Gastro-Beschäftigte im Landkreis Erding beim Einkommen 35 Prozent unterm Schnitt

Ein Großteil der Beschäftigten in Restaurants, Cafés und Hotels arbeitet zu Niedriglöhnen – und hat wegen der Pandemie schlechte Job-Perspektiven, kritisiert die NGG
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Ein Großteil der Beschäftigten in Restaurants, Cafés und Hotels arbeitet zu Niedriglöhnen – und hat wegen der Pandemie schlechte Job-Perspektiven, kritisiert die NGG

Erding – Sie arbeiten dann, wenn andere frei haben, kommen mit ihrem Lohn aber kaum über die Runden: Köche, Servicekräfte und Hotelangestellte verdienen im Landkreis Erding weit unterdurchschnittlich – und könnten aus Geldsorgen ihrer Branche immer häufiger den Rücken kehren. Davor warnt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und verweist auf eine Analyse der Hans-Böckler-Stiftung, die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit ausgewertet hat. Demnach kommen Beschäftigte aus dem Gastgewerbe, die eine Vollzeitstelle haben, im Landkreis Erding auf ein mittleres Monatseinkommen von aktuell nur 2.007 Euro brutto. Zum Vergleich: Branchenübergreifend liegt der Median bei Vollzeit im Landkreis bei 3.098 Euro.

„Wenn Hotel- und Gastro-Beschäftigte 35 Prozent weniger verdienen als der Schnitt, dann darf sich keiner darüber wundern, dass sie sich in Zeiten der Corona-Krise einen neuen Job suchen. Denn viele von ihnen mussten monatelang mit dem Kurzarbeitergeld auskommen, ein Teil der Beschäftigten ist noch immer darauf angewiesen. Das sind harte Einbußen bei einem ohnehin niedrigen Einkommen“, betont Manuel Halbmeier, Geschäftsführer der NGG-Region Rosenheim-Oberbayern. Obwohl die Wirte und Hoteliers ebenfalls stark von den Folgen der Pandemie getroffen seien, müsse nun alles dafür getan werden, Löhne und Arbeitsbedingungen attraktiver zu machen. Gelinge das nicht, dürfte es in vielen Hotels, Gaststätten und Cafés schon bald nicht mehr genügend Personal geben, warnt der Gewerkschafter.

Auch dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in Bayern sei diese Entwicklung nicht verborgen geblieben. So beklage auch die Präsidentin des Dehoga Bayern, Angela Inselkammer, die Abwanderung von Fachkräften in andere Branchen und das Fehlen von rund 50.000 Beschäftigten. Um diesen Trend zu stoppen, sind laut Branchenverband höhere Löhne nötig. Nach Einschätzung der Gewerkschaft ist die aktuelle Lage auch hausgemacht: „Von unbezahlten Überstunden, langen Arbeitszeiten bis hin zu einem rauen Umgangston hinter den Kulissen – viele Probleme im Gastgewerbe haben schon lange vor der Pandemie existiert“, so Halbmeier.

Die NGG appelliert an den Dehoga, den Ankündigungen auch Taten folgen zu lassen und die Branche über einen Tarifvertrag neu aufzustellen. Die Gewerkschaft verweist darauf, dass schon seit Mai 2020 kein Tarifvertrag für Bayerns Wirtshäuser, Hotels und Biergärten mehr gilt. „Die Beschäftigten brauchen nach dieser schwierigen Zeit endlich eine Perspektive. Die Unternehmen tun gut daran, sich jetzt zu tariflichen Standards zu bekennen. Dazu gehört auch, dass eine Mitgliedschaft im Arbeitgeberverband nur dann möglich ist, wenn die Tarifverträge akzeptiert werden, die man gemeinsam ausgehandelt hat.“ - NGG

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