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Hoppla, da sind wir

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In der Region Erding hat sich viel getan: Mittlerweile ist man deutschlandweit auf Messen unterwegs. © Brückner

Tourismus spielt in Stadt und Land inzwischen eine große Rolle. Birgit Becker im Landratsamt und Günther Pech für die Stadtverwaltung verzeichnen stetiges Wachstum.

Erding – Früher war die Unterscheidung einfach. Es gab Geschäfts- oder Privatreisende. Heute geht man das Thema differenzierter an. Ob Singles, Pärchen, Familien, Best Ager, Aktivurlauber oder Naturliebhaber nach Erding kommen, weisen die Statistiken aus. Natürlich sind in Erding als Boom-Region viele Geschäftsreisende verzeichnet. Das sind zum Teil Messebesucher, denn seit die Messe München nach Riem verlagert wurde, bietet die S-Bahn ideale Anschlussmöglichkeiten, Oktoberfestgäste, die Erding wählen, weil es vielleicht etwas billiger ist, sie die Hektik der Großstadt meiden wollen oder dort schlicht und einfach kein Zimmer mehr bekommen, und Stop-Over-Kunden, die eine Nacht hierbleiben und am nächsten Tag weiterfliegen, denn über die FTO und den Flughafenbus sind sie vergleichsweise gut angebunden. Es gebe natürlich auch hier andere Preislisten für zum Beispiel das Oktoberfest, denn die Nachfrage bestimme den Preis. Aber mindestens ein Drittel der Touristen komme ganzjährig wegen der Therme Erding, weiß Pech zu berichten. Deren Verweildauer beträgt ein bis zwei Nächte. Länger bleiben Übernachtungsgäste statistisch in Eitting (3,7 Tage bei 224 angegebenen Betten) oder Neuching, (3,2 Tage bei 85 Betten). Doch das erklärt Pech damit, dass viele Wochenendheimfahrer darunter sind, die hier in der Region arbeiten. Und dann ist da noch Oberding, das rund 50 Prozent aller Übernachtungen, 475.000 bei 2.386 Betten, auf sich vereint. Allerdings sind mehr als 50 Prozent der Gäste Ausländer. „Die bleiben sicher nur eine Nacht“, sagt Pech. Sie spülen die Gemeinde jedoch im bayernweiten Ranking unter die ersten zehn. Der Landkreis hat mit 54,3 Prozent der Hotelbetten die stärkste Auslastung aller bayerischen Landkreise. Wobei die Zahlen zwar schön klingen, aber nicht das gesamte Areal betreffen. Erdings Betten sind zu 69,7 Prozent belegt, doch in Dorfen (31,4 Prozent), Buch am Buchrain (28,9 Prozent) oder Wartenberg sieht es da zum Beispiel schon weit schlechter aus. „Ab 50 Prozent, wenn der Preis stimmt und der Betreiber ordentlich wirtschaftet, rentiert sich’s“, weiß Pech. Aber wenn Landrat Martin Bayerstorfer von tollen Übernachtungszahlen und Steigerungen rede, so betreffe das nur einen Teil des Landkreises. Die, die davon profitieren, sind fein raus: Der durchschnittliche Gast lässt pro Tag 155,10 Euro im Umland von München. 63,2 Prozent fließen der Gastronomie zu, aber der Rest, je zu gleichen Teilen, dem Einzelhandel und dem Dienstleistungsgewerbe, abhängig vom Angebot – und das ist im Landkreis und vor allem in Erding sehr gut. Bei 351.790 Übernachtungen in Erding eine Zahl, die im Vergleich zum Vorjahr um 3,14 Prozent gestiegen ist, sind das keine zu verachtenden Zahlen. Statistisch ausgewertet werden ohnehin nur Kommunen, die mehr als drei Beherbergungsbetriebe mit mehr als zehn Betten gemeldet haben Becker verzeichnet auf dem Tourismusmarkt im Landkreis in den vergangenen zehn Jahren auch eine steigende Tendenz. Über 50 gemeldete Anbieter gibt es derzeit. „Es passiert schon was, sogar in Berglern hat jetzt ein Beherbergungsbetrieb angefangen“´, sagt sie. Vor allem die eher privaten Häuser, die weniger als zehn Betten vorhalten und häufig im Nebenerwerb geführt werden, seien zu beachten, denn die sind in keiner Statistik aufgeführt.Becker und Pech sind heute in Sachen Marketing an 30 bis 35 Tagen pro Jahr in fremden Hotels untergebracht, weil sie einschlägige Messen besuchen, um Erding mit all seinen Besonderheiten zu präsentieren. Bis zum Jahr 2007 standen sie noch eher als Exoten da. Doch seither haben auch Stadt und Landkreis erkannt, dass Tourismus in der Region eine wichtige Marke ist. In den Haushalten sind Gelder zur Tourismusförderung eingestellt. Pech erinnert sich noch, als er vor rund 15 Jahren gemeinsam mit Fritz Staudinger, dem damaligen Vorsitzenden des Fremden-Verkehrs-Vereins (heute Tourismusregion Erding), erstmals zum Germany Travel Mart in Hannover gereist ist. Die beiden haben damals die Therme und das Bier beworben. „Man muss was tun, um auf Erding aufmerksam zu machen“, waren sie sich einig. „Es war schwierig, die ersten Schritte zu gehen, der Landkreis ist wohl erst durch die Gründung der ,Airfolgsregion‘ sensibilisiert worden“, vermutet Pech. Heute ist jedenfalls kein Drandenken mehr an die Zeit der Jahrhundert-und Jahrtausendwende, als Pech und Staudinger mutterseelenallein auf den Ausstellungen herumstanden und die Fahne Erdings hochhielten. Becker und Pech sind Profis, besuchen Seminare und Workshops und teilen sich mit anderen Gemeinden oder Anbietern Stände auf allen wichtigen Messen in Deutschland und zum Teil auch in Österreich. Becker hat Tourismus sogar studiert und Pech hat seine Erfahrungen gemacht und sich mit geeigneten Maßnahmen zum Citymanager fortgebildet. Beide haben das Thema zu ihrer Herzensangelegenheit gemacht und wissen, dass Erding viel zu bieten hat. Das beginnt bei den beiden Magneten Weißbräu und Therme. Doch damit ist lange nicht aller Tage Abend. Zum einen ist die Stadt selbst äußerst attraktiv. Jeder Fremde, der herkommt, schätzt die schönen Fassaden und das traditionelle Flair, das durch die Straßen weht. „Die Leute suchen Sicherheit und Sauberkeit, das können wir ihnen bieten“, sagt Pech. Auch beim Altstadtfest, beim Sinnflut und dem Erdinger Herbstfest, nach der Münchner Wiesn und dem Volksfest in Rosenheim Oberbayerns drittgrößte Volksbelustigung. „Wir spielen mit, lassen kein Feld unbestellt“, sagen Becker und Pech. Mittlerweile geben sich etwa auf der Grünen Woche und der ITB in Berlin Politiker und Landfrauen die Klinke in die Hand. Das Thema Erding wird nicht übersehen. „Wir gehen miteinander den richtigen Weg“, sagen Becker und Pech. Die Therme und der Erdinger Weißbräu steigen auch mit ein und jeder weiß, dass er etwas davon hat. „Wir sind austauschbar, was Radl- oder Wandertouren betrifft, da muss schon das ganze Orchester mitspielen, dass man Erding nicht übersieht“, wissen die beiden Tourismusprofis. Mittlerweile haben das auch Stadt und Landkreis erkannt, nehmen Geld in die Hand, stellen Personal ein und vergeben manchmal auch Aufträge an Fremdfirmen. Allein, das wissen Becker und Pech ganz genau, würden sie das personell gar nicht schaffen. Aber sie stehen nicht mehr vor verschlossenen Türen, wenn sie mit einer Idee ankommen. Ein Lieblingsprojekt von Pech ist übrigens „Crossmarketing“. Ob es um Katamarane in Kiel oder um das Drachenfest in St. Peter Ording geht – Erding ist vertreten. So wie viele Urlauber auch, die da schon ihre nächste Reise planen. „Warum nicht mal zu uns?“, fragt Pech. Becker und er wissen, dass man sich nur präsentieren und zeigen muss: „Hoppla, da sind wir“. Die Zahlen geben ihnen Recht. Waren es 1995 doch nur 52.000 Übernachtungen in Erding. Eine Steigerung also, die Ihresgleichen sucht und, nicht nur, aber auch, Verdienst von Birgit Becker und Günther Pech ist.ab

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