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Friedliche Zeiten im Cineplex

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Erding

(til) – Er ist einer dieser leisen Filme, die nicht die Bestseller-Listen anführen, aber die unbedingt sehenswert sind. Einer der größten Fans von “Friedliche Zeiten” ist kein geringerer als einer der erfolgreichsten deutschen Regisseure, nämlich Marcus Rosenmüller. Er ging mit Produzentin Caroline Daube, Regisseurin Neele Leana Vollmar und Schauspielerin Katharina Schubert sogar auf Promotion-Tour. Denn dieser Film ist es wert für ihn die Werbetrommel zu rühren. “So ein Film darf nicht untergehen”, sagt der Rosi. Das fiel ihm auf, als der Streifen bei einem Filmfestival in Argetsried lief, dass der Regisseur (Wer früher stirbt, ist länger tot) veranstaltete. Das Publikum sei bis nach Mitternacht auf den Bierbänken geblieben und habe den Film aufmerksam und mit strahlenden Gesichtern verfolgt. Für ihn, hat der Film absolutes Kultpotential. Pech war nur, dass “Friedliche Zeiten” zeitgleich mit dem Baader Meinhof Kom-plex in den deutschen Kinos anlief und ebenfalls Ende der 60-er Jahre spielt, warf Daube ein. Allerdings beleuchtet er nicht das actiongeladene, aufsehenerre- gende RAF-Terroristenge- schehen, sondern die eher spießig-muffige, aber durchaus liebenswerte, bürgerliche Seite von Lieschen- Müller und Otto-Normalverbraucher. Der Film basiert auf einer wahren Geschichten. Das von Bestseller-Autorin Birgit Vanderbeke wurde in Motiven übernommen und mit sehr viel Herz inszeniert. Das Drehbuch stammt von Ruth Thoma (Emmas Glück, Kebab Connection), einer Meisterin der Zwischentöne. Katharina Schubert (Shoppen) spielt Irene Striesow, Oliver Stokowski (Die wilden Hühner und die Liebe) ihren Mann Dieter. Die beiden sind 1961 in den Westen geflohen, um dort friedliche Zeiten zu erleben. Aber Irene hat Heimweh, sehnt sich in die vertraute DDR zurück, hat Angst vor dem dritten Weltkrieg und ist eifersüchtig auf ihren Mann, der die westliche Freiheit genießt und fürchtet möglichen Zweitfrauen mit denen er sie betrügt. Nur in ihren vier Wänden fühlt sie sich sicher. Unter ihren verrückten Ängsten leiden alle, vor allem auch die Kinder. Nina Monka und Leonie Brill spielen auf wunderschöne Weise und sehr einfühlsam ihre Töchter Ute und Wasa und Konstantin Weckers Sohn Tamino ihr Söhnchen Flori. Die beiden Mädchen beschließen mit kindlicher Leichtigkeit der Mutter zum Glück zu verhelfen und die Dinge nehmen ihren unerwarteten Lauf. Gedreht wurde im Raum München, in der Ludwigsfeld-Siedlung, aber auch in Freising, 40 Tage lang. 1,9 Millionen Euro kostete die sehr schön fotografierte und perfekt gesettete Produktion. Doris Kunstmann und Meret Becker spielen Nebenrollen. Daube und Vollmar haben sich auf der Filmhochschule kennengelernt und sich mit dem Film einen Traum verwirklicht. Sie beschäftigten sich gerne mit zwischenmenschliche Beziehungen. “Kinder fühlen sich immer schuldig für ihre Eltern”, das wollten sie rüberbringen und es ist ihnen fabelhaft gelungen. Die Tragikomödie vereint alles, was ein guter Film braucht. “Es war lustig am Set, alle Team-Mitglieder hatten ein Déjá-vu” bei dieser Zeitreise ins Jahr 1967. Es war eine Zeit, wo Kommunikation nicht stattfand”, sagt Vollmar. Heute würde man zum Psyotherapeuten gehen. Irene aber backt Kuchen und baut permanent Unfälle, um sich abzulenken. Ganz begeistert war die Regisseurin von den Kindern. “Es war eine tolle Erfahrung. Wir waren wie eine Familie.” Und Schubert fand die Anziehsachen wahnsinnig toll. Mit ihrern Platinblonden, immer perfekt gestylten Haaren und den körperbetonten Klamotten, habe sie sich sehr weiblich gefühlt.

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