Krieg der Meinungen: Sind Impfskeptiker und -verweigerer in sozialen Medien in der Überzahl?

Wer nicht geimpft ist, muss vielerorts draußen bleiben
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Wer nicht geimpft ist, muss vielerorts draußen bleiben

Soziale Medien sind nicht selten Brennpunkt von hitzigen Wortgefechten, Diskussionen und Anfeindungen. Mitunter entwerfen Sie auch ein verzerrtes Bild der Realität – wie am Beispiel Impfen und Pandemie

Online – Seit knapp zwei Jahren beherrscht die Pandemie die globale Nachrichtenlandschaft. Ebenso regte sich von Anfang an Widerstand gegen sämtliche von Regierungen beschlossenen Maßnahmen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens – Widerstand, der vor allem im Internet ungehemmt ausgelebt wird, wie am Beispiel Facebook zu sehen ist. Mit rund 2,9 Milliarden aktiven Nutzern pro Monat, prallen im größten sozialen Netzwerk ungehemmt Meinungen aufeinander, die die Kommentarfunktion zum Schlachtfeld der Weltansichten verkommen lassen.

Ein aktuelles Thema, die im Raum stehende mögliche Impfpflicht für Deutschland, birgt in dieser Hinsicht besonderes Spaltungspotenzial. Studiert man die Facebook-Seiten diverser deutscher Nachrichtenportale mit relevanter Reichweite, so drängt sich nicht selten der Eindruck auf, als befände sich die Fraktion der Impfskeptiker flächendeckend in der Überzahl.

Top-Kommentare geben die Meinung vor

Dies liegt an den sogenannten Top-Kommentaren, also Kommentare, die von anderen Nutzern besonders viele Reaktionen, Likes und Antworten bekommen. Top-Kommentare werden stets an der Spitze der Liste besonders prominent angezeigt und erreichen somit eine besonders große Reichweite. Geben besagte Top-Kommentare einmal die Richtung vor, schließen sich andere Kommentatoren häufig deren Meinung an.

Ein Beispiel: Unter einem am 29. November auf der Facebookseite von WELT (über 1 Millionen Likes) veröffentlichten Artikel mit der Überschrift „‚Unsere Maßnahmen beginnen wohl zu wirken‘, sagt Söder“, befinden sich neun am höchsten bewertete Top-Kommentare, die ausschließlich Söder-, Impf-, oder Regierungskritische Meinungen vertreten.

Unter einem ebenfalls am 29. November veröffentlichten Artikel von RT DE (Russia Today Deutschland, 530.000 Likes) mit der Überschrift „Gefälschte Impfnachweise haben scheinbar Hochkonjunktur“ finden sich fast ausschließlich Kommentare, die Verständnis für das Fälschen von Zertifikaten propagieren.

Ausgeglichener sieht es auf der Facebookseite der Tagesschau (fast 2 Millionen Likes) aus. Der am 29. November veröffentlichte Artikel „Länder-Spitzenrunde mit Scholz und Merkel zu Corona“ barg überwiegend Top-Kommentare, die sich für ein konsequentes Durchgreifen der Regierung aussprachen, oder zumindest dafür Verständnis zeigten, um der Pandemie Herr zu werden.

Blick ins Ausland

Kontroverse Meinungen mit großer online-Reichweite sind mitnichten auf deutsche Medien beschränkt. Auch der Blick auf ausländische Nachrichtenportale auf Facebook vermittelt den Eindruck, die vorherrschende Meinung zu Impfungen und Pandmie-Maßnahmen sei eine Abweisende.

Die amerikanische, rechte Politikerin Candace Owens (5,4 Millionen Likes) sammelte mit einem Aufruf, anstelle der Regierung lieber den Verschwörungstheoretikern zu vertrauen, im Laufe eines Tages über 135.000 Likes.

Der von der Jerusalem Post (990.000 Likes) veröffentlichte Beitrag „Sanction those who do not take COVID vaccine“ zog fast ausschließlich negative Reaktionen nach sich. Auch meldeten sich Skeptiker zu Wort, die eine niemals endende Folge verpflichtender Booster-Impfungen vermuteten.

Die Kommentare zu den jüngsten Beiträgen des großen arabischen Nachrichtenportals Al Jazeera English (über 13,7 Millionen Likes) lassen überwiegend eine Pandemie-Müdigkeit und wenig Vertrauen in die Medien erkennen.

Wie kommt´s?

Je schärfer und provozierender ein Kommentar formuliert wird, desto mehr Reaktionen, Klicks und Likes sind die Folge. Und schon erhält eine Meinung, völlig unabhängig ob ursprünglich wahr oder erfunden, im Handumdrehen eine massive Reichweite, die sich wie ein Lauffeuer ausbreitet. Stoppen lässt sich dies nicht – es liegt an uns, ob wir unsere Informationen hinterfragen und überprüfen, ehe wir sie weiterverbreiten.

phi

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