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Gegenwart trifft Vergangenheit

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Max Mannheimer (l.) und Peter Probst in der Montessori-Schule in Aufkirchen	Foto: Montessori Schule
Max Mannheimer (l.) und Peter Probst in der Montessori-Schule in Aufkirchen Foto: Montessori Schule

Aufkirchen – Bereits zum fünften Mal besuchte Max Mannheimer, Autor, Maler, Überlebender des Holocaust und Zeitzeuge die Montessori-Schule in Aufkirchen. Diesmal traf er Peter Probst, Drehbuchautor und Schriftsteller von Krimis wie „Blinde Flecken“

und „Personenschaden“, die gründlich recherchiert das rechtsradikale Milieu ausleuchten. Zusammen mit seiner Frau Amelie Fried veröffentlichte er unter anderem die Familiengeschichte „Schuhhaus Pallas – wie meine Familie sich gegen die Nazis wehrte.“ Schulsprecherin Venja Quast erklärte, dass sich die Schüler mit Referaten und Filmen über die Zeit des Nationalsozialismus, der Lektüre „Mein spätes Tagebuch“ (Max Mannheimer), „Blinde Flecken“ und einem Besuch der KZ-Gedenkstätte in Dachau auf diesen Besuch vorbereitet hätten. Die Autoren erzählten, warum die Bücher entstanden sind. Max Mannheimer wollte, da er glaubte, ernsthaft erkrankt zu sein, seiner damals 17-jährigen Tochter von seinem Schicksal während des von den Deutschen entfesselten Infernos erzählen. Besonders lag ihm der Verlust seiner Familie und wie er und sein Bruder immer wieder knapp seinen Peinigern in Theresienstadt, Ausschwitz, Warschau und Dachau entkam, am Herzen. Doch sein Buch ist durch glückliche Umstände für viele Leser ein authentisches Zeitzeugnis geworden. Seit 25 Jahren besucht Max Mannheimer Schüler, um deren Fragen zu beantworten. Er tut dies nicht als Richter oder Ankläger, sondern als Vermittler für Freiheit und Humanität. Für Peter Probst löste der geplante Anschlag während der Grundsteinlegung auf das jüdische Zentrum am Jakobsplatz in „seinem friedlichen und weltoffenen München“ Entsetzen aus. Deshalb begann er damit, gründlich über die rechtsradikale Szene zu recherchieren. Was treibt Jugendliche zu diesem Gedankengut? In welchen Umständen wachsen sie auf und wie werden sie, genau wie die Hauptfigur seines Buches, für rechtspolitische Zwecke benutzt und so radikalisiert, dass es ihnen schwerfällt, aus diesem Sumpf wieder auszusteigen? Wie können wir reagieren? Sein Appell an alle ist, die Zivilcourage zu stärken, wach zu sein, Mut zu zeigen, nicht wegzuschauen, sondern zu reagieren – auch bei „scheinbar“ arglosen Situationen, wenn z. B. fremdenfeindliche Witze im Freundeskreis gemacht werden. Die Würde des Menschen brauche Schutz. Zusammen mit seiner Frau engagiert sich Probst beim Verein Lichterkette gegen Fremdenfeindlichkeit und für Integration. ha

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