1. meine-anzeigenzeitung
  2. Lokales
  3. Erding

Glauben auch Muslime an Jesus?

Erstellt:

Von: Mayls Majurani

Kommentare

Im Islam ist Jesus Christus nicht der Sohn Gottes, sondern ein Prophet, erklärt Emre Keles. Der 28-jährige Theologe ist Imam der Islamischen Gemeinschaft Erding
Im Islam ist Jesus Christus nicht der Sohn Gottes, sondern ein Prophet, erklärt Emre Keles. Der 28-jährige Theologe ist Imam der Islamischen Gemeinschaft Erding © mama

Jesus Christus ist die zentrale Figur des Christentums. Doch auch im Islam ist er heilig. Wir sprachen mit einem Islam-Theologen über seine Bedeutung

Erding – Lesungen aus dem Lukasevangelium gehören zur Christmette am Heiligen Abend dazu. Darin wird erklärt, wie Maria Jesus auf die Welt brachte. Doch die Bibel ist nicht die einzige religiöse Quelle, die von Jesu Geburt berichtet. Und Christen sind nicht die einzigen Gläubigen, die fest an Jesu Existenz glauben. Emre Keles, Imam der Islamischen Gemeinschaft Erding und studierter Islam-Theologe, erzählt im Gespräch mit unserer Zeitung, was für eine Bedeutung der Sohn Gottes für Muslime hat.

Nicht der Sohn Gottes?

Und beim Begriff „Sohn Gottes“ muss der 28-jährige Theologe auch gleich widersprechen. Denn der Islam ist im Vergleich zum Christentum strikt monotheistisch: „Es gibt im Islam nur einen Gott und er hat keine Kinder. Jesus ist laut Koran ein Prophet, wie etwa Mohammed oder Mose.“ Hier deckt sich das heilige Buch der Muslime auch mit dem Markusevangelium, in dem sich Jesus selbst als Propheten bezeichnet. Während im Christentum Gott Jesu Vater ist, hat er im Islam keinen Vater. „Das muss man sich so vorstellen, wie bei Adam. Adam hatte auch keine Eltern. Jesus hat in diesem Fall eben nur eine Mutter.“ Der Glauben an die Propheten, also die Gesandten Gottes, ist im Islam übrigens einer der sechs Glaubensgrundsätze. Mindestens 25 Propheten werden im Koran namentlich erwähnt, ein Muslim muss an alle glauben.

Über Maria steht im Koran übrigens erstaunlich viel. Denn sie war auch nach islamischer Auffassung eine Heilige. Keles: „Mohammed sagte einmal, dass Maria die heiligste Frau ihrer Zeit war.“ Zugleich ist Maria auch die einzige Frau, die im Koran namentlich erwähnt wird, es gibt sogar eine Sure, also ein Koran-Kapitel, die Maryam, also Maria heißt.

So wird auch über Jesu Geburt in dieser, aber auch in anderen Suren ausführlich berichtet. „Nach islamischer Auffassung verkündet der Erzengel Gabriel die Schwangerschaft, und pustet den Heiligen Geist in Maria. Und so kommt Jesus ohne Vater auf die Welt.“ Auch bei der Geburt unterscheidet sich die islamische von der christlichen Version. So ist Maria laut Koran an „einem entlegenen Ort“, nicht in Betlehem. „Und sie ist alleine. Josef gibt es auch im Islam, allerdings ist er ein Verwandter Marias, nicht ihr Verlobter. Und bei der Geburt ist er nicht anwesend“, erklärt der Imam.

Maria empfängt den Propheten also allein, vermutlich in der Wüste an einem Dattelbaum, sagt Keles. Von dem wird auch im Koran berichtet, und von einem Bach, den Gott für Maria erschafft. „Die Dattel wurde dann zur Tradition in der islamischen Welt. Man hält auch Neugeborenen süße Datteln in den Mund, damit sie aufhören zu weinen. Das hat auch unser Prophet Mohammed so getan.“

Auch im Islam vollbrachte Jesus Wunder

Seine Kindheit verbrachte Jesus in Ägypten, mit zwölf Jahren zog er nach Levante, wo ihm mit 30 Jahren sein Prophetentum offenbart wurde. Auch im Islam ist das Leben Jesu geprägt von Wundern, die er vollbracht hat: „Er hat Kranke und Blinde geheilt und Tote wiederbelebt“, sagt Keles. Und die Verwandlung von Wasser zu Wein? Da muss der Imam schmunzeln, das gebe es in der islamischen Überlieferung nicht. Doch die Wunder an sich seien ein Zeichen, dass Jesus ein Prophet ist: „Wunder vollbringen im Islam nur die Propheten.“

Einen weiteren großen Unterschied zum Christentum gibt es dann noch beim Ableben Jesu. Keles: „Im Koran heißt es, Jesus sei nicht getötet oder gekreuzigt worden. Gott erhob ihn zu sich. Die Kreuziger glaubten aber trotzdem, dass sie ihn gekreuzigt haben.“

mama

Auch interessant

Kommentare