Keine Angst ums Kabarett

Ferdinand Maurer (l.) und Sebastian Schlagenhaufer sind Creme Bavarese Foto: Brückner

Erding – Mit Ausschnitten aus ihrem zweiten Bühnen-Programm „Das organisierte Versprechen“ errangen die beiden jungen Männer die Gunst des Publikums und der Jury in der komplett ausverkauften Schiaßn. Um Haaresbreite, denn 91 der anwesenden Gäste votierten für die beiden, genauso viele für den erst 18-jährigen Lengdorfer Julian Wittmann. Doch die Jury hatte das letzte Wort und entschied für Creme Bavarese.

Zu Recht, denn der 27-jährige Versicherungsfachwirt Ferdinand Maurer aus Erding und der 31-jährige Freiberufler Sebastian Schlagenhaufer aus Grafing im Landkreis Ebersberg boten politisches, witziges und vor allem brandaktuelles Kabarett. Das italienische Protestlied Bella Ciao, ein Kampflied der Linken, nahmen sie als Grundlage um Bundespräsident Christian Wulff (Bellevue ciao) oder die griechische Finanzmisere (Hellas ciao) scharfzüngig zu analysieren. Weder die Servicewüste Deutschland, das stundelange Herumhängen in Warteschleifen noch die Scheinheiligkeit der Moralprediger und Märchenerzähler wurden geschont. Die beiden haben es sich zur Aufgabe gemacht, so aktuell wie möglich zu sein – Kabarett zu machen und nicht Comedy. „Es passiert so unglaublich viel“, sagen sie. Kennengelernt haben sie sich beim FKK-Improtheater in Markt Schwaben und sind beide gleich kreativ. Peter Hiebl, Geschäftsführer der Stiftungsbrauerei, sagte ihnen bereits den ersten von fünf versprochenen Auftritten zu: Beim Anstich des Starkbieres St. Prosper im Gasthaus zur Post werden sie zu hören und zu sehen sein. Er versprach auch, dass der St. Prosper-Preis eine feste Einrichtung werden soll. Insgesamt war der Wettbewerb hochwertig besetzt. Um die Zukunft des Genres braucht einem nicht Bange zu sein. Helmut A. Binser aus Runding in der Oberpfalz war als Starter ausgelost worden und schaffte es gekonnt, die Stimmung mit seinen derbkräftigen Liedern im heimatlichen Dialekt anzuheizen. Schiaßn-Programmchef Börnie Sparakowski hatte zudem B3-Moderator Matthias Matuschik (bekannt als Matuschke) gewinnen können, der gekonnt witzig durch den Abend führte. Ja und dann eben Creme Bavarese und im Anschluss der Mainburger Tobias Öller. Der ist schon preisdekoriert und brachte vor allem eine schauspielerische Leistung, die ihresgleichen sucht. Aber das Publikum ließ sich davon nicht beeindrucken. Wittmann hat Potenzial. Momentan dreht sich sein Programm noch sehr um Schule, Führerschein und Krankmachen. Aber für sein Alter ist er erfrischend direkt, witzig und völlig unaufgeregt. Den schwächsten Eindruck machte der Münchner Andreas Hacker. Er tat sich als letzter Akteur schwer, das Publikum zu fesseln. Das mag zum einen an der fortgeschrittenen Zeit gelegen haben, zum anderen aber auch an seinem etwas dozierenden Vortrag. ab

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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