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Filmkritik: The Menu - Die intellektuelle Horror-Satire nimmt die Dekadenz der Feinschmecker aufs Korn

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Von: Philip Heggmair

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Chefkoch Julian Slovik in seinem Reich. Das heutige Menü werden seine Gäste garantiert nicht mehr vergessen
Chefkoch Julian Slovik in seinem Reich. Das heutige Menü werden seine Gäste garantiert nicht mehr vergessen © Searchlight Pictures

Kino – Wenn der Restaurantbesuch zum Horrorerlebnis wird: Eine Variation dieser Prämisse erwartet uns ab sofort in den Lichtspielhäusern. Die Dekadenz der Oberschicht, überteuerte Cuisine und die Obsession der Köche, Perfektion liefern zu müssen bilden das Herzstück von „The Menu.“ Eine gallige Horrorsatire für Feinschmecker.

Reiche Menschen essen nicht. Sie zelebrieren die Extravaganz der Küche. So reist eine ausgewählte Gruppe Superreicher auf eine abgeschiedene Insel, um sich einen Abend lang mit einem Fünf-Gänge Menü verwöhnen zu lassen. Zur Gruppe gehören ein Restaurant-Kritiker Paar, ein Filmstar und ein paar junge Silicon Valley-Schnösel. Das Edelrestaurant im Herzen der verlassenen Insel ist nur per Schiff zu erreichen. Dass der obsessive Küchenchef (Ralph Fiennes) für die heutige Nacht noch ganz andere Pläne hat, ahnen die Gäste erst spät. Zuerst bekommt dies die junge Margot (Anya Taylor-Joy) zu spüren, die als Last-Minute-Date eines leidenschaftlichen Kulinarik-Fans (Nicholas Hoult) der Küchenbelegschaft von Anfang an ein Dorn im Auge ist.

Das Menü des Abends wird mit eloquent formulierten Ausführungen des Chefs serviert. Kleine Portionen, exotische Zutaten, privilegierte Genießer. Nach und nach aber sorgen die Kommentare des Chefs für Irritation unter den Gästen. Als Blut fließt, kippt der Abend endgültig. Wer bleibt übrig, um den letzten Gang zu genießen?

Das Kinoplakat von The Menu
Das Kinoplakat von The Menu © Searchlight Pictures

Die originelle Satire des britischen Regisseurs Marc Mylod delektiert sich an Großaufnahmen der edlen Gerichte (kreiert und angerichtet von der französischen Star-Sterneköchin Dominique Crenn) und erhebt die Kunst der Küche zu einer exzentrisch-obsessiven Lebenseinstellung. Service als Streben nach Perfektion, gerade gut genug für die blasierte Oberschicht. So werden als Beilage leere Brotteller serviert – die Nahrung des „kleinen Mannes“ wäre schließlich eine Beleidigung!

So elegant die Gerichte in Szene gesetzt werden, so unvorhersehbar bleibt die Geschichte. Die Dialoge schwelgen in bildungssprachlichen Ausschmückungen der kulinarischen Vorzüge und führen uns durch einen Abend der Überraschungen, den nicht jeder Restaurantgast überleben wird. Das Nobelrestaurant wird zum Schlachtfeld zwischen Konsumgesellschaft und Sternekoch. So bleibt man nach dem Kinobesuch vor allem eines: Hungrig! Unsere Wertung: 9/10

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