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Mit Mafia-Hut und Priesterkappe

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Hermann Bendl (Jesus), Kreisdekan Reinhard Föckersperger (Don Camillo), Oberbürgermeister Max Gotz (Peppone), Franziska Marschall als seine Gemahlin Ariane und Thomas Hintermaier als Erzähler (v.r.) bereiteten den Zuhörern eine heitere Vorlesestunde. © Brückner

Max Gotz gibt als Peppone keinen schlechten Kommunisten ab, doch Reinhold Föckersperger scheint die Rolle des Don Camillo auf den Leib geschrieben zu sein.

Erding – Die Geschäftsführerin des Katholischen Kreisbildungswerkes (KBW), Adelheid Widmann, freute sich, dass der Saal im Johanneshaus prall gefüllt war, als Erdings Oberbürgermeister und der Kreisdekan für rund eine Stunde in die Figuren schlüpften, deren Geschichten Giovannino Guareschi von 1946 an im Satiremagazin Bertolde, dessen Chefredakteur er war, veröffentlichte. Seit 1948 gibt es sie in Buchform und Schauspieler Fernandel wurde mit dem 1952 erstmals gezeigten Film weltberühmt. Sie skizzieren den Zwiespalt zwischen tradierten Werten, gesellschaftlicher Aufbruchstimmung und politischer Rivalität im Klima des Kalten Krieges. Föckersperger liest den Part des Don Camillo überzeugend. Er ist schlitzohrig und setzt dem Tadel von Jesus (Hermann Bendl ) immer etwas entgegen. Doch leider hat Jesus das letzte Wort und die besseren Argumente. Andererseits hetzt er ihn auch dazu auf, seinem Widersacher Peppone einen kräftigen linken Aufwärtshaken zu verpassen. Es geht darum, dass Peppone schon widerwillig mit Frau Ariane (Franziska Marschall) und neugeborenem Sohn in die Dorfkirche kommt, um letzteren taufen zu lassen. „Wollt ihr die Kirche plündern, oder ist der KPI-Vorstand konvertiert?“ fragt Don Camillo seinen Widersacher Peppone, alias Gotz dessen schwarzer Hut ihn fast als Mafioso ausweist. Die Gemahlin will beschwichtigen, als Peppone darauf besteht, dass der Filius Lenin heißen soll und Don Camillo ihn daraufhin nach Russland schicken will, um die Taufe dort vornehmen zu lassen. Natürlich gibt der eine und der andere nach, ein Kompromiss wird gefunden, nicht zuletzt weil sich Jesus immer aus dem Off zuschaltet und Don Camillo gute Ratschlage gibt. So vergnüglich geht es eine Stunde lang zu. Die Geschichten, die großteils postum bis 1996 erschienen sind, haben nach wie vor einen hohen Stellenwert. Gotz als grummelnder Kommunistenbürgermeister, Föckersperger als schlitzohriger Pfarrer, Bendel als weiser, kluger, sanftmütiger Jesus und KBW-Diplom-Theologe Nikolaus Hintermaier als Vorleser der Geschichten bereiteten den Besuchern einen heiteren Abend. Der Spendenerlös der Benefizveranstaltung ist für das Projekt wellcome des KBW bestimmt, das es jungen Familien erleichtern soll, die Zeit nach der Geburt des ersten Kindes gut zu bewältigen. Gotz gab zum Schluss noch eine kleine Anekdote zum Besten: Als er und Föckersperger vor etwa fünf Jahren gemeinsam von einer Veranstaltung nach Hause fuhren, wurden sie tatsächlich nach 30 Metern von der Polizei kontrolliert und nach ihrem Alkoholkonsum befragt. „Wenn wir beide einen Rausch gehabt hätten, hätte es am nächsten Tag bestimmt in den Schlagzeilen geheißen: ,Don Camillo und Peppone fahren besoffen durch Erding‘“, schmunzelte er.ab

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