Portrait der Woche

Kein Talent zum Rentner

+
Oberbürgermeister Max Gotz und Magdalena Skwara (v.l.) sowie Altbürgermeiser Karlheinz Bauernfeind und stellvertretender Landrat Jakob Schwimmer (v.r.) gratulierten Peter Kühn (M.) im Fischer‘s Seniorenzentrum zum Geburtstag.

Er weiß immer noch, wie es geht. Anlässlich seines Geburtstages begrüßte Dr. Peter Kühn die Gratulanten mit Pommery-Champagner und feierte mit. Der gebürtige Berliner hat sich mehrfach um die Stadt verdient gemacht.

Magdalena Skwora, eine Freundin Kühns, Oberbürgermeister Max Gotz, stellvertretender Landrat Jakob Schwimmer und natürlich Altbürgermeister Karlheinz Bauernfeind waren unter den Gästen. Sogar Ministerpräsident Horst Seehofer hat ihm schriftlich gratuliert. Als erste Glückwunschadresse lag das Schreiben morgens auf dem Tisch. Seit 1991 ist der gebürtige Berliner im Landkreis Erding und hat viel für die Stadt getan. Der alterslose PR-Manager gilt als Medienmanager der alten Schule und ist dafür bekannt, dass er Stars, wie Henry Fonda, Daliah Lavi, Alain Delon oder Charles Aznavour zu weltweitem Ruhm verholfen hat. Vor allem die junge Brigitte Bardot hat der promovierte Theaterwissenschaftler gemanagt, die er innerhalb eines knappen Jahres über die Grenzen ihres Geburtslandes Frankreich hinaus hochgepusht hat. Die großen Namen der Film-und Chansonbranche pflastern seinen Karriereweg. Er hat unter anderem auch Eddie Constantine, Michéle Mercier, Curd Jürgens oder Mireille Darc durch sein Geschick zu weltweitem Ansehen gebracht. Auch Namen wie Fernandel, Peter van Eyck, Maria Schell, Zarah Leander oder Elke Sommer reihten sich ein. Ein großer Erfolg war das Projekt Port Grimaud. Die Ferienhäuser mit angebautem Zugang zum Boot, das vor den Wohnungen ankerte, waren allerdings nur etwas für die reichen Leute, Otto Normalverbraucher konnte sie sich nicht leisten. Dass die Siedlung dennoch zum Erfolgsmodell wurde, ist Kühn zu verdanken. Die zierliche Eva Schulz, Tochter des Berolina Chefs Kurt Schulz, und „meene Kleene“, wie sie der Berliner liebevoll nannte, reichte ihm 1959 die Hand fürs Leben. Bis zum April 2011, als „Evchen“ die Augen für immer schloss, hielt diese Verbindung. Seither lebt Kühn im betreuten Wohnen im Fischer’s Seniorenzentrum, denn alleine konnte und wollte er nicht mehr im Haus in Grünbach bleiben, das den beiden heimisches Domizil geworden war. Aus beruflichen Gründen hatte es den Berliner hierher verschlagen. Aus Grünwald bei München war er gekommen, weil er von dem Projekt der Geothermie gehört hatte, das sich inzwischen zum Erfolgsmodell gemausert hat. Er lernte Bauernfeind kennen und beriet die Stadt Erding kostenlos. „Einen Dollar“ bekäme er dafür, hat Kühn einmal scherzhaft gesagt, was ihm den nicht ganz ernst gemeinten Titel „One Dollar Man“ einbrachte. Bauernfeind, zu einem Freund geworden, hat es sich nicht nehmen lassen, ihm an seinem Geburtstag die Aufwartung zu machen, und Thermenbetreiber Jörg Wund sowie seine Partnerin Sandra haben angerufen. Sie haben ihm ebenfalls viel zu verdanken, denn Kühn hat die Therme Erding hochgebracht, hat dafür gesorgt, dass sie überregional in der Presse erschienen ist und heute den besten Ruf genießt. „Ich könnte das immer noch, aber mich will ja keiner mehr“, schmunzelt der Jubilar. Seine Idee, statt Park & Ride Plätzen von ihm so benannte „Kiss & Ride-Parkplätze“ zu schaffen, hat zwar nicht gegriffen, ging aber damals durch sämtliche Gazetten. Die Ehefrauen sollten ihre Männer mit dem Auto zur S-Bahn fahren, mit einem Kuss verabschieden und am Abend wieder abholen. Durchgesetzt hat sich diese Idee, die allein in seinem Kopf geboren worden ist, zwar nicht, aber sie war nett. Freilich, damals, als Kühn nach Erding kam, war das eher einem Zufall zu verdanken. Er hatte von Erding als Flughafenregion gehört und das Potenzial der Kreisstadt erkannt. Das Geowärmeprojekt hat er damals schon als zukunftsweisend empfunden. Mit Bauernfeind zusammen hatte er am 4. Dezember 1991 einen legendären Auftritt im Münchner Presseclub zu diesem Thema. Bekanntlich hatte die Firma Thyssen damals noch versprochen, ein Thermalbad zu bauen, sich dann aber nach jahrelangen, zähen Verhandlungen, plötzlich zurückgezogen. Doch mit dem Ludwigshafener Architekturbüro Wund, damals noch mit Senior Josef Wund, kam Kühn schnell ins Geschäft. Er wusste, dass es mit einem Termin nicht getan war, sondern man ständig am Ball bleiben muss, um eine Stadt wie Erding auf den Weg nach oben zu bringen. Er pflegte die Kontakte zur örtlichen Presse, ließ den Blätterwald aber auch bundesweit rauschen. Erding hat spätestens seit dem 29. Dezember 1994, der Vertragsunterzeichnung Wunds mit dem Zweckverband Geowärme, auch national einen Namen, ist ständig, auch überregional, in der Presse vertreten. Der Termin zwischen den Jahren war bewusst gewählt, denn alle, alle kamen und berichteten, trotz des ungünstigen Zeitpunktes. Er schlug sich mit Kontrahenten wie Gerd Gaumer, 1992 noch für die SPD im Stadtrat, herum und redete der Geowärme ständig das Wort. Bauernfeind wollte ihn später auch noch für den WestErdingPark gewinnen, doch da hatte sich Kühn schon zurückgezogen. „Da hat mir der Bauernfeind geschrieben“, erzählt der Jubilar. Doch es wäre ihm zu viel geworden, Kühn hat damals schon mehr Ruhe gesucht, obwohl ihm das so ganz nicht gelungen ist. Kleinere Projekte betreut er noch ab und an. So zum Beispiel Jeannine Kästner-Liberatore, die sich mit ihrem hochwertigen Secondhand-Shop „Kleidergeschichten“ die Hilfe des Medienprofis gesichert hat. „Ich habe einfach kein Talent zum Rentner“, sagt Kühn, und „solange mir etwas einfällt, bin ich nicht alt“. Die Zusammenarbeit mit Bauernfeind hatte sich als äußerst fruchtbar erwiesen. Unermüdlich war Kühn bestrebt, den Erdingern zu beweisen, in welch wundervoller Stadt sie leben. Neuland für den Bürgermeister, der damals mit PR wenig am Hut hatte. Aber Kühn hat es ihm beigebracht. Er erzählt heute noch, dass er einst ins Allerheiligste, das Amtszimmer Bauernfeinds, nicht vorgelassen wurde, weil er kein Erdinger war. Fritz Steinberger hat ihm damals geholfen, diese Barriere zu überwinden. Bauernfeind und Kühn waren sich sofort sympathisch, eine Art Seelenverwandtschaft zwischen dem smarten Bürgermeister und dem PR-Profi, bahnte sich an, obwohl der eine, ein überzeugter Bayer und der andere, ein eingefleischter Berliner, sich eigentlich hätten schwer tun müssen. Bauernfeind schätzte die Agilität und Visionskraft seines „ehrenamtlichen Mitarbeiters“, Kühn bewunderte an Bauernfeind dessen Ehrgeiz und seine Strahlkraft. Zusammen waren beide eine uneinnehmbare Bastion. Kühn, der bevor er nach Erding kam unter anderem das Stachus-Einkaufszentrum und die Münchner U-Bahn promotet hatte, kümmerte sich 1991 übrigens auch bereits um den S-Bahn-Ringschluss. „Das ist kein neues Thema, das habe ich schon vor mehr als 20 Jahren aufgegriffen“, kommentiert er die derzeitigen Bemühungen. Einen wie Dr. Peter Kühn könnte man in Erding heute noch gut gebrauchen. Auch wenn die inzwischen „Große Kreisstadt“ gut aufgestellt ist. Für einen echten Profi, der Schläge wegsteckt und sich an vorderste Front stellt, wenn es gilt, sich für ein Projekt einzusetzen, wäre immer noch Platz. Peter Kühn jedoch, der One Dollar Man ohne Alter, wird nicht mehr zur Verfügung stehen, denn auch ihn holt die Zeit ein.

Auch interessant:

Kommentare