Glosse

Hirnblocker Smartphone - Auswirkungen von Handysucht bei Jugendlichen

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(Heggmair) – Wir leben im Zeitalter der unbegrenzten Kommunikation. Natürlich nicht mit den Mitmenschen, sondern online. Der Horizont der heranwachsenden Generation ist eingegrenzt auf einen Vier Zoll Display und abhängig vom Datenvolumen. Angesagt und attraktiv ist man nur mit mehr als hundert Likes unter dem letzten Selfie. Und ohne Styling-, Beauty- oder Lifestyle-Tipps aus Youtube weiß man sowieso nicht, wie man den Tag überstehen soll. 

Wie kann eine Busfahrt ertragen werden, ohne währenddessen online zu sein? Wie kann man erwarten, im Restaurant Essen zu gehen, ohne das Gericht zuvor fünfmal fotografiert zu haben? Wie irre sind Lehrer, wenn sie verlangen, eine Schulstunde das Handy aus der Hand zu legen? Begreifen Eltern denn nicht, dass die morgige Matheschulaufgabe keinesfalls den Stellenwert einer „Wer frisst am meisten Bananen?“-Challenge haben kann? Wie kann man als junge Mutter sein im Schwimmbad strampelndes Kind ordentlich im Auge behalten, wenn die Dating-App gerade viel spannender ist? Wie soll man im Wartezimmer überleben, ohne einen Status-Update auf Facebook zu posten? Wie konnte Christoph Kolumbus Amerika entdecken ohne GPS? Wie haben sich Kinder der früheren Generationen ins Kino verabreden können ohne WhatsApp? 

Die modernen Götter der Gesellschaft heißen Influencer. Das bedeutet, sie verbreiten, in der gestörten Annahme, eine Vorbildfunktion zu sein, Selbstdarsteller-Videos auf Youtube und betreiben nebenher dank bezahlter Produktplatzierung Hirnwäsche an den jungen Konsumenten. Ein Konsument ist ohnehin nur so viel wert, wie er Geld oder persönliche Daten abwirft. Ideal also, wenn die geistig degradierten Knirpse beides freiwillig hergeben. Dauerpräsente, überflüssige Anglizismen sorgen dabei für die extra-Dosis linguistischer Verkümmerung, aber lange und verschachtelte Satzmonster sind sowieso überflüssig und unmodern, wenn man stattdessen einfach einen Smiley posten kann. 

Lächerliche Nebenwirkungen der Online-Odyssee wie irreversible Aufmerksamkeitsstörungen, immense Limitierung des eigenen Wortschatzes, suizidale Depressionen oder starke Kurzsichtigkeit verblassen angesichts des gottgleichen, säkularen sozialen Status, den man sich durch Facebook, Youtube und Instagram aufbauen kann. Man lebt erst richtig, wenn man von der online-Community akzeptiert und verehrt wird. An alle Jungs und Mädchen unter 12: Werft eure Kindheit weg und wünscht euch zu Weihnachten ein Smartphone!

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