Fehlender Hochwasserschutz

Große Baugebiete liegen vorerst auf Eis

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Es herrscht Baustopp wegen fehlendem Hochwasserschutz.Betroffen ist auch das Baugebiet Erdbeerfeld.

Selten wird so heiß gegessen, wie gekocht wird. Doch was Florian Pfleger von aquasoli in der Sitzung des Stadtrates vortrug, erschreckte das Gremium sehr.

Erding – Nach dem Hochwasser von 2013 hatte die Stadt das Traunsteiner Büro aquasoli mit einem Gutachten für die Gewässer III. Ordnung beauftragt, für welche Erding selbst zuständig ist. Es handelt sich hierbei um die im Süden der Stadt liegenden Gräben mit ihren Rohrdurchlässen, die alle viel zu klein dimensioniert sind. Pfleger zeichnete ein Horrorszenario, wonach alle vier Gräben, Neuhauser, Moos, Aufhauser, Riexinger Graben, und auch der Itzlinger Graben, weite Teile im Osten und Westen der Stadt unter Wasser stehen würden. Dies wäre der Fall, wenn es nach längeren Regenfällen, verstärkt aber nach heftigem Platzregen, zu einer Katastrophe kommen würde. Die Herzogstadt wäre also eingekesselt von Wassermassen, da im Osten das Baugebiet Haager Straße-Ost, im Westen das Baugebiet am Erdbeerfeld, die Parksiedlung an ihrem westlichen Rand und vor allem die Sandgrubensiedlung überflutet sein würden. Aber auch Kreiskrankenhaus, die Rettungsleitstelle und die Polizei würden in Mitleidenschaft gezogen. Aus für die schönen Pläne der Stadt, dem Siedlungsdruck Herr zu werden. „Wenn der Aufstau hoch genug ist, wird das Wasser über die Straßen schwappen. Einen Teil würden die Verrohrungen aufnehmen, aber der Rest ergießt sich in die Siedlungsgebiete“, warnte Pfleger. Erding habe teilweise ein hohes Schadenspotenzial an allen Gräben. Dazu komme, dass im Westen an der Dachauer Straße das Gefälle nicht zur Sempt hin ausgeprägt sei, sondern Richtung Sandgrubensiedlung.Die Folge ist, dass erst einmal ein Planungs-und ein Baustopp in Kraft treten, bis ein Hochwasserschutzkonzept erarbeitet ist, das sieht das Gesetz so vor. Stadtjustitiar Andreas Erhard räumte ein, dass das Gutachten zunächst bei den Betroffenen im Rathaus großes Erschrecken ausgelöst habe. Wo Pläne vorlägen, dürfe gebaut werden, allerdings müsse den Bauherren klar sein, dass sie im Überschwemmungsgebiet ihre Domizile errichten, das heißt, entsprechende Maßnahmen müssten getroffen werden. Freilich, für die Gebiete Haager Straße Ost und die Bebauungspläne 171 zwei und drei (Erdbeerfeld) bedeutet das laut Karin Hatt, dass man sie vorerst nicht weiter entwickeln darf. Um die 300 Wohnungen liegen derzeit auf Eis. Josef Höschl vom Wasserwirtschaftsamt, das für die Gewässer II. Ordnung zuständig ist, zeigte sich überrascht davon, dass die Probleme massiver sind als von seiner Behörde gedacht. Als Konsequenz daraus zog er, dass in diesem Bereich die Planungen zum Hochwasserschutz vorangetrieben werden müssen. Notfalls könne man kurzzeitig auf Behelfslösungen zurückgreifen, aber das dürfe kein Dauerfall werden.Auch der Freistaat Bayern habe begriffen, dass man an der Sempt schnell die notwendigen Maßnahmen ergreifen müsse. Allerdings werde dies ohne ein Planfeststellungsverfahren nicht möglich sein, und das dauere. Um den Grundwasserstand hat sich aquasoli laut Pfleger nicht gekümmert, der sei nicht Thema der Untersuchung gewesen. Eine Offenlegung der Gräben, wie in der Sitzung gefordert, sei wohl kaum möglich, weil der Platz nicht ausreiche. Petra Bauernfeind (UWE) wollte wissen, wie es denn weitergehe, denn schon in diesem Jahr könne erneut eine Überschwemmung anstehen. Gotz antwortete ihr, dass man in der fraglichen Stadtratssitzung nur über die Gewässer III. Ordnung spreche, mit denen der II. Ordnung müsse man noch warten.Er gab der Befürchtung Ausdruck, dass artenschutzrechtliche Bedenken auftreten könnten, warnte aber gleichzeitig vor Hysterie, die ausbrechen könne. „Wo eine bauliche Weiterentwicklung stattfinden soll, wird das auch möglich sein, wenn es ins Konzept passt“ sagte er. Auf Elisabeth Mayrs (CSU) Anfrage, ob man mit anderen Gemeinden zusammen arbeiten könne, um den Hochwasserschutz sicherzustellen, sagte Gotz, er sei überzeugt, dass sowohl in den Gemeinden als auch in der Landwirtschaft vernünftige Leute anzutreffen seien, die klugen Konzepten zustimmen würden. Alois Flötzinger brachte ein Thema aufs Tapet, dass auch immer wieder von den Bürgern zu hören ist. Es mangele an der Bachräumung, vermutete er. Höschl hielt dagegen, dass man von der seit Urzeiten bekannten Bachkehrung abgekommen sei, damals hatte man ganze Flussläufe trockengelegt, das sei heute nicht mehr zu verantworten, das Wasserwirtschaftsamt aber seinen Pflichten zur Reinigung nachkomme. Umweltreferent Herbert Maier wollte mit den angeschafften Pumpen das Wasser in Richtung Isarkanal leiten, doch Höschl erteilte ihm eine Absage, denn der sei einfach zu weit entfernt. Mehr als 300 bis 500 Meter ließen sich mit den Pumpen nicht überwinden, sagte er. Gotz erklärte, dass das Hochwasser kein Hindernis für immer sei, aber momentan einfach nichts gehe. Er habe vor allem auch Verantwortung für diejenigen, die ihre Häuser bereits in den gefährdeten Gebieten gebaut hätten.ab

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