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Kinokritik: Bodies Bodies Bodies - Die Horror-Comedy bringt die überdrehte Generation Z auf die große Leinwand

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Von: Philip Heggmair

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Sie machen Party, und wenn es sie umbringt: Die noch undezimierte Truppe wird von einem Hurrikan überrascht
Sie machen Party, und wenn es sie umbringt: Die noch undezimierte Truppe wird von einem Hurrikan überrascht © Sony Pictures Entertainment

Die vielbeachtete Horror-Comedy „Bodies Bodies Bodies“ zelebriert die Auswüchse und Attitüden der „Generation Z“ wie kein anderer Film zuvor. Ein geglücktes Experiment?

„Bodies Bodies Bodies“ ist eine Horror-Comedy der holländischen Regisseurin Halina Reijn. Eine Gruppe partywütiger Jugendlicher wird durch einen Hurrikan über Nacht in einer Villa eingesperrt. Bald gibt es einen Toten. Kann die Generation Online diesen Härtetest bestehen? Ja, und das Ergebnis ist mehr als amüsant. Zumindest für alle unter 40.

Tik-Tok, Gruppenchats, Podcasts: Das sind die Themen, die den Alltag der Generation Z bestimmen, die bereits von jung auf mit dem Handy in der Hand aufwächst. Kann diese Generation im harten Alltag bestehen und den Herausforderungen der Zukunft gerecht werden?

Darum geht es in der Horror-Comedy mit dem eingängigen Namen „Bodies Bodies Bodies“, die die Jugendlichen der „Generation Online“ ebenso zelebriert wie auch karikiert. Das Partywochenende einer Gruppe reicher Jugendlicher wird durch einen Hurrikan überrascht. Die Feier verlegt sich in die Villa, Drogen und Alkohol fließen in Strömen, alte Beziehungs-Techtelmechtel zwischen den (fast ausschließlich weiblichen) Charakteren kochen an die Oberfläche.

Schließlich wird das Partyspiel Bodies Bodies Bodies gestartet. Eine Art Verstecken mit einem zufällig bestimmten Mörder, der seine Opfer aufspüren und durch Berühren „ermorden“ soll. Treffend dazu sorgt der Hurrikan in diesem Moment für einen Stromausfall innerhalb der Villa. Die einzigen verfügbaren Lichtquellen bleiben die Handys der Jugendlichen. (Eine Methapher, die dem Zuschauer damit geradewegs ins Gesicht springt.)

Bodies Bodies Bodies - jetzt im Kino!
Bodies Bodies Bodies - jetzt im Kino! © Sony Pictures Entertainment

Das Spiel nimmt seinen Lauf; die berauschten Jugendlichen streifen durch die riesige Villa, um sich vor dem unbekannten „Killer“ zu verstecken. Allerdings nützt es nichts: Plötzlich wird eine tatsächliche Leiche gefunden. Ein Mitglied der Gruppe liegt tot auf der Terrasse. Wer war es? Wer wird der nächste sein? Und ist noch genügend Kokain übrig?

Bodies Bodies Bodies erlaubt es sich, mit der gängigen Erwartungshaltung an einen Slasher-Film dahingehend zu brechen, dass keine stereotypen Charaktere bedient werden. Fast alle Liebes-Beziehungen sind lesbischer Natur; die Dialoge sind durchzogen von Slang-Begriffen aus der Online-Welt und entbehren Tiefsinn oder intellektueller Relevanz – aber eben nur auf den ersten Blick. Tatsächlich hat die Regisseurin einen genauen Blick dafür bewiesen, welche Themen die Jugend von heute umtreiben. Nur um diese Elemente dann ins Extrem zu übersteigern. Alle Charaktere reagieren emotional statt rational, Beschuldigungen und Versöhnungen werden im Sekundentakt ausgetauscht, Handys gelten als zentraler, überlebenswichtiger Talisman jedes Einzelnen.

Selbst im Angesicht der eigenen Ermordung müssen Beziehungen geklärt, Social-Media-Posts gerechtfertigt und der eigene Ruf gewahrt werden. Hier agiert Bodies Bodies Bodies als Vorreiter eines Sub-Genres des Horrorfilms, der sich von der „alten“ Generation rigoros abgrenzt und den Übergang in die nächste Generation weist. Dies spiegelt sich vor allem in den Dialogen wieder, die vor Online-Slang-Begriffen nur so strotzen. (Im englischen O-Ton deutlich stärker als in der Synchronfassung.)

Erstmal den Status checken: Bee (re.) und ihre reiche Freudin Sophie werden von einem Mörder gejagt
Erstmal den Status checken: Bee (re.) und ihre reiche Freudin Sophie werden von einem Mörder gejagt © Sony Pictures Entertainment

Kaum ein Charakter wird jemals ohne Handy in der Hand gezeigt, sie agieren durchweg egoistisch, emotionsgesteuert und antiautoritär (was durch den hedonistischen Drogenkonsum noch verstärkt wird). Eben das kann für all jene Zuschauer befremdlich wirken, die sich selbst nicht zur dargestellten Online-Generation zählen. Viele Dialoge und Anspielungen bleiben damit ein unlösbares Rätsel.

Der Thriller/Horror-Aspekt wird subtil eingestreut und entbehrt gelegentlich Tempo; rein auf diese Elemente bezogen bleibt der Film hinter den Erwartungen zurück. Auch die überzogenen, mitunter nervtötenden (aber niemals künstlich wirkenden) Dialoge mit Online-Hintergrund dürften bei allen über 40 für irritiertes Kopfschütteln sorgen.

Bodies Bodies Bodies ist konsequente Zielgruppenfütterung, eine Zelebrierung aller internetabhängigen Tik-Tok Jünger der Moderne. Und doch gönnt sich Regisseurin Reijn eine Schluss-Pointe, die eben dieser Generation auf simpelste, knallharte Weise den Spiegel vorhält und den Film als Satire entlarvt. Unsere Wertung: 7 von 10 Likes!

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