Politik

Erdinger Landwirte setzen ein Zeichen

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Die Erdinger Facebook- Gruppe „Landwirtschaft im Landkreis Erding“ steht hinter der bundesweiten Aktion „#grüne Kreuze“ des bayerischen Bauernverbandes. (Hier an der ED 20 auf dem Brielmair-Feld zwischen Grucking und Unterstrogen) Vorne v.l.: Martin Haindl (Geschäftsführer Maschinenring), Kreisbäuerin Irmgard Posch, Stellvertreterin Lore Hermannsdorfer, Landwirtschaftsmeisterin Caroline Brielmair und Mathias Lohmeier (BDM Kreisvorsitzender). Hinten v.l. Michael Hamburger (Landwirtschaft im Landkreis Erding), Landrat Martin Bayerstorfer und Bernhard Karrer (VLF Kreisvorsitzender)

Das Agrarpaket der Bundesregierung erschwert die Arbeit der Bauern – als Symbol gegen das Höfe-Sterben werden grüne Kreuze aufgestellt

Grucking – Mit der bundesweiten Aktion „#Grüne Kreuze“ machen derzeit die Landwirte auf ihre dramatische Situation aufmerksam. Auch im Landkreis Erding haben schon einige Bauern auf ihren Feldern die grünen Kreuze als Zeichen des stillen Protest aufgestellt. 

Die Aktion ist ein Aufruf der Bauern, der die Verbraucher zum Nachdenken anregen soll. Das am 4. September vom Bundesumwelt- und des Bundeslandwirtschaftsministeriums verabschiedete Agrar­paket greife massiv in die Bewirtschaftung der Betriebe und in das Eigentum ein. Die Produktion von Nahrungsmitteln in Deutschland werde immer mehr erschwert und mit Produktions- und bürokratischen Auflagen belastet. 

Die Bauern sollen auf Bio-Landbau umstellen, ausgelöst durch das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ mit Forderung nach 30 Prozent Bio-Landwirtschaft. Aber Bio zum Schnäppchenpreis geht nicht. Gleichzeitig würden über Freihandelsabkommen die Grenzen geöffnet. Die Erdinger Facebook- Gruppe „Landwirtschaft im Landkreis Erding“ hat sich bei Landwirtschaftsmeisterin Caroline Brielmair in Grucking getroffen, um über die Aktion zu sprechen. 

Der Jungbäuerin reichts: „Unser 600 Jahre alter Hof kann auf eine beispielhafte Familien-Generationen übergreifende Erfolgsgeschichte in der heimatlichen Kulturlandschaft zurückblicken. Heute werden wir nicht mehr gefragt, nicht mehr wahrgenommen und mit unerfüllbaren Forderungen der Politik überhäuft.

Deshalb habe sich die zweifache Mutter entschieden mit dem Kreuz gegen das „Höfe-Sterben“ ein letztes Warnmittel aufzustellen. In der Landwirtschaft stehen Existenzen ganzer Familien und Personen auf dem Spiel, so Brielmair. Organisator Michael Hamburger stellte klar: „Die Aktion „#grüne Kreuze“ hat gar nichts mit Jammern der Bauern zu tun und stellt auch keine Forderungen. Sie macht einzig allein auf die Konsequenzen politischen Handelns aufmerksam. Derzeit tragen wir die Landwirtschaft zu Grabe.“

Die Folge sei eine industrielle Landwirtschaft in Deutschland, und Nahrungsmittel aus dem Ausland prophezeite Hamburger. „Grün ist die Hoffnung und das Kreuz steht für die Auferstehung der Bauern“, so Hamburger. Bernhard Karrer Vorsitzender der Vlf (Verband für landwirtschaftliche Fachbildung in Bayern) meinte: „Derzeit herrsche eine bedrückende Lähmung bei den Landwirten. Wie stelle ich auf Bio um? 

Es scheint so, als ob die Landwirte die Kraft zum Jammern gar nicht mehr haben.“ Martin Haindl vom Maschinenring meint: „Wir stehen voll dahinter, die kleinen bäuerlichen Betriebe zu erhalten. Wir wollen helfen beim weiteren Überleben!“ 

Auch Kreisbäuerin Irmgard Posch steht hinter der Kreuzaktion die mahnen soll gegen steigender Auflagenflut, überzogene Bürokratie, Dumpingpreise für Essen, ungebremsten Flächenverbrauch und unfaire Handelspolitik. „Es ist uns freigestellt, ob wir mitmachen, uns fehlen die Gegenargumente. Wir fordern eine neue Agrarpolitik mit dem Sinn wieder mit den Verbrauchern ins Gespräch zu kommen,“ so der Vorsitzende des Bundesvereins Deutscher Milchviehhalter Mathias Lohmeier, der noch eine geplante Plakat­aktion ankündigte. 

Unterstützung gibt’s auch von eingeladenen Landrat Martin Bayerstorfer, der als Landwirt die Situation der Bauern selbst bestens kennt. „Bauern zerstören die Landschaft, Bauern vernichten Arten und Bauern verseuchen das Wasser“: Dieses Zitat von der Grünen Bundestagsabgeordneten Katrin Göring-Eckhardt sei ein Schlag ins Gesicht der Landwirte, die seit Menschen Gedenken die besten, gesündesten und am meisten untersuchten Lebensmittel produzieren, so Bayerstorfer. In zwei Dingen, bei der Nahrungsmittelproduktion und der Energiewirtschaft müsse die Volkswirtschaft unabhängig, sein, hatte 1994 schon Bundeskanzler Helmut Kohl gesagt. Sonst werden wir zum Spielball der Welt. Heute haben wir weltweit einen Dumping Lebensmittel-Wettbewerb. „Das ist kein freier Markt, das ist ein politisch gesteuerter Markt“ beklagte der Landkreischef. 

Unser Land habe die höchsten Vorschriften, bei der Düngeverordnung, Tierhaltung, Emission und Klimaschutz die erfüllt werden müssen. Sonst gebe es keine Ausgleichszahlungen. Unsere Landwirte sind mittlerweile bei der Rinder- und Schweinehaltung an der Leistungsgrenze, verdeutlicht der Landrat. 

Der Landkreis plant gerade für die heimischen produzierten Produkte eine regionale Marke einzuführen. Dazu soll ein Verein gegründet werden und für die Vermarktung die regionalen Gemüsebauern und Bauernmärkte mit ins Boot geholt werden. 

Die Bürgermeister der 26 Landkreisgemeinden haben bereits Unterstützung zugesagt. Vorgestellt und Präsentiert werden soll das Vermarktungsprojekt bei der Grünen Woche im Januar 2020 in Berlin, so der Landrat. Bei der größten Verbrauchermesse sei das Muster ist immer das Gleiche. Keine Regierung der Welt will teurere Lebensmittel. to

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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