.

Die Mitstreiter 

Einer seiner Weggefährten ist Reinhard Schwarz aus München. Der 70-jährige Soziologe und Psychologe ist seit der ersten Stunde dabei. Ihm geht es darum, etwas für die Natur zu tun, weg vom Materiellen, hin zu Werten, die nichts mit Geld zu tun haben, sagt er. In Adlstraß könne er etwas Sinnvolles dazu beitragen und zugleich fit bleiben. Tafelmeier will mit seiner Landschaft auch Werte schaffen, Werte wie Schönheit, Erholung- und Rückzugsgebiete sowie Gemeinschaft, die noch viel wertvoller sind als Finanzmittel, findet er.

Die Artenvielfalt

 „Wir brauchen eine Artenvielfalt, die im Jahreskreis lebt“, betont er. Nur Blühstreifen an den Ackerrändern allein reichen nicht. Schließlich gehe es nicht nur um die Honigbiene, sondern um alle Insekten. Auch die Wälder würden durch den drastischen Klimawandel sterben. Wichtig sei es zudem den Reh-Wildbestand auf ein vernünftiges Maß in den kommenden Jahren zu reduzieren. „Wenn wir Artenvielfalt wollen, dann brauchen wir auch außer Fichten noch andere Bauarten, betont er. Es sind also noch viele Baustellen offen. Er habe die Landwirtschaft noch mit Kinderaugen erlebt, mitgekriegt wie der Opa Obstbäume „obboizt“, also veredelt habe. In diese Richtung soll es gehen.

Die Helfer 

Über neue Helfer freuen sich hier alle. Ob allein oder in der Gruppe. Gerne könnte auch mal ein Gartenbauverein statt des Kaffeekranzerl einen Ausflug auf seinen Hof am besten gleich mit Arbeitseinsatz machen. „Man kann sich beim Heindl oder beim Aronia­pflücken gut unterhalten und sich austauschen“. 300 Liter Aroniasaft konnten im vergangenen Jahr aus den kleinen Früchten gepresst werden, die gut gegen Entzündungen und gehen hohe Cholesterin- und Blutdruckwerte sein sollen.

Die Wiesenrenaturierung 

Eine weitere Arbeit sei die Wiesen-Renaturierung. „Unsere ganze Landschaft ist von Spezi-Stauarn verseucht“, sagt der Experte, eine Spätfolge der Intensivbewirtschaftung. Nachdem dieses Kraut rausgestochen sei, werden Kräuter und Blüher nachgesät, damit die Grasnarbe nicht geschädigt bleibt. „Zum Furtfahren hab ich keine Zeit, da baue ich mir selber eine schöne Landschaft“, denn auch so könne man Landschaft extensiv bewirtschaften, sprich naturnah und nachhaltig gestalten.

Die Erde

Von dieser Idee ließ sich auch Marie Posa aus Traunstein anstecken. Sie hilft seit einem Jahr regelmäßig auf dem Hof mit. Im Internet sei sie auf Adlstraß aufmerksam geworden und habe sich in einen Satz verliebt: „Wir haben der Erde schon so viel weggenommen, dass es Zeit wird, dass wir ihr was zurückgeben und zwar bedingungslos“ - til

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